Polizeihund Quandos leistet im Kanton Obwalden ganze Arbeit

Polizeihundeführer Toni Diethelm betrachtet seinen Schäferhund als Partner im Beruf und als Mitglied der Familie.

Romano Cuonz
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Polizeihundeführer Toni Diethelm und sein Hund Quandos sind im Dienst gut eingespielte Partner.

Polizeihundeführer Toni Diethelm und sein Hund Quandos sind im Dienst gut eingespielte Partner.

Bild: Romano Cuonz
(Sarnen, 23. Juli 2020)

Der Obwaldner Polizeihundeführer Toni Diethelm öffnet die Hecktür des Einsatzfahrzeuges. Auf diesen Moment scheint der junge Deutsche Schäferhund in der Hundebox, im Fond nur gewartet zu haben. Wie ihn der Polizist freundlich mit dem Namen Quandos anspricht, schaut uns das Tier aus klugen Augen entgegen. Quandos hat vor noch nicht allzu langer Zeit die «Lehrabschlussprüfung» als Polizeihund bestanden. «Bei dieser Prüfung musste er seine Einsatzfähigkeit in verschiedenen Disziplinen unter Beweis stellen», erklärt Diethelm. Unabdingbare Voraussetzung sei die gute Nasenarbeit. Polizeihunde sollen ja versteckte Gegenstände oder auch Personen aufspüren, Fährten aufnehmen. Toni Diethelm ist stolz, wenn er Quandos das rote Halsband mit der Aufschrift «Polizei Obwalden» anzieht. «Als ich ihn in der Zucht vom Hohen First in Andelfingen auslesen durfte, war er noch ein Welpe», erzählt er. Quandos sei bereits der fünfte Diensthund, den er in 26 Jahren Polizeiarbeit ausgebildet habe. Diethelm schmunzelt: «Genau genommen, bilden sich ja Polizist und Hund gegenseitig aus.» Das Tier zeige dem Meister, wenn dieser nicht gut drauf, nervös oder müde sei. Wie in einem Spiegel! «Bei einem Fehlverhalten ist selten der Hund das Problem, meist begeht der Halter hinter der Leine den Fehler», ist Diethelm überzeugt. «Quandos ist mein Partner», lobt er. Damit Polizeihunde genügend Bewegung haben, verfügt das Polizeigebäude im Foribach sogar über einen eigenen Hundezwinger. Auch zu Hause in Kerns gewährt Diethelm seinem Hund einen zwar eingezäunten, aber doch grossen Freiraum in Haus und Garten. «Schon als unsere Kinder noch klein waren, waren Hunde Mitglieder der Familie», erinnert sich Toni Diethelm. Wenn er mit Quandos – sei es zum täglichen Training oder im Dienst – unterwegs ist, hält er ihn meistens an einer acht Meter langen Flexileine. «Als Halter eines Diensthundes sollte man auch Vorbild sein und sich an alle Regeln halten, die die Gesellschaft vorgibt», sagt der Polizist. Viele Spaziergänger oder Landwirte schätzten es gar nicht, wenn sich ein so grosser Hund ihnen nähere oder seine Geschäfte irgendwo verrichte.

Der Polizist und sein Polizeihund sind auch ausserhalb der Arbeitszeit gute Freunde. Doch: «Wer ein Tier für den Dienst anschafft, muss immer auch damit rechnen, einmal ohne seinen Partner heimzukehren.»

Der Polizist und sein Polizeihund sind auch ausserhalb der Arbeitszeit gute Freunde. Doch: «Wer ein Tier für den Dienst anschafft, muss immer auch damit rechnen, einmal ohne seinen Partner heimzukehren.»

Bild: Romano Cuonz
(Sarnen, 23. Juli 2020)

Polizeihunde haben Dienstvorschriften

«In Tuggen, wo ich aufgewachsen bin, besass mein älterer Bruder einen Schäferhund, und so war es ein Bubentraum von mir, dereinst auch einen zu besitzen», sagt Toni Diethelm. Doch erst als er nach einer Schreinerlehre im Kloster Engelberg der Obwaldner Kantonspolizei beitrat, erfüllte sich der Traum. Polizeihundeführer dürfen mit ihren Tieren zweimal im Monat während der Arbeitszeit in Gruppen trainieren. Dazu komme aber noch sehr viel Arbeit in der Freizeit, sagt Diethelm. Auch Polizeihunde hätten Dienstvorschriften zu befolgen. Mit Menschen und mit andern Hunden müssten sie sozialverträglich und friedlich sein. Bisweilen setzte Diethelm seinem Quandos einen Fetzen aus einer Jeanshose vor. Lehrte ihn, dass er zum Schutz seines Herrn die angeborene Beisshemmung auch einmal überwinden darf. Allerdings nur auf ausdrücklichen Befehl! «Sobald ich ihm ein Signal gebe, lässt er augenblicklich los», ist sich Diethelm gewiss. Wichtig sei auch, dass ein Polizeihund beim Laufen auf rutschigen Untergründen, Gitterrosten oder Treppen keine Probleme bekunde. Die Polizei weiss, ihre Hunde zu schätzen: Fürs Futter gibt es einen monatlichen Beitrag, und Tierarztkosten werden übernommen.

Der noch junge Obwaldner Polizeihund Quandos trägt stolz sein rotes Rangabzeichen der Obwaldner Polizei.

Der noch junge Obwaldner Polizeihund Quandos trägt stolz sein rotes Rangabzeichen der Obwaldner Polizei.

Bild: Romano Cuonz
(Sarnen, 23. Juli 2020)

Wo Polizeihunde helfen konnten

Wie nützlich gut trainierte Polizeihunde sind, hat Toni Diethelm in den vielen Jahren gleich mehrmals erlebt. Er erzählt: «Als ein Mann auf einem Spaziergang im Wald seine Sehbrille verloren hatte, waren mein Hund und ich als Freund und Helfer zur Stelle.» Mitten im Gebüsch habe der Hund die Brille tatsächlich aufgespürt. Noch mehr gefordert sei der Hund gewesen, als jemand im Camping Sarnen ein teures Hörgerät vermisst habe. Doch auch dieses kleinste Ding habe er gefunden. Ernst wird Diethelms Stimme, wenn er sagt: «Wer ein Tier für den Dienst anschafft, muss immer auch damit rechnen, dass er einmal ohne seinen Partner heimkehrt.» Doch er – und mit ihm seine Kinder, die die Hunde auch sehr liebten – habe bisher Glück gehabt. Sogar damals, als sein Hund in einem Industriegebäude versteckte Täter aufspürte und verbellte. «Die waren so beeindruckt, dass sie sich gleich ergaben und verhaften liessen», sagt Toni Diethelm. Dann reicht er seinem Quandos ein «Guätsli», bevor es aufgeht zum nächsten gemeinsamen Training.