Die Erde ist ...

Ich meinti

Otto Leuenberger, Leiter Freizeitzentrum Obwalden, Aus Giswil Äussert Sich An Dieser Stelle Abwechselnd Mit Anderen Autoren Zu Einem Selbst Gewählten Thema.
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Otto Leuenberger. (Bild: Corinne Glanzmann)

Otto Leuenberger. (Bild: Corinne Glanzmann)

... eine Scheibe, jawohl. Nicht gewusst? Doch, doch, das ist so. Die Flugzeuge fliegen nicht um einen Globus, sondern nur immer hin und zurück. Auch Schiffe schippern nur an den Rand und kehren. Auch ist klar, dass sich die Sonne um die Erde dreht und nicht umgekehrt – äh ... also eben nicht dreht ... Sie wissen, was ich meine. Dass das so ist, kann man jeden Tag aufs Neue erfahren, vorausgesetzt, man hat Augen im Kopf! Die Wahrheit lässt sich ja so leicht überprüfen. Ich weiss und glaube nur das, was ich sehe. Da muss mir keiner kommen.

Dass die Erde eine Kugel sei, haben Sie sicherlich in der Schule gelernt, oder aus Büchern, aus Presse, aus Filmen, Fernsehdokumentationen. Das behaupten diese Wissenschaftler mit ihren Beweisen. Das er­zählen diese Gescheiten, Studierten, Stubenhocker, diese Besserwisser, diese Eliten. Aber haben Sie das mal mit eigenen Augen gesehen – oder gar er­fahren? Eben. Wer garantiert uns, dass uns nicht ein gigantischer Schwindel erzählt wird? Dass nicht alle einander abschreiben, abkupfern, aus purer Bequemlichkeit? Und da gibt es einen grossen Unbekannten, eine dunkle Macht, die uns dies glauben machen will. Eine Verschwörung. Ja, genau. Oder etwa nicht?

Denn wäre die Welt eine Kugel, würde man ja beim schnurgerade der Nase nach Vorausgehen irgendwann unweigerlich wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren. Also sich wie in einem Hamsterrad drehen. Auch wäre es schwierig, da einen klaren Übergang, eine Grenze auszumachen. Das darf doch nicht sein. Also ist es auch nicht so. Folglich ist unsere Welt eine gigantische Scheibe. Vielleicht besser ein riesiger Suppenteller. Ein Teller hat auch den Vorteil, dass es eine klare Grenze gibt, einen Tellerrand, über den man schauen kann. Gefüllt ist dieses bauchige Ding übrigens mit einer Minestrone – alles kurzgehackt, kreuz durcheinander, immer nahrhaft und hin und wieder bekömmlich. Leuchtet doch ein, oder nicht? Was soll das, werden Sie sich fragen. Abwarten und weiterlesen.

Nun gibt es neuerdings über die Meere am anderen Ende der Welt– aus unserer Sicht am Tellerrand – einen grossen Zampano. Einen Laut- und Grosssprecher, der diese Welt erklärt und uns endlich vom Ballast des Wissens befreit. Ein Winnertyp, ein Messias. Endlich gibt es einfache Erklärungen, einfache Gesten, subito Lösungen für Probleme, klare Schuldzuweisungen, Ausgrenzungen und ein gigantisches Führerego, unter dessen Fittiche man schlüpfen kann.

Da hat einer den Mut (?), die Zweifler, die Sucher, die Kritischen, die Unbequemen, die Zauderer an den Pranger zu stellen. Ein notorischer Lügner wirft anderen Lügen vor, nennt sie Loser, setzt sich über Tabus, über Regeln hinweg, ruft laut Verrat am Volk und schwingt sich als Erretter auf. Und wenn er schon keine Fakten wahrnehmen kann und will, dann kann er mindestens wunderbar alternative Fakten passend machen. Wow, beeindruckend. Willkommen in Absurdistan!

Verstand wird als das Vermögen zu denken definiert – so einfach. Warnung: Denken ist aber ganz schön unbequem, anstrengend, verunsichernd, man begegnet Widersprüchen, und es ist nicht nur spannend.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht und sich an den neuen Kleidern des Kaisers ergötzt. Humor ist, was uns in diesen faktenfreien Tagen bleibt, und das ist wunderbar entspannend. Nehmen wir die Steilvorlagen für die Fasnacht an. Viel Spass in diesen närrischen Tagen. «Gäll, känsch mi ned?»

Hinweis

Otto Leuenberger, Leiter Freizeitzentrum Obwalden, aus Giswil äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

Otto Leuenberger