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Die First Responder von Lungern helfen seit 10 Jahren in unter fünf Minuten

Wie die Ersthelfer ihnen das Leben retteten, erzählten an der Geburtstagsfeier zwei Direktbetroffene.
Primus Camenzind
Die First-Responder-Gruppe von Lungern, darunter einige der Mitbegründer, wie Rolf Langenbacher (links aussen), Sandra Schallberger (zweite von rechts, stehend) und der damalige Lungerer Dorfarzt Melk Durrer (links neben Schallberger). (Bild: Primus Camenzind, Lungern, 12. September 2019)

Die First-Responder-Gruppe von Lungern, darunter einige der Mitbegründer, wie Rolf Langenbacher (links aussen), Sandra Schallberger (zweite von rechts, stehend) und der damalige Lungerer Dorfarzt Melk Durrer (links neben Schallberger). (Bild: Primus Camenzind, Lungern, 12. September 2019)

Vor zehn Jahren war Rolf Langenbacher noch Leiter des Rettungsdienstes am Kantonsspital Obwalden. Er machte sich Gedanken über Menschen, die an einem x-beliebigen Ort und unverhofft einen Herzstillstand oder ähnliches erleiden. «Für sie fehlte damals noch das allererste Glied in der Rettungskette. An Orten wie Lungern können nämlich Menschenleben gerettet werden, wenn rechtzeitig Hilfe vor Ort ist. Und das muss passieren, bevor der Rettungsdienst des Spitals eintrifft», erklärte Langenbacher, kurz bevor am Donnerstag der 10. Geburtstag der First-Responder-Gruppe Lungern im Freien, vor dem Lagerhaus am See gefeiert wurde.

Mit der Idee einer Rettungsgruppe gelangte Langenbacher damals an den Samariterverein Lungern. Für die Gründung waren zahlreiche Vereinsmitglieder zu begeistern; unter ihnen auch Sandra Schallberger, die noch heute für die kantonale Dachorganisation «Härz fir Obwaldä» unter anderem als Sekretärin im Einsatz ist.

Die ersten First Responder der Zentralschweiz

«Die Tatsache, dass hier die erste First-Responder-Gruppe der Zentralschweiz entstand, darf als Pionierleistung bezeichnet werden», sagte Langenbacher, der Präsident von «Härz fir Obwaldä». «Die Versorgungslücke konnte nämlich nicht dadurch geschlossen werden, dass einfach einige Rettungsfahrzeuge mehr zum Einsatz kamen. Vielmehr ging es um Selbsthilfe im Dorf in den ersten Minuten», betonte er. Die Erfahrung zeige nämlich, dass ein Rettungsfahrzeug von Sarnen bis Lungern bei günstiger Witterung rund eine Viertelstunde benötige; im Winter sogar wesentlich länger. «Die First Responder aus dem Dorf schaffen es eigentlich immer in weniger als fünf Minuten», so Langenbacher.

Ihre Grundausbildung und jährliche Weiterbildung genossen die Lungerer hauptsächlich durch den Rettungsdienst beziehungsweise das Kantonsspital Obwalden. «Die entsprechenden Organisationen und Kräfte in der Gemeinde helfen seither tatkräftig. Und sie haben Erfolge zu verzeichnen», sagte der Fachmann.

Herzversagen bei dem Schneeschaufeln

Über solche Erfolge erzählten zwei Direktbetroffene unserer Zeitung: «Am 14. Januar 2017 passierte es», sagt Josef Gasser, 54, Projektleiter bei der Zentralbahn. Er war zu Hause am Schneeschaufeln. «Ich wurde langsam müde, machte eine Pause, erlitt einen Schwindelanfall und dann versagte mein Bewusstsein.» Erst mitten in der Nacht erwachte er wieder im Kantonsspital Luzern. Davon, dass seine Nachbarin Christa Zumstein den Vorfall bemerkte, Alarm beim Rettungsdienst 144 auslöste und eine Herzmassage einleitete, weiss Gasser nur vom Hörensagen. Die First Responder, welche automatisch mit 144 alarmiert werden, seien mit den nötigen Geräten schon nach drei Minuten eingetroffen. Heute weiss er, dass sein Leben damit gerettet werden konnte. «Und dafür bin ich für immer dankbar», bekräftigte Josef Gasser.

Zusammenbruch nach Skitour

«Vor einem halben Jahr war es auf dem Parkplatz bei der Turrenbahn mit mir fast vorbei», erinnert sich Toni Bär, 63, Selbstständigerwerbender von «ennet dem Brünig». Nach einer Skitour hatte er einen Herzstillstand. Während seine Frau das Auto belud, bewegte sich Bär in Richtung einer Sitzbank; schaffte es allerdings nur bis zum Veloständer und brach dort zusammen. Seine Frau Christine hörte das Geräusch, eilte herbei und begann mit der Reanimation. «Ich wusste sofort, dass es das Herz war, bat einen Mann, den Rettungsdienst 144 zu alarmieren und setzte meine Bemühungen fort.» Nach zwei oder drei Minuten traf Sandra Schallberger mit dem Defibrillator ein. «Ohne die First Responder hätten wir meinen Mann nicht durchgebracht», bekräftigt Christine Bär.

In Obwalden sind inzwischen in neun Teams rund 150 Personen als First Responder ausgebildet. «Noch gibt es weisse Felder auf unserer Landkarte», sagt Rolf Langenbacher. Im Gebiet um Langis-Glaubenberg, in Stalden, Sarnen und Kägiswil seien noch keine Gruppen etabliert, während in Engelberg die Hausärzte diese Rolle übernähmen. Langenbacher gibt die Hoffnung nicht auf, dass die Ersten in der Rettungskette bald flächendeckend zum Einsatz kommen.

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