Der Sarner Wärmeverbund ist auf Kurs

Das Holzheizkraftwerk des Wärmeverbunds Sarnen wird ab Oktober mehr Kunden beheizen als erwartet. Daher musste das Budget nach oben korrigiert werden. Gerade werden Leitungen unter der A8 verlegt.

Franziska Herger
Drucken
Teilen
Beim Werkhof Foribach entstehen zwei neue Hallen für den Wärmeverbund Sarnen. (Bild: Pius Amrein, 17. April 2019)

Beim Werkhof Foribach entstehen zwei neue Hallen für den Wärmeverbund Sarnen. (Bild: Pius Amrein, 17. April 2019)

Peter Seiler schaut in einen drei Meter tiefen Graben an der Sarner Enetriederstrasse. Durch ein Dickicht älterer Leitungen und um einen Schacht herum wird gerade die massive Leitung der Holz-Fernwärme Sarnen verlegt. «Ich hoffe, das ist der komplizierteste Abschnitt», meint der Baukommissionspräsident der von der Korporation Freiteil, Kanton und Gemeinde getragenen Firma, deren Holzheizkraftwerk im Herbst in Betrieb genommen werden soll. «Beim Leitungsbau gibt es immer mal Überraschungen. Nicht alle alten Leitungen sind genau dort, wo man sie nach dem Plan erwartet», so Seiler.

Peter Seiler ist Baukommissionspräsident des von der Korporation Freiteil, Kanton und Gemeinde getragenen Projekts. (Bild: Pius Amrein, Sarnen, 17. April 2019)

Peter Seiler ist Baukommissionspräsident des von der Korporation Freiteil, Kanton und Gemeinde getragenen Projekts. (Bild: Pius Amrein, Sarnen, 17. April 2019)

Doch er sei zuversichtlich, dass die rund 60 Kunden – unter anderem der Kanton mit diversen Anschlüssen – pünktlich auf den 1. Oktober mit Wärme aus Obwaldner Holz versorgt werden. «Wir sind, auch dank dem guten Winter, genau im Zeitplan.» Momentan wird gerade eine Leitung durch ein fünf Meter unter der A8 hindurchgebohrtes Stahlrohr verlegt – die Autobahn aufzureissen, wäre unrealistisch gewesen, sagt Peter Seiler. Die Hälfte des 5,7 Kilometer langen Leitungsnetzes ist bereits erstellt, davon rund 1,6 Kilometer integrierte alte Leitungen westseits der ZB-Linie. Denn die Heizzentrale ersetzt den heutigen öl- und gasbasierten Wärmeverbund, den der Kanton unter dem Kantonsspital betreibt, sowie die Holzfeuerung des Wärmeverbunds Foribach.

Schubboden befördert Holzschnitzel

Auch bei der eigentlichen Zentrale beim Werkhof Foribach ist seit dem Spatenstich im September einiges gegangen. Zwei 13 Meter hohe Hallen ragen in die Höhe. Die obere Halle wird zur Lagerung der Holzschnitzel dienen, bevor sie in den zwei riesigen orangen Heizkesseln, die bereits in der zweiten Halle stehen, verbrannt werden.

Schweisser Omar Känzig arbeitet gerade am Schubboden, der das gehackte Schwemm-, Alt- und Waldholz künftig mit kleinsten Bewegungen in die zweite Halle befördern wird. «Das ist der Sammelschnägg», erklärt er und deutet dabei auf den Schneckenförderer, der die Holzschnitzel erfassen wird. «Ich bin seit zwei Wochen dran, und zwei Wochen geht es sicher noch», meint er über die aufwendige Arbeit.

Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
13 Bilder
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)
Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)

Rundgang in und um die neue Fernwärmeanlage des Wärmeverbund Sarnen, welche unmittelbar beim Werkhof zu stehen kommen wird. (Bild: Pius Amrein, Mittwoch 17. April 2019)

Nebenan steht neben den beiden Heizöfen – ein kleinerer für den Sommerbetrieb und ein grösserer zur Verstärkung im Winter – auch ein zehn Meter hoher Heisswasserspeicher. «Darin wird 90 Grad heisses Wasser gespeichert, als Puffer etwa bei Leistungsspitzen am frühen Morgen», erklärt Peter Seiler.

Umweltbericht noch nicht genehmigt

Die Öfen selber seien einem Cheminée nicht unähnlich, so der Baukommissionspräsident – «aber sauberer». Einmal werden Stickstoffoxide durch das Eindüsen von Harnstoff in den Heizkessel gemindert. Und nach dem Verbrennen wird der Rauch einerseits durch ein Schleudersystem und andererseits durch einen Elektroabscheider von schädlichen Partikeln befreit. Die Asche werde danach staubfrei in der Deponie Cholwald eingebaut. Der Umweltverträglichkeitsbericht des Heizwerks ist allerdings noch nicht genehmigt. Seiler zeigt sich jedoch zuversichtlich. «Die Erfüllung der Vorgaben wurde uns von unseren Lieferanten garantiert. Die zuständigen Ämter wollen lediglich eine Präzisierung, wie wir zu unseren Werten kommen.»

Das Budget musste inzwischen von 11,3 auf 12,8 Millionen Franken erweitert werden. «Wir müssen mehr Leitungen bauen, weil sich erfreulicherweise mehr Kunden als erwartet angeschlossen haben», erklärt Seiler. Neben bereits bekannten Abnehmern wie dem Altersheim Residenz am Schärme oder der Berufsschule hätten sich auch «eine ganze Reihe von Einfamilienhäusern und Überbauungen» angeschlossen.

Jedoch werden nicht alle bereits im Oktober Wärme aus der Holzverbrennung beziehen. «Ein kleiner Teil davon sind Blindanschlüsse, also Abnehmer, die zuerst ihre bestehenden Heizsysteme amortisieren wollen», erklärt Seiler. Dies mache die Zukunftsplanung nicht ganz einfach. Mit den bestehenden Kunden sei die Kapazität der beiden Öfen – rund 10 000 Megawattstunden thermische Energie pro Jahr – bald erreicht. «Der Entscheid, ob wir mit einem dritten, stärkeren Heizkessel die Kapazität vergrössern wollen, rückt daher näher.»