Obwaldner Feinschmecker bestätigen:  Der Süssmost 2018 ist Spitze

2018 war für den Süssmost ein Superjahrgang. Wie gross jedoch der Unterschied selbst beim Apfelsaft in puncto Farbe, Geruch und Geschmack sein kann, bringt jeweils ein kantonaler Qualitätswettbewerb an den Tag.

Romano Cuonz
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Profis am Werk: Hansueli Spichtig und Werni Keiser (von links) beim Testen des heimischen Süsmosts. (Bild: Romano Cuonz, Sarnen, 25.Januar 2019)

Profis am Werk: Hansueli Spichtig und Werni Keiser (von links) beim Testen des heimischen Süsmosts. (Bild: Romano Cuonz, Sarnen, 25.Januar 2019)

«Der Geschmack dieses Tropfens ist ausgeprägt, fruchtig, aromatisch und hält lange an», stellt Werner Keiser fest. Mit Kennermiene. Dabei hat er doch aus dem Glas mit dem goldenen Saft nur einen winzigen Schluck gekostet. Keiser ist als Präsident der IG Obst Obwalden ein geschulter Experte, wenn es darum geht, mit feiner Nase und anspruchsvollem Gaumen über die Qualität unseres einheimischen Süssmosts zu befinden. Dafür setzt er sich mit drei weiteren «Sommeliers» an einen langen Tisch. Vor den drei Männern stehen zahlreiche Flaschen und noch viel mehr blitzsaubere Gläser, dazwischen – als sinnvolles Dekor – einige rotbackige Äpfel. «Noch 2017 hatte ein Spätfrost viel Obst vernichtet, ja wir mussten sogar unseren Wettbewerb ausfallen lassen», erinnert sich Keiser. Dieses Jahr aber könnten sie auf eine reiche Ernte zurückblicken. «Bereits im April standen die Bäume in voller Blust», sagt er. Besonders eindrücklich illustrierten einige Zahlen den Unterschied. 2017 seien bei der Firma Pilatus Getränke in Alpnach nur 100 Tonnen Obst aus Obwalden verarbeiten worden. Nach dem Hitzesommer 2018 seien es kantonsweit acht Mal mehr gewesen. «Wohl auch deshalb haben uns zum 51. Qualitätswettbewerb für Süssmost gleich 24 Mosterinnen und Moster ihr Produkt zur Degustation gebracht», vermutet Keiser.

Blind und doch genau urteilen

Wer den drei Testern – neben Werner Keiser sind auch Martin Amgarten, Alois Kiser und Hansueli Spichtig am Werk – ein bisschen über die Schultern schaut, staunt Mal für Mal. Zwar sprechen sie selber bei ihrer Beurteilung von einer «Blinddegustation». Dennoch könnte kaum jemand mit wacheren Sinnen ans Werk gehen als sie es tun. «Blind bezieht sich nur darauf, dass wir nicht wissen, von welchem Hof oder Produzent der Most stammt», erklärt Vereinsaktuar und Agro-Fachmann Martin Amgarten. Gleich zuerst wird der Saft mit Argusaugen auf Farbe, Intensität, Klärung oder Trübstoffe geprüft. Die Männer halten ihn dazu vor ihre Augen. Gucken tief ins Glas.

Bald hört man Worte wie «goldfarben, brillant, sauber». Das Bewertungsblatt des Schweizer Obstverbandes stellt ganz zuunterst auch Begriffe wie «oxidiert, milchig, gräulich» oder gar «verunreinigt» zur Auswahl. Diese hört man aber bei der Qualität der eingereichten Produkte praktisch nie. Nach den Augen sind Nase und Gaumen dran. «Dabei geht es uns etwa um den Geruch und den Geschmack, um Aromatik oder Intensität, Fülle und Reinheit», sagt Amgarten aus. «In Obwalden gibt es auch heute noch 23000 Hochstamm Obstbäume, die hochwertiges, zumeist Bio Obst liefern.» Für einen exzellenten Most müsse der Boden gut sein und die Auswahl der Früchte stimmen. «Mit unserem Wettbewerb motivieren wir die Obstbaumhalter, nur baumreife, saubere Äpfel und Birnen zu einem guten Produkt zu verarbeiten», umreisst Amgarten das Ziel. Den Siegern winken bei der abendlichen Versammlung der IG Obst schöne Preise wie Zinnkanne oder passende Gläser. «Dieses Jahr dürfen wir gleich dreien gratulieren», freut sich Präsident Werner Kiser. Mit Apfelmost brillierten Peter Burch aus Giswil und Marie Rohrer aus Sachseln, mit Birnensaft Sepp Rohrer aus Sachseln. Alle haben die höchste Punktzahl 20 erreicht. Der Präsident schmunzelt. «Ja, heute ist unsere Qualität sehr hoch und sehr rein», sagt er. Nicht wie zu Beginn des Wettbewerbs. Damals habe ein Fachmann aus Affoltern bei einem Obwaldner Most ein für ihn fremdes Orangenkonzentrat erschnuppert und darauf vor allen Anwesenden entsetzt ausgerufen: «Das riecht ja nach einer Güllenpumpe.»

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