Der neue Geschäftsführer von Obwalden Tourismus will weg vom «Gärtli»-Denken

Daniel Scardino präsentiert seine Strategie für den Tourismus im Kanton Obwalden. Diese geht über die Kantonsgrenze hinaus.

Christian Glaus
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Daniel Scardino, Geschäftsführer von Obwalden Tourismus.

Daniel Scardino, Geschäftsführer von Obwalden Tourismus.

PD

Häufige Leitungswechsel, Leistungserbringer, die nicht immer am selben Strick ziehen, Touristen, die den Kanton nur durch das Zugfenster anschauen aber nur selten aussteigen: Als Daniel Scardino die Geschäftsführung von Obwalden Tourismus übernommen hat, präsentierte sich die Organisation nicht gerade im besten Zustand. Nach 100 Tagen im Amt zieht er nun aber ein positives Fazit und schmiedet Pläne für die Zukunft. «Ich habe gewusst, dass es keine einfache Aufgabe sein wird. Aber dank meiner 30-jährigen Erfahrung im Tourismus weiss ich, wie ich mich bewegen muss.» Die Diskussionen seien überall ähnlich, genauso wie sein Lösungsansatz: «Man muss ständig den Dialog suchen und führen, um die Bedürfnisse der Leistungserbringer abzuholen.»

Den Dialog hat der 54-Jährige inzwischen auch gesucht. Das Team von Obwalden Tourismus ist mit den verschiedenen Akteuren im Kanton zusammengekommen. Dabei wurden Unterschiede zwischen den verschiedenen Betrieben diskutiert und potenzielle Konflikte angesprochen. Scardino spricht von einem «sehr positiven Zusammentreffen». Die Herausforderung im Kanton Obwalden sei, dass die Betriebe sehr unterschiedlich seien. Die einen seien auf lokale Gäste ausgerichtet, die anderen auf internationale Touristen. Gemeinsam haben sie, dass sie von der Organisation Obwalden Tourismus profitieren wollen, weil sie sich auch finanziell daran beteiligen müssen.

Hier bestehe das grösste Konfliktpotenzial, sagt Daniel Scardino. Die Herausforderung sei es, einen gemeinsamen Nenner zu finden.

«Die Leistungserbringer sollen uns als Partner sehen und nicht als Gegner. Das war nicht immer so.»

Scardino will einen Marketingpool Sarneraatal schaffen, der die Zusammenarbeit mit Obwalden Tourismus innerhalb des Sarneraatals fördert. Es wird dessen Aufgabe sein, konkrete Massnahmen zu planen. Als Beispiele nennt er gemeinsame Auftritte an Ausstellungen oder die Teilnahme an nationalen Werbekampagnen.

Scardino setzt auf sanften Tourismus

Der Kanton Obwalden propagiert den sanften Tourismus. Grosse Ströme ausländischer Gäste will der Kanton bewusst nicht anziehen. Dies entspricht auch der Haltung von Daniel Scardino. So will er die Kampagne, mit der sich Obwalden als zentral gelegenes, gut erreichbares Laufparadies positioniert, fortführen. Für grosse Reisegruppen fehle grossteils die Infrastruktur. Ausserdem bezweifelt er, dass der Gruppentourismus in Obwalden die erwartete Wertschöpfung bringt.

Trotzdem: «Wir werden nicht Nein sagen, wenn Anfragen von Reisegruppen kommen.» Schon heute würden diese teilweise in Lungern oder Sarnen Halt machen. Scardino wünscht sich, dass dies noch öfter geschieht, etwa dank Wanderungen am Lungerersee oder auf Melchsee-Frutt.

Wichtig ist Scardino, dass die verschiedenen Player im Tourismus von ihrem «Gärtli»-Denken wegkommen. «Man muss lernen, dass auch andere Anbieter zum Angebot gehören.» Das Denken dürfe dabei nicht an der Kantonsgrenze Halt machen. Er spricht von einer Ferienregion, die bis nach Interlaken, Uri oder Brunnen reicht, das Verkehrshaus oder eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee miteinbezieht. Die Gäste seien viel mobiler als früher. «Diesen veränderten Bedürfnissen müssen wir entgegenkommen.»