Die FDP Kerns bangt um ihren Sitz

Mit André Windlin tritt das einzige FDP-Mitglied des Kernser Gemeinderats zurück. Sein Sitz ist auch bei den anderen Parteien begehrt.

Matthias Piazza
Hören
Drucken
Teilen

Gleich drei Kandidaten wollen bei den Gesamterneuerungswahlen am 9. Februar den Sitz von André Windlin erben. Er tritt als einziges Mitglied des Siebnergremiums, dem er seit zwölf Jahren angehört und seit neun Jahren präsidiert hat, nicht mehr an.

Die Wahl birgt parteipolitischen Zündstoff, verlässt mit André Windlin doch das einzige FDP-Mitglied den Gemeinderat. Dieser wird mit Marlies Durrer, Pius Hofer und Diana Zumstein von der CVP dominiert. Die CSP ist durch Elmar Stocker vertreten. Monika Ettlin ist parteiunabhängig. Die SVP hat mit Gemeindevizepräsident Beat von Deschwanden einen Sitz. Fliegt die FDP nun aus dem Gemeinderat? Ausgeschlossen ist dies nicht, kandidiert doch nebst Stefan Flück von der FDP auch Isabella Kretz (SVP) und die Parteilose Irene Röthlin.

Flück würde beruflich kürzertreten

Stefan Flück kandidiert für die FDP für den Kernser Gemeinderatskandidat.

Stefan Flück kandidiert für die FDP für den Kernser Gemeinderatskandidat.

Bild: PD

«Ein bisschen Druck verspüre ich schon, den Sitz der FDP zu verteidigen. Wir würden sehr gerne im Gemeinderat bleiben», sagt Stefan Flück, der auch die Ortspartei präsidiert. Aber er freue sich, dass der Vorstand ihm das Vertrauen zur Kandidatur ausgesprochen hat. Seine Wahlchancen schätzt er als gleich hoch ein wie jene der anderen zwei Kandidaten. Bei den vergangenen Kantonsratswahlen 2018 kam die FDP in Kerns auf einen Wähleranteil von 19 Prozent, was einem FDP-Sitz im Gemeinderat entsprechen würde.

«Als Ur-Kernser will ich mich für unsere Gemeinde einsetzen und damit etwas zurückgeben, was mir meine Heimatgemeinde auf den Weg gegeben hat», begründet Stefan Flück seine Kandidatur. Der 35-jährige ledige Inhaber eines Ingenieurbüros, das sich auf thermische Energie spezialisiert hat, unterrichtet und forscht einen Tag pro Woche in Maschinen- und Energietechnik an der Hochschule Luzern. Sollte er Gemeinderat werden, was einem 22-Prozent-Pensum entspricht, würde er beruflich kürzertreten.

Kein Thema sei das Gemeindepräsidium, das am 15. März, dem allfälligen zweiten Gemeinderatswahlgang, zur Wahl steht. «Das wäre ein zu grosser Schritt in zu kurzer Zeit. Ich möchte mich im Gemeinderat zuerst integrieren und mich den geforderten Aufgaben stellen.»

«Wir wollen unseren zweiten Sitz zurück»

Isabella Kretz kandidiert für die SVP für den Kernser Gemeinderat.

Isabella Kretz kandidiert für die SVP für den Kernser Gemeinderat. 

Bild: PD

SVP-Kandidatin Isabella Kretz sieht ihre Kandidatur nicht in erster Linie als Angriff auf den einzigen Sitz der FDP. «Wir wollen unseren zweiten Sitz zurück, den wir vor einem Jahr verloren haben», sagt die Präsidentin der Kernser Ortspartei. Die SVP musste bei den Ersatzwahlen für die Mitte 2019 zurückgetretenen Gemeinderäte Daniel Blättler-Dönni (SVP) und Ruedi Windlin-Reinbold (CVP) einen Sitz zu Gunsten der CVP abgeben, welche nun drei Mitglieder stellt.

Einen zweiten SVP-Sitz zu ergattern, heisst für Isabella Kretz nicht zwingend, dass die FDP nicht mehr im Gemein­derat vertreten wäre, da sich ja auch die Bisherigen der Wiederwahl stellen müssen. «Gesamterneuerungswahlen geben immer auch die Chance, ein Gleichgewicht zwischen unterschiedlichen Meinungen und Parteien herzustellen», sagt sie. Das Amt als Gemeinderätin, für welches sie ihre Wahlchancen als intakt einschätzt, habe sie schon immer gereizt. «Man kann so viel mehr bewirken, als man im Kantonsrat kann.» Bis jetzt habe einfach die Zeit dafür gefehlt.

Nun lasse sich das Amt jedoch gut mit ihrem Job vereinbaren. «Im Falle einer Wahl könnte ich das Pensum auf 80 Prozent reduzieren», sagt die 46-jährige Personalassistentin. Kein Thema wäre für die verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Kindern der vorzeitige Rücktritt als Kantonsrätin, dem sie seit 2014 angehört. «Die Kernser haben mich bis 2022 gewählt. Für eine weitere Kandidatur müsste ich die Zeit reifen lassen, ob mit oder ohne Gemeinderatsamt.» Für das Amt als Gemeindepräsidentin hege sie aus Zeitgründen keine Ambitionen.

Politik im Bauernbund kennen gelernt

Irene Röthlin kandidiert als Parteilose für den Kernser Gemeinderat.

Irene Röthlin kandidiert als Parteilose für den Kernser Gemeinderat. 

Bild: PD

Irene Röthlin steigt als parteilose Kandidatin ins Rennen. «Auch wenn ich mich klar bürgerlich positioniere, müsste ich mich verbiegen, wenn ich einer Partei beitreten wollte», sagt die 42-jährige Bäuerin und Mutter von vier Kindern im Alter zwischen 13 und 21 Jahren. Ihre Parteilosigkeit erachtet sie nicht als Handicap für den Wahlkampf. Sie war von 2008 bis 2014 Präsidentin der Obwaldner Landfrauen, engagierte sich in verschiedenen Sportvereinen und leitete diverse Kinderturngruppen. Auch in Landwirtschaftskreisen war sie aktiv, so etwa beim Zentralschweizer Bauernbund. «Dort erlebte ich, wie Politik funktioniert, lernte, dass man etwas anpacken muss, um etwas zu verändern. Ich wurde auch immer wieder angesprochen auf eine Gemeinderatskandidatur. Nun habe ich Zeit dafür.» Das Gemeindepräsidium wolle auch sie allerdings anderen überlassen.