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Der Zirkus-Traum geht in Erfüllung

Für eine Woche war der Circolino Pipistrello in der Stiftung Rütimattli in Sachseln zu Besuch. Menschen mit Beeinträchtigungen haben bewiesen, dass jeder Zirkus machen kann.
Carina Odermatt
Mit Begeisterung dabei: Bewohner und Schüler des Rütimattli führen ihre Zirkusnummern auf. Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18. Mai 2018)

Mit Begeisterung dabei: Bewohner und Schüler des Rütimattli führen ihre Zirkusnummern auf. Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18. Mai 2018)

Wer hat als Kind nicht auch davon geträumt, einmal im Zirkus aufzutreten? In einer Gruppe Kunststücke einzuüben, um sie dann stolz im Rampenlicht dem staunenden Publikum aufzuführen? Für die Bewohner und Schüler der Stiftung Rütimattli in Sachseln ging dieser Traum für eine Woche in Erfüllung. Der Circolino Pipistrello, der grösste Mitmachzirkus der Schweiz, kam zu besuch. Das Pipistrello-Team hat mit jungen und älteren beeinträchtigten Menschen Zirkusnummern eingeübt, gesungen und geschauspielert. So hat sich das Gelände der Stiftung in eine bunte Zirkuswelt verwandelt.

Das Zelt thronte mächtig auf der Wiese, aus den farbigen Wagen ragten die Kostüme und es roch nach frischem Popcorn. Das Zelt war bis auf den letzten Platz gefüllt mit Zuschauern aller Altersstufen – mit und ohne Beeinträchtigungen.

"Butzt & Blank" | Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
"Glanz + Gloria" | Bild Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
"Magische Sechs" | Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
"Matrix" | Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
"Glitzer" | Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
"Die Dschungel Familie" | Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
"Die Dschungel Familie" | Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
"Butzt & Blank" | Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
"Butzt & Blank" Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
"Butzt & Blank" | Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
D"Matrix" | Bild: Roger Zbinden (Sachseln, 18.05.2018)
11 Bilder

Der Circolino Pipistrello in der Stiftung Rütimattli

Zirkus machen kann jeder

In sechs Gruppen haben Kinder und Erwachsene geübt über Seile und Barren zu gehen, mit Bällen zu jonglieren und auf der Schaukel zu schwingen. Selbst eine Raubtiernummer hatte der Zirkus zu bieten: Die Dschungelfamilie, verkleidet als wilde Tiger und Panther, haben einen Parcours über Fässer und durch Ringe absolviert. Die Tanzgruppe hat mit Luftgitarre Solos und Breakdance-Moves begeistert. Das Direktorenteam hat mit einem kleinen Theater durch den Abend begleitet. Die Teilnehmer haben persönlichen Grenzen ausgelotet und Ängste überwunden. Die Freude stand ihnen dabei ins Gesicht geschrieben.

«In dieser neuartigen Atmosphäre passieren geniale Sachen. Wenn die Leute wissen, dass sie etwas vor Publikum zeigen können, wachsen sie oft über sich hinaus und lernen Kunststücke, die wir ihnen nicht zugetraut hätten», erzählt Carmela Franco begeistert. Sie ist die Lehrerin und Projektleiterin der Stiftung Rütimattli und war bereits seit Monaten mit der Organisation des Zirkuserlebnisses beschäftigt. Vor 15 Jahren sei der Circolino Pipistrello bereits einmal im Rütimattli und sie habe gewusst, wie viel das bei den Menschen auslösen könne. So seien Fortschritte möglich gewesen, die in der Physiotherapie vielleicht Monate gedauert hätten.

Der Zirkusalltag geht über das Proben hinaus. Hier muss jeder mitanpacken und Verantwortung übernehmen. So begann das Abenteuer am Montag bereits mit dem Zeltaufbau, wo alle mithalfen. «Dadurch hat sich ein irrsinniger Teamgeist entwickelt und neue Freundschaften sind entstanden», freut sich Franco.

«Das Programm entsteht für jede Aufführung neu»

Die Zirkusband Chrüsimüsi, bestehend aus dem Pipistrello Team und Menschen mit Behinderungen, hat die Vorstellungen musikalisch begleitet. Besonders geglänzt hat dabei die 14-jährige Mia Dahinden aus Giswil. Sie hat durch den Zirkus ihr Talent zum Singen entdeckt. «Es hat Spass gemacht», erzählte sie nach der Aufführung. Angehörige erzählten, sie sei bei der Hauptprobe so nervös gewesen, dass sie keinen Ton herausgebracht hat. An der Aufführung hat es dank Betreuung aber doch sehr gut funktioniert.

«Uns ist wichtig, dass die Teilnehmer an den Nummern mitwirken können. Das Programm entsteht für jede Aufführung neu und jeder darf seine Ideen einbringen», erklärt Nuria Sidler, die Teil des Pipistrello Teams ist. Zusammen mit 16 anderen Pipistrelli reist die Sozialpädagogin mit Wurzeln in Obwalden mit zu verschiedenen Institutionen, von denen der Circolino angefragt wird. Dabei präsentieren die Pipistrelli auch stets ihre eigene Show, welche sie im Winterquartier in Rikon geprobt haben. «Im Vordergrund steht während der Tourneemonaten jedoch die Arbeit mit den Menschen und ihre individuellen Erfolgserlebnisse», erzählte Sidler.

So entstand im Rütimattli eine Aufführung der besonderen Art, bei der nicht die Kunststücke, sondern die Freude der Menschen im Vordergrund standen. Dabei gab es immer wieder überraschende Momente für das Publikum, das begeistert klatschte und herzlich lachte.

Für Carmela Franco ist der Besuch des Circolino Pipistrello ein absolutes Erfolgserlebnis: «Ich war zu Freudentränen gerührt, wie jede Person, die mitgemacht hat, egal mit welcher Beeinträchtigung, seinen persönlichen, einmaligen Moment erleben durfte. Jede Artistin, jeder Artist durfte im Rampenlicht stehen und vom Publikum den verdienten Applaus ernten.»

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