Die guten Seelen der Zentralbahn rücken jetzt von Kägiswil aus

Der neue Unterhaltsstützpunkt der Zentralbahn in Kägiswil ist eröffnet. Davon profitieren auch die Fahrgäste, wenn auch indirekt.

Matthias Piazza
Hören
Drucken
Teilen
Der neue Unterhaltsstützpunkt der Zentralbahn wurde in einjähriger Bauzeit erstellt.

Der neue Unterhaltsstützpunkt der Zentralbahn wurde in einjähriger Bauzeit erstellt.

Bild: Matthias Piazza (Kägiswil, 31. Januar 2020)

Es war wohl das erste und letzte Mal, dass die grosse Halle des neuen Unterhaltsstützpunktes in Kägiswil als Festhalle diente. Wo sonst die Unterhaltszüge eingestellt sind, waren am Donnerstagabend festlich geschmückte Tische fürs Festmahl aufgestellt. Im Beisein von Vertretern aus Politik und Geistlichkeit feierte die Zentralbahn mit den Mitarbeitern dieses Standorts die offizielle Eröffnung des gut 6,5 Millionen Franken teuren Gebäudes, das in einer einjährigen Bauzeit entstanden ist.

Das 56 Meter lange, 16 Meter breite und 7 Meter hohe Gebäude umfasst nebst der Halle für Schienenfahrzeuge auch Lagerräume, Besprechungszimmer, Büros, Aufenthaltsräume, Garderoben und Toiletten. Der neue Stützpunkt für die Abschnitte Luzern–Engelberg und Luzern–Giswil ersetzt die drei teils in die Jahre gekommenen Standorte Sarnen, Hergiswil und Stansstad. Von hier rücken die rund 20 Mitarbeiter aus, um in diesem Gebiet die Gleise zu warten, aber auch für Böschungspflege oder den Kleinunterhalt an Bahnhöfen.

«Können Störungen schneller beheben»

Michael Schürch, Geschäftsführer der Zentralbahn, sprach in seiner Rede von bedeutenden Verbesserungen für das Unterhalts- und Reinigungspersonal. «Durch den zentralen Standort in Kägiswil werden die Interventionszeiten verkürzt. Wir sind somit schneller vor Ort und können Störungen schneller beheben. Das bedeutet für unsere Kunden weniger Einschränkungen.» Und die freiwerdenden Lagerflächen in Hergiswil und Sarnen könnten weitervermietet werden.

«Aus Kundensicht mag ein Unterhaltsstützpunkt eine wenige spektakulär Investition sein, man reist deswegen nicht schneller nach Luzern oder nach Interlaken», meinte der Obwaldner Regierungsrat und Baudirektor Josef Hess (parteilos). «Doch die Arbeiten, die hier geleistet werden, entlang der vielen Lawinenverbauungen, Bachdurchlässe, Hangsicherungen, Brücken und Barrieren, tragen zur Zuverlässigkeit des Bahnbetriebes bei und dienen letztlich dann doch den Kunden.»

Und Zuverlässigkeit sei eben ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal im Verkehr, ein Erfolgsfaktor für die Zentralbahn. «Der Zug wird unter anderem deshalb gewählt, weil er zuverlässig in der geplanten Zeit und in immer gleicher Qualität das Ziel erreiche. Dass in Tragwerk und Fassade insgesamt fast 100 Kubikmeter Schweizer Holz verbaut wurde, freue ihn besonders.

Dem schloss sich Sarnens Gemeindepräsident Jürg Berlinger (CVP) an, der dem Holz eine grosse Bedeutung zumisst. Darum erstaune es ihn auch nicht, dass man beim entstehenden Neubau der Obwaldner Kantonalbank in Sarnen als auch beim realisierten Zivilschutz-Logistikzentrum in Kägiswil auf Holz gesetzt habe.

Eine historische Parzelle

Das Gebäude in der Nähe des Flugplatzes Kägiswil und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Firma Leister und Aldi steht sozusagen auf einer historischen Parzelle. Dort standen bis vor einem Jahr zwei Hallen des Bundes, die in den 1940er-Jahren erbaut wurden und während des Zweiten Weltkrieges als Notlager für Lebensmittel dienten. Es stand zur Diskussion, eines oder beide Gebäude als Unterhaltsstützpunkt umzunutzen. Die Idee wurde nach einer Begehung rasch verworfen. «Vom Dach rieselte überall das Sägemehl der Holzwürmer herunter. Uns war sofort klar, dass wir die Gebäude nicht weiter nutzen konnten», blickte Michael Schürch auf die Entstehungsgeschichte zurück. Dank Unterstützung der Obwaldner Regierung habe die Bahn die Parzelle zu einem vertretbaren Preis dem Bund abkaufen können.

Schwieriger Abbruch wegen Asbest

Die Abbrucharbeiten der Gebäude mit total 500 Tonnen Holz und 2300 Kubikmeter Beton Anfang des vergangenen Jahres gingen aus Sicht des Laien langsam voran. Das hatte seinen guten Grund: Die Wände enthielten festgebundenen Asbest. Hätte man ganz normal abgebrochen, hätte dies für die zwei Mitarbeiter vor Ort wegen des freigewordenen Staubs gesundheitsgefährdend sein können. Mit dem vorsichtigen Vorgehen hingegen und dem Bewässern der Fassade konnte das Material «staubfrei» von der Baggerschaufel in die Mulde befördert werden können. Rund 80 Tonnen, also etwas vier Lastwagenladungen dieses Inertmaterials mit festgebundenem Asbest, landeten bei der Deponie Obwalden in Kerns.

Mit dem Neubau kehrt die Zentralbahn an einen Ort zurück, der schon mal eine Bedeutung für die Bahn hatte. Hier hielten früher Züge. Der Bahnhof Kerns-Kägiswil wurde wegen zu tiefer Frequenzen 1989 allerdings stillgelegt.