Der Teufelstein ob Engelberg im neuen Glanz

Das Werk des kürzlich verstorbenen José de Nève wurde aufgefrischt – nach einer Anleitung des Künstlers.

Beat Christen
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Corinne Matter, Fabienne Bissig und Jasmin Forderkunz (von links) haben das verwitterte Bild des Teufels restauriert, welches José de Nève 1966 gemalt hatte.

Corinne Matter, Fabienne Bissig und Jasmin Forderkunz (von links) haben das verwitterte Bild des Teufels restauriert, welches José de Nève 1966 gemalt hatte.

Bild: Beat Christen (Engelberg, 18.4.2020)

Es heisst, man soll den Teufel nicht an die Wand malen. Doch genau das haben Corinne Matter, Fabienne Bissig und Jasmin Forderkunz am Samstag gemacht. Für ihr Vorhaben haben sich die drei Engelberger Malergesellinnen nicht irgendeine Wand ausgesucht. Es war die Westseite jenes gewaltigen Felsbrockens, der direkt am Weg vom Brunni zur Rugghubelhütte steht und der als Teufelstein bekannt ist. Von dem von José de Nève im Jahre 1966 unter Mithilfe des späteren Obwaldner Nationalrats Ueli Blatter, dessen Bruder Ruedi Blatter sowie Paul Zumstein und dem Engelberger Dorfpolizisten Alois Furrer aufgemalten Teufel war nicht mehr viel zu sehen. Sonne, Regen, Schnee hatten das Werk langsam verbleichen lassen.

«Eigentlich schade», hat sich der Engelberger Malermeister Christian Forderkunz gedacht. «Es brauchte bei meinen Mitarbeiterinnen keine Überredungskünste, als ich mit der Idee auftauchte, das Bild von José aufzufrischen.» Und auch der Künstler war begeistert, als er im Sommer des vergangenen Jahres vom Vorhaben erfuhr.

Die Anleitung kam vom Künstler selbst

In der ersten Hälfte August 2019 griff José de Nève zu Kohlestift und Papier und schrieb an den Malermeister in Engelberg: «Hier siehst Du, wie man das macht.» Es folgte eine Auflistung des benötigten Personals sowie die genaue Bezeichnung des roten Farbtons mit Zinnoberrot. Gleich zu Beginn des Briefs hält José de Nève fest: «Achtung: Der Stein muss etliche Täg trocken sein.» Und ganz am Schluss formulierte der Künstler die «Bitte um Bericht, wenn’s losgeht!» Daraus ist leider nichts mehr geworden. Im vergangenen Herbst musste das Vorhaben witterungsbedingt abgesagt werden und im Dezember 2019 hatte der Künstler seine letzte grosse Reise angetreten. José de Nève fehlte am Samstag, als Bergführer Albin Amstutz die Malerinnen am Seil sicherte und langsam zur Stätte ihres Wirkens herabliess. Und je mehr das Werk von neuem Gestalt annahm, schien es, als höre man ganz weit in der Ferne das unverkennbare Kichern des Künstlers.

In Engelberg aufgewachsen, blieb er zeitlebens der Region Rugghubel verbunden. Als Hüttenbub und später als Hüttenchef der SAC Rugghubelhütte, ging er unzählige Male an diesem Stein vorbei. Dieser mächtige und mit einer besonderen Legende versehene Felsblock war geradezu eine Einladung an den Kunstschaffenden, sich hier mit einem besonderen Werk mit der Geschichte dieses Orts auseinanderzusetzen. Ähnlich erging es den Malerinnen. «Wir haben bei der Realisierung dieses Werkes jede Minute genossen», lautete das Fazit von Fabienne Bissig und vergessen war beim Anblick des fertigen Werkes, dass der kräftige Biswind bisweilen die Arbeit in luftiger Höhe stark erschwert hatte.