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Serie

Der sagenumwobene Gerzensee im Kernwald

Wo früher Räuber ihr Unwesen trieben, lädt heute ein artenreiches Naturschutzgebiet zum Verweilen und Geniessen ein. Die Natur sucht sich hier ihre eigenen Wege.
Patricia Helfenstein-Burch
In einer Waldlichtung des Kernwaldes befindet sich ein idyllisches Moorseelein: der Gerzensee. (Bild: Patricia Helfenstein-Burch (Kerns, 11. Juli 2018))

In einer Waldlichtung des Kernwaldes befindet sich ein idyllisches Moorseelein: der Gerzensee. (Bild: Patricia Helfenstein-Burch (Kerns, 11. Juli 2018))

Ruedi Egger, Förster von Kerns, kennt ihn gut, den Gerzensee. «Als Jugendlicher war ich oft mit meinen Freunden im Kernwald unterwegs», erzählt er. Der Wald sei damals viel dichter und dunkler gewesen und die Wege im Wald und zum Gerzensee waren noch nicht erstellt. Der dunkle Wald und die Sagen um die Kernwaldräuber hielten die Leute vom Kernwald ab. Man ging nicht gerne hin oder hatte gar Angst davor. Die grossen Stürme 1982, 1991 und 2000 und die Schäden durch den Borkenkäfer hätten sehr viel Auflichtung in den Wald gebracht, erklärt Ruedi Egger.

Heute ist der Kernwald ein sehr gut besuchtes Naherholungsgebiet und an die alten Sagen erinnern nur noch die grossen hölzernen Räuber-Figuren des Chärwaldräuber-Weges. Dieser Erlebnisparcours ist eine beliebte Attraktion im Kernwald, der das ganze Jahr hindurch begangen werden kann. In einer Waldlichtung des Kernwaldes befindet sich ein idyllisches Moorseelein: der Gerzensee. Er liegt auf 600 Metern über Meer im Gemeindegebiet von Kerns. Der Gerzensee hat weder Zu- noch Abfluss, er wird vom Grundwasser gespiesen. Ruedi Egger erklärt das so: «Der Kernwald stockt vornehmlich auf Bergsturzmaterial, welches von einem Bergsturz vor zirka 10000 Jahren am Westhang des Stanserhorns herrührt. Die Entstehung des Gerzensees selber ist vermutlich auf die Torfstecherei zurückzuführen. Das Wasser, das den Gerzensee speist, wird durch das darunterliegende undurchlässige Moränenmaterial aufgestaut.

Manchmal kriegt der Räuber nasse Füsse

Förster Ruedi Egger. (Bild: Patricia Helfenstein-Burch, Kerns, 11. Juli 2018)

Förster Ruedi Egger. (Bild: Patricia Helfenstein-Burch, Kerns, 11. Juli 2018)

Eine Chärwaldräuber-Figur sitzt gemütlich am Gerzensee und geniesst dort die Aussicht und die Artenvielfalt der Flora und Fauna. Besondere Amphibien fühlen sich hier ebenfalls wohl. Das Gebiet um den Gerzensee und das Blindseeli ist ein artenreiches Laichgebiet mit fünf Arten der Roten Liste: Fadenmolch, Geburtshelferkröte, Unke, Erdkröte und Wasserfrosch. Ebenso lebt eine grosse Bergmolchpopulation in diesem Gebiet. Das Blindseeli liegt etwa 300 Meter südlich des Gerzensees. Auch hier sitzt ein holziger Räuber und geniesst die absolute Ruhe, die geradezu meditativ wirkt. Ruedi Egger erzählt, dass der Wasserstand dieses kleinen Waldseeleins manchmal so hoch sei, dass der Räuber seine Füsse im Wasser baden kann. Auch dieser kleine See wird von Grund- und Regenwasser gespiesen und hat weder Zu- noch Abfluss. Blindsee heisst er, weil man weder sieht, woher das Wasser kommt, noch wohin es abfliesst.

Eisblöcke für Metzger und Wirte

Ruedi Egger erzählt, wie der Gerzensee früher genutzt wurde: «Metzger und Wirte sägten bis 1930 die Eisdecke des Gerzensees für ihre Kühlräume in Blöcke. Die Eisblöcke lagerten sie in einer nahegelegenen kalten Grube mit einmaligen klimatischen Eigenschaften. Die Grube wurde mit Rundholz, Tannästen und Laub abgedeckt, so dass das Eis bis in den Herbst gelagert werden konnte.» Dieses Depot hätte den Metzgern und Wirten die Möglichkeit geboten, immer gerade so viel Eis abzuholen, wie für die Kühlung der Lebensmittel in den Metzgereien und Gasthäusern notwendig war.

Der Gerzensee war früher grösser

In den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts war der Schilfgürtel um den Gerzensee viel kleiner, erinnert sich Ruedi Egger. Inzwischen ist der Schilfgürtel rund um den See beträchtlich gewachsen. Auch Seerosen und andere Wasserpflanzen bedecken immer grössere Teile der verbleibenden Wasseroberfläche. Die Natur sucht sich hier ihre eigenen Wege. Der See und seine Umgebung liegen in einer kantonalen Naturschutzzone, die 2002 vom Obwaldner Regierungsrat erlassen wurde.

Chärwaldräuber am Blindseeli. (Bild: Patricia Helfenstein-Burch, Kerns, 11. Juli 2018)

Chärwaldräuber am Blindseeli. (Bild: Patricia Helfenstein-Burch, Kerns, 11. Juli 2018)

Entlang des Chärwaldräuber-Weges stehen Infotafeln. Auf diesen findet man auch die Verhaltensregeln in der kantonalen Naturschutzzone. Ruedi Egger betont, wie wichtig es ist, dass die Besucher diese Verhaltensregeln einhalten. «Nur so kann dieses einmalige Naturschutzgebiet rund um den Gerzensee in seiner Vielfalt erhalten bleiben.»

Mit diesem Beitrag starten wir unsere Sommerserie «Der kleine See». Dabei stellen wir kleinere Seen in Obwalden vor, die zu verschiedensten Freizeitaktivitäten oder ganz einfach zum Verweilen und Geniessen einladen.

Gut zu wissen

Anreise: Mit dem Bus ab Stans oder Sarnen in die jeweils andere Richtung bis Haltestelle Kernwald. Mit dem Auto: Parkplatz beim Start zum Chärwaldräuber-Erlebnisparcours an der Hauptstrasse zwischen Kerns und Ennetmoos benutzen. Ab Haltestelle/Parkplatz erreicht man den Gerzensee zu Fuss in etwa 45 Minuten.
Naturschutzgebiet: Der Gerzensee und der Blindsee liegen in einem Naturschutzgebiet. Fischen verboten, Wege nicht verlassen und Hunde an der Leine führen.
Zecken: Auch in diesem Wald gibt es Zecken. Geschlossene, lange Kleidung empfohlen.
Verpflegung: Picknickplatz Zubersrüti beim Posten 3 des Chärwaldräuber-Parcours. (phe)

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