Die Franziskaner im Flüeli haben einen neuen Chef

Pater Reto Davatz leitet neu die Gemeinschaft der Franziskaner in Flüeli-Ranft.

Marion Wannemacher
Drucken
Teilen
Pater Reto Davatz, neuer Guardian der Franziskaner-Gemeinschaft Flüeli-Ranft.

Pater Reto Davatz, neuer Guardian der Franziskaner-Gemeinschaft Flüeli-Ranft.

Bild Marion Wannemacher (Flüeli-Ranft, 27. März 2020)

Den englischen Akzent hört man noch deutlich. Aber Pater Reto Davatz versteht nicht nur Mundart sehr gut, es ist sogar die Sprache seines Vaters. Aktuell ist er intensiv daran, noch besser Deutsch zu lernen. «Zu Hause haben meine Eltern immer wieder Schweizerdeutsch gesprochen», erzählt er. Von Jugend an zog es den gebürtigen Winterthurer, dessen Eltern nach Montreal auswanderten, als er zweieinhalb war, immer wieder in die Schweiz. Als er vor zwei Jahren von Atlanta in die Schweiz kam, sei für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen, erzählt er. Zuletzt arbeitete der 44-Jährige dort als Kaplan in einer Highschool. Gewählt wurde der neue Guardian der Ordensgemeinschaft von Flüeli-Ranft durch das Kapitel in Wien Mitte März. Er übernimmt das Amt aus der Hand von Pater Klaus Renggli, der seine Mitbrüder 23 Jahre leitete.

Auf die Frage, wie Reto Davatz zur Ordensgemeinschaft der Franziskaner gelangte, erzählt er seine spannende Berufungsgeschichte. In Ottawa studierte der Sohn einer kanadischen Lehrerin und eines Schweizer Managers Philosophie. Schon vom Teenageralter an war ihm der katholische Glaube wichtig. Irgendwann habe er in der eigenen Vorstellung ein Bild von sich als Priester gesehen. «Welche Bedeutung dieser Eindruck für mich hatte, wusste ich damals noch nicht», erzählt er. Ein Kollege habe ihm zu bedenken gegeben, dass Gott ihm damit vielleicht etwas sagen wolle. Über viele weitere klare Berufungsschritte kam er schliesslich durch ein Wochenende bei einer Franziskaner-Gemeinschaft zur sicheren Überzeugung, dass dies sein Weg sei. Mit 26 Jahren trat er schliesslich dem Orden bei.

«Mein Herz ist in der Schweiz»

Flüeli-Ranft besuchte er bereits 2003, ein Jahr nach dem Beitritt zu den Franziskanern. «Wohin möchtest du gehen?», habe ihn sein Vorgesetzter gefragt. «Was du befiehlst, werde ich von Herzen befolgen, aber mein Herz ist in der Schweiz», hatte ihm Reto Davatz geantwortet. Nebst seiner Arbeit im Kloster in Flüeli-Ranft hält er normalerweise, wenn keine ausserordentliche Lage wegen des Coronavirus herrscht, regelmässig im Altersheim Huwel in Kerns Messen sowie auf Zuruf in der Pfarrei in Kerns, auch in der Kapelle in St. Niklausen. Nach eigenen Angaben strebt er ein Priesteramt in Kerns an. Seine Mitbrüder halten ausserdem in Flüeli-Ranft Messen und leisten in der Umgebung und im Kantonsspital Seelsorge. Fünfmal in der Woche gibt es eine Messe in der Klosterkapelle.  

In seiner Freizeit hört Pater Reto Davatz gern 80er-Jahre-Popmusik und auch die Band Metallica. Er lernt Gitarre, liest viel und befasst sich mit Philosophie und Theologie. Als Lieblingsort gibt er den Waldrand oberhalb des Klosters an. «Von dort hat man eine wunderbare Aussicht auf den Sarnersee und auf Flüeli-Ranft», schwärmt er.

Altes Juvenat steht noch immer leer

In der klösterlichen Gemeinschaft in Flüeli-Ranft im Hobacher leben derzeit fünf Franziskaner. Seit dem Wegzug der Stiftung Juvenat stehen Schule und Internat leer. Bisher blieben alle Versuche der beauftragten Firma, die Immobilie zu vermieten oder zu verkaufen, erfolglos. Als grosses Handicap bezeichnet Pater Klaus Renggli die Zone. Diese ist nach wie vor definiert als «Sonderzone zur Erfüllung des Zweckes der Stiftung Juvenat der Franziskaner», der ja nun nicht mehr gegeben ist. Eine Umschreibung der Zone ist bislang nicht erfolgt. «Dies ist ein steiniger Weg zwischen Eigentümer, Gemeinde und Kanton», erklärt der Pater. Die Verhandlungen liefen schon lange. Dazu kämen Vorschriften zur Eingliederung in das Orts- und Landschaftsbild. «So ist es schwer, einen Käufer zu finden, der nicht weiss, was mit den Gebäuden gemacht werden darf», lautet Rengglis Fazit. Da die Pater keine Versorgung aus einer Pensionskasse beziehen, sind sie finanziell abhängig von den Einnahmen aus dem Gebäude. 

Mehr zum Thema

FLÜELI-RANFT: Was wird aus dem Juvenat?

Nach dem Wegzug der Stiftung Juvenat stehen Schule und Internat leer. Bislang habe sich kein ernsthafter Interessent gefunden, bestätigt Franziskanerpater Klaus Renggli.
Marion Wannemacher