Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ausgezeichnete Masterarbeit: Die Gletscher haben diesen Kernser eiskalt erwischt

Mit seiner Masterarbeit über Permafrost hat sich der aus Kerns stammende Dominik Amschwand an der ETH Zürich die Bestnote und eine spezielle Auszeichnung geholt. Seine Arbeit soll zum Bewusstsein über den Klimawandel beitragen.
Philipp Unterschütz
Fräsen für die Forschung: Dominik Aschwand (rechts) beim Entnehmen von Proben aus dem Blockgletscher Bleis Marscha. (Bild: PD)

Fräsen für die Forschung: Dominik Aschwand (rechts) beim Entnehmen von Proben aus dem Blockgletscher Bleis Marscha. (Bild: PD)

Wenn die Geologische Gesellschaft Zürich am 11. Februar den Preis für eine herausragende Masterarbeit überreicht, ist das nicht zuletzt eine Folge des verheerenden Hochwassers, das 2005 über Obwalden hereinbrach. «Die Kraft der Natur, diese Gewalt, hat mich damals enorm beeindruckt», erzählt der Preisträger, der heute 27-jährige Dominik Amschwand. Der junge Kernser besuchte damals das Gymnasium in Sarnen und erlebte anstelle der geplanten Projektwoche, die buchstäblich ins Wasser fiel, einen Hilfseinsatz im Melchtal – die Schüler halfen den Bauern ihre Matten wieder herzustellen, entfernten Schutt und Geröll. «Die Katastrophe weckte in mir die Neugier, den Ursachen auf den Grund zu gehen.» Dominik Amschwands Entschluss, ein Studium der Erdwissenschaften zu machen, stand fest.

Nach der kantonsbesten Matura 2010 und einem zweijährigen Dienst bei der Schweizergarde im Vatikan absolvierte er in fünf Jahren an der ETH Zürich das Studium. Und lieferte zum Abschluss im vergangenen September seine Masterarbeit ab, die mit einer glatten Note 6 bewertet wurde und nun eben von der Geologischen Gesellschaft Zürich ausgezeichnet wird. Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Blockgletschers Bleis Marscha im Val d’Err im Bündner Oberhalbstein.

Neuartiges Verfahren angewendet

Auf die Frage nach dem Grund dieser Themenwahl erwähnt Dominik Amschwand erneut seine Neugier – und beweist, dass er das wichtigste Forschergen intus hat. «Ich war sofort fasziniert, als ich auf einer Exkursion zum ersten Mal einen Blockgletscher sah. Diese Mächtigkeit und gleichzeitig diese filigranen Fliessmuster. Mich interessiert die Wechselwirkung zwischen Landschaft und Klima.» Für seine Arbeit datierte er das Alter der Oberfläche des aktiven Blockgletschers Bleis Marscha mittels kosmogenen Nukliden. Teilchen aus dem All produzieren Atomsorten im Gestein, die ansonsten nicht vorhanden sind. Je mehr davon vorhanden sind, desto länger war die Fläche also an der Oberfläche. Dieses Verfahren wurde zum ersten Mal bei einem aktiven Blockgletscher angewendet und dürfte massgebenden Anteil an der hervorragenden Beurteilung der Masterarbeit haben.

Mit dem Wissen über den Zustand des Blockgletschers und damit auch des Permafrosts können künftige Naturgefahren besser abgeschätzt werden. «Am Fall des Bleis Marscha können wir den Klimawandel nicht festmachen, der Permafrost ist dort intakt.»Bei vielen Blockgletschern im Alpenraum würden sich aber beschleunigte Bewegungen oder Zerfallserscheinungen zeigen wegen der steigenden Temperaturen. «Der Klimawandel ist im Hochgebirge längst erfass- und sichtbar.»

Beitragen zu einer Verhaltensänderung

Zwar sei das Studium an der ETH streng gewesen, aber der Erfolg bestätige, dass er auf dem richtigen Weg sei. «Ich konnte mich extrem austoben im Studium und meine ganze Neugier ausleben», erzählt Amschwand. Er hätte sich immer wohlgefühlt. «Ich habe mein Fachgebiet gefunden, und Menschen, mit denen ich meine Passion für Geologie teilen kann.» So klingt Begeisterung. Tatsächlich bestätigt der junge Geologe auch, dass er nicht mehr durch die Landschaft laufen könne, ohne dass er sich Gedanken mache, wie sie entstanden sei.

Das Thema Klimawandel wird Amschwand auch künftig nicht loslassen, zu seinen Zukunftsplänen zählt auch ein Doktorat im Bereich Permafrost und Geomorphologie. «Ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit zu einer Verhaltensänderung beitragen kann.» Es handle sich um ein Thema von grosser gesellschaftlicher Relevanz. Der Mensch sei verantwortlich für den jetzigen Klimawandel. «Wer sagt, Klimawandel habe es schon immer gegeben, ist zynisch. Was jetzt abläuft, geschieht sehr schnell und bringt ganz neuartige Naturgefahren mit sich.» Er hoffe, dass die Erkenntnisse der Wissenschaftler nicht ungehört verhallen.

Blockgletscher, Permafrost und Klimawandel

Als Permafrost wird ständig gefrorener Boden bezeichnet, der dauernd Temperaturen unter Null Grad aufweist. Permafrost findet man in der Schweiz typischerweise im Hochgebirge, in kalten und hoch gelegenen Schutthalden und Felswänden oberhalb von etwa 2500 Metern über Meer. Für den Permafrost ist nicht in erster Linie die Lufttemperatur, sondern die Temperatur an der Bodenoberfläche entscheidend. Permafrost kann man nicht direkt sehen, Geländeformen wie Blockgletscher deuten aber darauf hin.

Mit einer Länge von einigen hundert Metern und einer Mächtigkeit von bis zu 30 Metern heben sich Blockgletscher deutlich von der Umgebung ab. Aufgebaut sind sie aus einem Gemisch von Lockermaterial und Eis. Solange ein Blockgletscher intakt ist, bewegt er sich als zähflüssige, viskose Masse – im Prinzip ähnlich wie Honig – unter seinem Eigengewicht langsam hangabwärts. In der Zentralschweiz gibt es aktive Blockgletscher nur im Kanton Uri, überwiegend im südlichen Teil, dem kristallinen Gotthardgebiet. Blockgletscher oberhalb von Wassen wurden dort im Volksmund übrigens «Häxäyffä» genannt.

Wenn der Permafrost infolge klimatischer Veränderungen taut, kann der Boden an Stabilität verlieren. Es kann zu Setzungen, Hangrutschungen, Kriechbewegungen, Murgängen oder Felsstürzen kommen. Um diese Naturgefahren durch ein wärmer werdendes Klima abschätzen und eingrenzen zu können, sind Kenntnisse über den Zustand des Permafrosts notwendig. Der «Gesundheitszustand» eines Blockgletschers dient deshalb als Indikator für den Zustand des lokalen Permafrosts. (unp)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.