Der WM-Titel ist für den Engelberger Fabian Bösch der Lohn für alle Enttäuschungen

Freeskier Fabian Bösch schaut auf ein bewegtes Jahr zurück.Sein Jahresrückblick zeigt, dass der WM-Sieg im Big Air alles überstrahlt.

Andrea Hurschler
Hören
Drucken
Teilen
Fabian Bösch in der Koordinationshalle der Sportmittelschule.

Fabian Bösch in der Koordinationshalle der Sportmittelschule.

Bild: Andrea Hurschler (Engelberg, 1. Dezember 2019)

Das Jahr 2019 in wenigen Sätzen zusammenzufassen, ist für den Engelberger Fabian Bösch schwierig. Zu viel hat er erlebt, als dass er sich kurzfassen könnte. Er scrollt durch sein Instagram-Profil, das fast als eine Art Tagebuch dient. Was 2019 natürlich hervorsticht, ist der WM-Sieg in Park City. «Der WM-Titel ist Entschädigung dafür, dass ich in den letzten zwei Jahren eine Enttäuschung nach der anderen einstecken musste.»

Der 22-Jährige spricht damit über all jene Wettkämpfe, an denen seine Leistungen nicht honoriert wurden. Seine Sprünge und Tricks, die nur er beherrscht, wurden von den Punktrichtern schlecht bewertet. Hässig mache ihn das nicht. «Doch traurig und enttäuscht.»

Mit einfacherem Sprung zum WM-Titel

Dass er den WM-Titel überhaupt gewann, hat seinen Ursprung an den X-Games in Aspen. Dort bestritt er Ende Januar den ersten Wettkampf nach seiner Fersenprellung. Gute Performance, schlechte Bewertung – es war das alte Lied. Bösch sass anschliessend mit seinem Trainer zusammen. «Unser Fazit war: Wenn ich so weitermache, habe ich keine Chance.» An der WM zeigte er deshalb einen einfacheren, weniger akrobatischen Sprung – der erfreuliche Ausgang ist bekannt.

Besonders gefreut hat sich Bösch über den «megaschö­nen» offiziellen Empfang, den die Engelberger für ihn nach dem WM-Titel organisierten. «Mit dem lebenslangen Gratis-Eintritt in den Sporting Park habe ich das coolste Geschenk aller Zeiten erhalten», erzählt der Freeskier. Die Goldmedaille und die Anerkennung dafür gaben ihm die Kraft, im Sommer wieder an neuen Tricks zu arbeiten. Die Ohrfeige folgte aber beim Saisonstart im November in Modena – schlechte Bewertung und nur Rang 17. «Jetzt stehe ich wieder am gleichen Punkt und muss entscheiden, wie weiter.» Wobei, vorerst kann er diese Entscheidung vertagen: Kurz vor Weihnachten prellte er seine Ferse erneut. Bösch entschied, die Dezember-Wettkämpfe in Peking und Atlanta auszulassen. Er will im Gegensatz zum letzten Mal die Verletzung richtig auskurieren lassen. Es sei eine schwierige Entscheidung gewesen, sagte Bösch, doch er wolle nicht zweimal denselben Fehler machen und danach drei Viertel der Saison verpassen. Sein Comeback plant er im Januar.

Kindertrainer und Zimmermann

Nach dem WM-Titel im Februar 2019 folgten Podeste im Weltcup – die Saison schloss er als Gesamtweltcup-Dritter im Big Air ab. Trotz WM-Titel und guter Saison gestaltete sich die Suche nach Sponsoren schwierig. Schliesslich konnte er eine langfristige Partnerschaft mit Red Bull eingehen. Von seinem Sport werde er nicht reich, sagt Fabian Bösch. «Da ich noch zu Hause wohne, kann ich aber immer etwas auf die Seite legen.»

Das Jahr bot Bösch zudem viel Abwechslung zum Profi-Sport. Er leitete ein Skilager für hörbehinderte Kinder sowie ein Freeski-Camp. Bei beiden lerne er, Verantwortung zu übernehmen. «Man darf kein Kind verlieren», sagt er mit seinem schelmischen Lachen. Beim Freeski-Sommercamp in Kanada kam auch sein grosses Hobby, das Biken, nicht zu kurz. Im Sommer arbeitete Bösch während sechs Wochen bei der Firma Holzbau Engelberg und half, das neue Bergrestaurant auf dem Ristis aufzubauen. «Das war echt cool», erzählt der Freeskier, der immer wieder betont, wie gerne er mit Holz arbeitet. Kein Zufall also, dass er beim WM-Empfang in Engelberg auch eine Axt geschenkt bekam.

Selbstgemachte Geschenke

Weihnachtsstress kennt Bösch nicht. «Ich schenke immer etwas Selbstgemachtes wie Konfi», verrät er. «Sowieso bin ich nicht so Fan von Weihnachtsgeschenken. Ich erwarte von niemandem etwas.» Dieses Jahr habe die Familie deshalb beschlossen, zu wichteln. So musste Bösch also nur noch ein Geschenk organisieren.

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verbringt er mit der Familie in Engelberg – Grosseltern, Onkel und Tante kommen ebenfalls zu Besuch. «Und natürlich treffe ich meine Kollegen.» Die sind ihm sehr wichtig und die spärliche Freizeit mit ihnen will er ausnutzen. Aufgrund der Verletzung wird er es ruhiger angehen als sonst, wo er jeweils gerne mit ihnen Ski fährt, Badminton spielt, Trampolin springt oder einen Tag auf den guten alten Big-Foot-Skiern verbringt. Doch ob verletzt oder nicht, wenn «Fäbu» in Engelberg ist, wird es nie langweilig.

Vorsätze fürs neue Jahr fasst er keine. «So etwas mache ich nicht gerne. Ich will einfach immer mein Bestes geben.» Man darf es dem Freeskier wünschen, dass er 2020 gesund bleibt und seine Arbeit mit guten Noten honoriert wird.