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Der Obwaldner Spital-CEO will sagen, was Sache ist

Andreas Gattiker ist seit einem knappen Jahr Direktor des Kantonsspitals. Nach viel Verunsicherung und Stellenabbau hofft er, dass bald geklärt wird, was das Spital kosten darf. Den Mitarbeitern windet er ein Kränzchen.
Franziska Herger
Der Obwaldner Spitaldirektor Andreas Gattiker hatte einen herausfordernden Start. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 19. Dezember 2019))

Der Obwaldner Spitaldirektor Andreas Gattiker hatte einen herausfordernden Start. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 19. Dezember 2019))

Andreas Gattiker begrüsst jeden, der ihm auf dem Weg durch das Kantonsspital Obwalden (KSOW) begegnet: Patienten, Angehörige, Sanitäter und den Mitarbeiter des Reinigungsdienstes, mit dem Gattiker am spitalinternen Pingpong-Turnier den vierten Platz geholt hat. Der Kontakt zu den Mitarbeitern sei wichtig, sagt Gattiker. «Gerade in einem schwierigen Jahr wie 2018.» Vier Monate nach seinem Stellenantritt im Februar musste der 51-jährige Zürcher eine Jahresrechnung mit einem um 1,3 Millionen Franken höheren Defizit als erwartet präsentieren. Von der Regierung kam Kritik, der Kantonsrat genehmigte die Rechnung nur unter Protest. Das Spital musste 21 erst im Vorjahr geschaffene Stellen wieder abbauen.

Im Herbst, als es um die Beantragung neuer Kantonsbeiträge an das Spital für 2019 ging, entschieden sich der Spitalrat und der CEO für Klartext: Es habe «zu wenig Kanton um das Spital» schrieb Letzterer. «Das Spital ist seit Jahren unterfinanziert», sagte Gattiker gegenüber unserer Zeitung. Der unter anderem in Deutschland aufgewachsene Spitaldirektor zieht deutsche Direktheit schweizerischem Weichzeichnen vor. «Dann wissen alle, was Sache ist.» Dass das Spital in Obwalden immer auch ein Politikum ist, war für Gattiker ungewohnt. Neben Tätigkeiten in der Geschäftsleitung diverser Firmen in der Medizinalbranche war der Arzt neun Jahre lang CEO des Spitals Wetzikon. «Den Zürcher Gesundheitsdirektor sah ich im Jahr vielleicht zweimal», erinnert sich Gattiker. «In Obwalden ist das Spital dagegen eine Abteilung des Kantons.»

Schuldzuweisungen führten nicht weiter

Überhaut habe das KSOW in Obwalden eine besondere Bedeutung, so Gattiker. «Als einziges Spital im Kanton und grosser Arbeitgeber hängen die Leute sehr daran.» Schuldzuweisungen zu der finanziellen Schieflage führten nicht weiter, findet er. «Der Druck auf die Spitäler mit den verschärften Tarifregelungen und dem Fokus auf ambulante vor stationären Behandlungen ist politisch gewollt. Es geht darum, zu sehen, welche Spitäler durchhalten.»

Um eben das zu schaffen, will das KSOW wie andere Spitäler auch Patienten an sich binden – etwa mit einem Vortrag zur Darmkrebsvorsorge hier, einem Apéro in der nach Feng-Shui gestalteten Frauenklinik dort. Dass damit eine höhere Nachfrage und weitere Gesundheitskosten generiert werden, lässt Gattiker nur bedingt gelten: «Eventuell nehmen informierte Patienten mehr Angebote in Anspruch. Ein gewisser Anteil an Unsinnigem ist da sicher dabei. Aber 80 Prozent der Kosten im Gesundheitswesen werden durch die 20 Prozent schwerstkranken Patienten verursacht. Ich finde, als reiche Gesellschaft müssen wir es uns leisten können, sie zu versorgen.»

«Wir werden den weissen Ritter nicht finden»

Nach den vielen Umbrüchen will Andreas Gattiker 2019 eine Mitarbeiterumfrage durchführen. Er windet den Angestellten ein Kränzchen: «Den Stellenabbau in so kurzer Zeit umzusetzen, das hätte anderswo zu einem Aufruhr geführt.» Doch die Verunsicherung sei nie an die Patienten weitergetragen worden. «Sie sind mit grosser Mehrheit sehr zufrieden mit der Behandlung im Spital.»

Der Spitaldirektor hofft, dass die Regierung nächstes Jahr im Rahmen der geplanten Versorgungsstrategie klärt, «was man vom Spital will und was das kosten darf». Eine Zusammenarbeit mit einem «natürlichen Partner» wie dem Kantonsspital Luzern sei für ihn durchaus denkbar. «Aber jede Lösung hat Vor- und Nachteile. Wir werden den weissen Ritter, der dem KSOW finanziell unter die Arme greift, nicht finden.»

Der Präsentation der Jahresrechnung 2018 sieht Gattiker denn auch erneut mit gemischten Gefühlen entgegen. «Wir werden auch dieses Jahr die Erwartungen nicht erfüllen können. Aufgrund des Ausfalls eines Belegarztes hatten wir weniger Umsatz als budgetiert.» Er rechnet mit erneuter Kritik von frustrierten Kantonsräten. «Ich finde das verständlich. Schwierig ist für mich als Zuschauer im Kantonsrat jeweils nur, wenn ich mich gegen unzutreffende Aussagen nicht wehren kann.»

Zum Ausgleich seiner nicht immer einfachen Arbeit singt Andreas Gattiker. Ursprünglich habe er sogar Berufstenor werden wollen, erzählt er. «Die medizinische Laufbahn erwies sich dann aber doch als der sicherere und richtige Weg.» Als Hobbytenor gibt er rund 10 Konzerte im Jahr. In Obwalden ist keines geplant – mit Absicht, so Gattiker, der in Schwyz wohnt. «Hier bin ich einfach der Spitaldirektor, und das ist auch gut so.»

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