Der Traum vom Big Apple wird für einen Obwaldner Trompeter wahr

Die Freude ist gross: Der Musiker Heinz Della Torre darf 2021 vier Monate im Zentralschweizer Atelier in New York leben.

Marion Wannemacher
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Heinz della Torre mit seiner Trompete.

Heinz della Torre mit seiner Trompete.

Bild: PD

«Das ist schon seit Jahrzehnten mein Traum, nach Amerika zu gehen», freut sich Heinz Della Torre. Vom Alter her sei es seine letzte Chance, glaubt der 55-Jährige. Der Profimusiker wird kommendes Jahr vom 1. Mai bis Ende August in New York ins Zentralschweizer Atelier einziehen. Jetzt im Februar stehen für Della Torre erst einmal Abklärungen an wegen des Visums.

In dem Wohnatelier, das die Kantone Ob- und Nidwalden, Zug, Uri und Schwyz seit 2000 gemeinsam unterhalten, dürfen die Stipendiaten jeweils vier Monate nacheinander verbringen. Das Stipendium in New York sei ein Förderinstrument, um Kunstschaffende individuell zu unterstützen, sagt Marius Risi, Leiter des Amts für Kultur und Sport in Obwalden. Er ist Sekretär der Kulturkommission, bei der sich die Kandidaten für das Atelierstipendium bewerben. Dieses Jahr waren es sechs aus allen Kultursparten im Kanton.

Das Atelier, das alle drei Jahre angeboten wird, finanziert sich aus Swisslos-Mitteln. Obwalden beteiligt sich jeweils mit 23000 Franken. «Der Aufenthalt in New York soll Heinz Della Torre den Raum ermöglichen, in dem er sich weiterentwickeln kann», so Risi.

Volksmusik spielt in der Familie Della Torre schon seit Generationen eine grosse Rolle. Von Kindesbeinen an spielte Heinz Della Torre Trompete. Schon mit 18 war er eingeschrieben am Konservatorium Zürich, wo er sein Konzertreifediplom für Trompete erlangte.

Er spielt auch Alphorn und Kuhhorn

Als freischaffender Musiker spielt Della Torre in den Orchestern der Oper Zürich, im Luzerner Sinfonieorchester und im Zürcher Kammerorchester. Bekannt ist er für sein breites musikalisches Spektrum und seine Experimentierfreudigkeit. Della Torre spielt Alphorn, Büchel und Kuhhorn. Mit Wolfgang Sieber an der Orgel stellte er einige musikalische Projekte auf die Beine. An der Musikschule Baar unterrichtet er Trompete. Hier sieht er auch ein «Kreativ- und Forschungsfeld», wie er sagt.

«Ich gehe unbelastet nach New York, ohne einen Rucksack. Ich muss nicht mit einem Produkt heimkommen, sondern kann mich einfach mal beeinflussen lassen. Als moderner Trompeter gehört für mich das ganze Spektrum dazu», betont er. Genau das ist es, was Marius Risi ihm wünscht: «New York ist eine Metropole, die jedem Inspiration bringt. Wir investieren in jemanden, von dem wir wissen, dass es ihn weiterbringen wird. Heinz Della Torre ist musikalisch so vielfältig unterwegs, dass er in New York neue Elemente aufnehmen kann.»

Della Torre hat im Sinn, über Musiker aus New York, die er über seine Arbeit am Zürcher Opernhaus kennt, weitere Kontakte zu knüpfen. Auch die Jazzszene interessiere ihn. Und im Hinblick auf den Musikschulunterricht erhofft sich der Sachsler ebenfalls Impulse. «Ich möchte Einblick in andere Musikschulen nehmen und sehen, ob wir auf dem richtigen Weg sind.» Vielleicht könne er neue Literatur oder Lehrmittel für die Musikschule oder Bands mit jungen Musikern mitbringen. Herausforderungen stellen sich in finanzieller Hinsicht. Es braucht unbezahlten Urlaub, die Familie müsse weiter funktionieren, so Della Torre.

Insgesamt ist Heinz Della Torre bereits der achte Obwaldner, der seit 2003 in den Genuss des Atelierstipendiums kommt. Als einer der Ersten war der heute 43-jährige Musiker Julian Dillier dort, der heute das Institut Musikpädagogik an der Hochschule Luzern leitet. Er hat den Aufenthalt in sehr guter Erinnerung. «Der Abstand zur Szene und zum Leben in der Schweiz brachte mir sehr viel, auch für die Selbstreflexion», berichtet er. In dieser Zeit habe er seine Band Dub Spencer & Trance Hill gegründet. Auch pflege er noch heute Kontakte zu Künstlern, vor allem aus der Schweiz, die er dort damals kennen gelernt habe. «New York lehrte mich, die Kräfte zu bündeln und war unglaublich inspirierend», lautet Dilliers Fazit.

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