Der Kanton Obwalden prüft Ideen für die Spitalzukunft

Die Obwaldner Regierung zeigt verschiedene Varianten einer künftigen Versorgungsregion mit Nidwalden und Luzern auf.

Franziska Herger
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Das Kantonsspital Obwalden soll sich künftig einer Versorgungsregion mit Nidwalden und Luzern anschliessen. (Bild: Corinne Glanzmann, Sarnen, 9. Januar 2019)

Das Kantonsspital Obwalden soll sich künftig einer Versorgungsregion mit Nidwalden und Luzern anschliessen. (Bild: Corinne Glanzmann, Sarnen, 9. Januar 2019)

Das Kantonsspital Obwalden (KSOW) soll sich an eine Versorgungsregion anschliessen. Dieses von der Regierung favorisierte Zukunftsszenario findet breite Unterstützung, wie die nun vorliegenden Vernehmlassungsergebnisse zeigen.

Die Teilnehmer, darunter alle Gemeinden, die Parteien, das Kantonsspital sowie Verbände von Ärzten, Pflegern und anderen medizinischen Leistungserbringern äusserten sich zu sechs Szenarien: Dem Verkauf, der Schliessung, der Weiterführung im Status Quo, dem Fokus auf die ambulante oder die stationäre Versorgung oder eben der Versorgungsregion. Letztere findet bei fast allen Akteuren grundsätzlichen Zuspruch.

Grundangst vor der Übernahme durch das Luks

Doch die Vernehmlassung zeige auch, schreibt die Regierung in ihrem Bericht zuhanden des Kantonsrats, dass das Verständnis, was eine Versorgungsregion genau sein könnte, unterschiedlich ausfällt. Für viele Teilnehmende seien die Versorgungsregion und die Kooperation mit dem Luzerner Kantonsspital (Luks) gleichbedeutend. «Dies führt zu einer Grundangst, dass eine Zentralisierung von Leistungen im Luks und eine mittelfristige Übernahme des Kantonsspitals Obwalden beziehungsweise eine Schwächung der Grundversorgung im Kanton Obwalden die Folge wären.»

Aus Sicht des Regierungsrats soll sich die Versorgungsregion auf die Kantone Obwalden, Nidwalden und Luzern fokussieren. Denn eine über mehrere Jahre durchgeführte Auswertung zeige, dass sich die Patientenströme aus Obwalden stark auf Nidwalden und Luzern konzentrierten. Rund 48 Prozent der stationären Behandlungen erfolgen heute ausserkantonal. Gründe sind die näheren Lage Engelbergs an Stans, Leistungsbereiche, die nur in ausserkantonalen Spitälern erbracht werden können, sowie Patienten, die mit der freien Spitalwahl ausserkantonale Leistungen denen im KSOW vorziehen.

Wie die Versorgungsregion aussehen könnte, zeigt die Regierung in vier Varianten der Zusammenarbeit auf. In der ersten Variante, die dem heutigen Modell am ehesten entspricht, sucht das Kantonsspital in Leistungsbereichen mit niedrigen Fallzahlen und niedriger Rentabilität die Zusammenarbeit mit anderen Spitälern. Der Kanton nimmt diese in die Spitalliste auf. Patienten müssten wie bisher, aber wohl zunehmend, für gewisse Behandlungen in ausserkantonale Spitäler gehen.

Mit der zweiten Variante, dem sogenannten Betreibermodell, wird der Spitalstandort Sarnen von einem Zentrumsspital betrieben. Naheliegend wäre das Luks. Der Kanton schliesst mit dem Luks eine Zusammenarbeitsvereinbarung ab, welche die Versorgung vor Ort und deren Kosten definiert. Das Spitalpersonal wird ins Luks integriert. Die Infrastruktur bleibt (wie bei allen anderen Varianten) im Besitz des Kantons, der auch weiterhin dafür aufkommt. Die Kantone Luzern, Ob- und allenfalls auch Nidwalden schliessen eine Rahmenvereinbarung zur gemeinsamen Spitalversorgungsregion ab.

«Lunos» statt «Lunis» ist eine Möglichkeit

Die dritte Variante sieht eine Holdinggesellschaft «Lunos» vor, analog dem Spitalverbund Luzern-Nidwalden namens Lunis. Das KSOW wird damit neben dem Kantonsspital Nidwalden zur Tochtergesellschaft. Die Kantone legen gemeinsam die Spitalplanung fest. Dabei müsse Obwalden in einem noch zu bildenden politischen Gremium als gleichberechtigter Partner in regionalen Planungsfragen mitentscheiden können, schreibt die Regierung. In Sarnen wird eine neu zu definierende Grundversorgung inklusive Notfallversorgung angestrebt.

Gleiches gilt auch für die vierte Variante, wobei die Versorgungsregion politisch umgesetzt wird; die Rechtsform spielt eine untergeordnete Rolle. Die drei Kantone planen gemeinsam und nehmen die Leistungszuteilung an alle aufrechterhaltenen Standorte vor.

Bei den Varianten zwei bis vier hängen die Auswirkungen auf die Patienten jeweils davon ab, welche Leistungsaufträge pro Standort erteilt werden.

Luzern und Nidwalden bereits angefragt

Der Bericht wird dem Kantonsrat an seiner Sitzung vom 24. Oktober zur Kenntnisnahme unterbreitet. Die Regierung will nun die Strategie ausarbeiten und den Rat in rund einem Jahr darüber informieren. Mit Nidwalden und Luzern habe man bereits ein erstes politisches Gespräch geführt, sagt Gesundheitsdirektorin Maya Büchi-Kaiser. «Sie werden uns eine Rückmeldung geben, ob sie mit uns auf den Weg der Versorgungsregion gehen wollen.»

Der Zeitplan sei sportlich. «Die eigentliche Knochenarbeit ist dann aber die Umsetzung mit Gesetzesvorlagen, über die der Kantonsrat und das Volk befinden», so Büchi. Nicht im Vordergrund stehe im Moment die künftige Rechtsform des Spitals. «Unser Ziel ist aber nicht, mit dem Luks zu fusionieren», betont Maya Büchi. «Wir wollen ein gleichberechtigter Partner in der Region sein.»