Der Kanton Obwalden baut seine Covid-19-Fachstelle aus – befristet bis Ende 2022

Bis zu 700 Stellenprozente soll die Fachstelle umfassen können. Damit soll sie möglichst flexibel auf die sich rasch verändernde Corona-situation reagieren können. Weiter teilt der Regierungsrat mit, dass der Leiter des Gesundheitsamts Patrick Csomor geht.

Martin Uebelhart
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Ende Mai hat der Obwaldner Regierungsrat die Fachstelle Covid-19 befristet bis Ende 2020 mit 100 Stellenprozent bewilligt. Zu den Aufgaben der Fachstelle zählen insbesondere das Contact-Tracing, die Kontrolle der Schutzkonzepte, der Betrieb der Corona-Hotline sowie die Bewilligung von Grossanlässen und die Medienarbeit.

In den letzten Wochen haben die Fälle von Personen, die positiv auf Corona getestet wurden, sehr stark zugenommen, schreibt die Regierung in einer Medienmitteilung. Die Zunahme der positiv Getesteten und die damit verbundene zeitintensive Kontaktaufnahme mit deren Kontaktpersonen – etwa in Schulen, Clubs, Firmen oder Heimen – brächten das Contact-Tracing an seine Leistungsgrenze. Hinzu kämen viele Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern per E-Mail und Telefon sowie zusätzlich die intensive Medienarbeit.

Fachstelle ist auch ausserhalb Bürozeiten erreichbar

Aufgrund der vielen Fälle wurden zudem die Dienstleistungszeiten angepasst. Die Fachstelle Covid-19 ist auch ausserhalb der Bürozeiten und an den Wochenenden erreichbar, um die Bedürfnisse der Bevölkerung abzudecken. Das Gesundheitsamt konnte die anfallenden Arbeiten der Fachstelle angesichts der in den letzten Wochen stark gestiegenen Fall-zahlen nur mit dem Einsatz von zusätzlichem Personal bewältigen. Die Fachstelle soll deshalb laut der Mitteilung den Aufgaben entsprechend ausgebaut und rasch in einen ordentlichen Betrieb überführt werden.

«Im Moment umfasst die Fachstelle 550 Stellenprozente», sagt Gesundheitsdirektorin Maya Büchi-Kaiser auf Anfrage. Diese verteilten sich auf acht Personen. «Wir mussten sehr schnell reagieren und haben den Ausbau der Fachstelle vorangetrieben.» Nun habe der Regierungsrat für die Fachstelle Covid-19 ein maximales Kontingent von 700 Stellenprozent bewilligt. Damit sei sichergestellt, dass die gemäss Epidemiengesetz in die Zuständigkeit des Kantons Obwalden fallenden Aufgaben vollzogen werden könnten. «So können wir flexibel auf die Entwicklung der Pandemie und der Fallzahlen reagieren», hält Maya Büchi fest. Diese Zahlen seien derzeit noch im Steigen begriffen, doch hoffe sie, dass die zahlreichen Massnahmen bis hin zur Beschränkung auf 30 Personen für Veranstaltungen ihre Wirkung zeigten. «Natürlich ist auch die Wirtschaftlichkeit ein Thema», räumt sie ein. «Wir wollen so viele Ressourcen wie nötig einsetzen und so wenig wie möglich.»

«Die Leute auf der Fachstelle brauchen eine gewisse Durchhaltefähigkeit»

Die Personen, die bisher neu für die Fachstelle rekrutiert worden sind, habe man teilweise über das bestehende Beziehungsnetz gefunden. «Wir haben Personen direkt angefragt, von denen wir annahmen, dass sie sich dafür eigenen könnten.» Andere wiederum hätten sich selbst beim Kanton gemeldet und ihr Interesse bekundet. «Die Leute auf der Fachstelle brauchen eine gewisse Durchhaltefähigkeit. Es ist ein harter Job», sagt die Gesundheitsdirektorin. Eine ganze Anzahl der Leute habe Erfahrungen im Gesundheitswesen. Verlangt sei etwa Sozialkompetenz, denn nicht jeder Angerufene sei glücklich über die Mitteilung, in Quarantäne oder Isolation gehen zu müssen. Auf der anderen Seite sei auch fachliches Wissen gefragt, etwa wenn es darum gehe, Anfragen von Unternehmen oder Privaten zu beantworten.

Bei den Arbeiten der Fachstelle Covid-19 handle es sich um Vollzugsaufgaben des Bundesrechts und des kantonalen Rechts. «Die Massnahmen zur Bekämpfung der Coronapandemie dulden aufgrund der dramatischen Entwicklung keinen Aufschub», hält der Regierungsrat fest. Darum habe er diese Anpassung der Organisationsstruktur in der kantonalen Verwaltung beschlossen, so Maya Büchi. Dem Kantonsrat werde für diese Position ein Nachtrag zum Budget vorgelegt.

Die Fachstelle ist bis am 31. Dezember 2022 befristet. «Nach dem heutigen Stand des Wissens müssen wir davon ausgehen, dass uns das Coronavirus noch eine ganze Weile beschäftigen wird», ist Maya Büchi überzeugt. Eine Impfung könne vielleicht im kommenden Sommer ein Thema werden, und auch dann werde man erst herausfinden müssen, ob sie die erhoffte Wirkung zeige. «Auch wenn die Impfung und die beschlossenen Massnahmen gegen die Ausbreitung des Virus etwas nützen, gehen wir davon aus, dass wir für die Aufarbeitung ebenfalls noch Zeit brauchen werden.» Jetzt gebe es für die Fachstelle eine Grundlage, aufgrund der man nicht alle zwei Monate eine neue Bewilligung für Änderungen beim Personal brauche.

Patrick Csomor hört als Leiter des Gesundheitsamts auf

Patrick Csomor.

Patrick Csomor.

Bild: unp

Patrick Csomor verlässt das Gesundheitsamt des Kantons Obwalden Ende Februar 2021. Er war vom Regierungsrat auf den 1. August 2014 zum Amtsleiter gewählt worden. Csomor war laut einer Mitteilung des Kantons an zahlreichen strategischen Projekten (Umsetzung Zusammenarbeit Psychiatrie LU/OW/NW, Umsetzung Palliative Care Strategie OW, Sanierung/Umbau Psychiatriegebäude Sarnen) beteiligt. Im Gesundheitsbereich engagierte er sich auch auf nationaler und regionaler Ebene in verschiedenen Gremien.

Aktuell ist er im Rahmen der Bewältigung der Coronavirus-Pandemie stark gefordert. Weiter beschäftigt er sich mit der Erarbeitung der Versorgungsstrategie und der Überarbeitung des Gesundheitsgesetzes. In den beiden Projekten werden wichtige Meilensteine bis zum Austritt von Patrick Csomor erreicht.

Nach einer intensiven und anspruchsvollen Zeit möchte sich Patrick Csomor nochmals einer neuen Herausforderung zum Thema «Versorgung» im Gesundheitsbereich widmen. Dieser Entscheid ist seit längerer Zeit gereift, die aktuelle Covid-Situation hatte keinen Einfluss darauf. Das Finanzdepartement bedankt sich bei Patrick Csomor für die langjährige, wertvolle Arbeit. Die Stelle wird öffentlich ausgeschrieben.