Bildstrecke

Ab Frühling will Engelberg tüchtig einheizen 

Zuhinterst im Engelbergertal wird schon bald im grossen Stil mit Holz geheizt. Bereits wurde der gigantische Ofen angefeuert.

David von Moos
Drucken
Teilen
Talammann Alex Höchli  (von rechts) feuert mit Sepp Infanger, Verwaltungsratspräsident der Heizwerk Engelberg AG  und Baudirektor Josef Hess den Ofen ein.
7 Bilder
85 Tonnen wiegt der sieben Meter hohe kleinere Ofen (im Bild). Rechts davon steht der 137 Tonnen schwere und elf Meter hohe grössere Ofen.
Rund zehn Tage dauert es, bis der gigantische Ofen ausgetrocknet, die Restfeuchtigkeit aus der neu gemauerten Ofenwand gewichen ist. Erst dann wird auf Holzschnitzel als Brennmaterial umgestellt. «Danach können wir den geregelten, automatischen Betrieb sukzessive ausbauen», erklärt Gesamtprojektleiter Roman Betschart.
Blick in die Brennkammer des kleineren der beiden Brennöfen. Angeheizt wird mit normalem Brennholzscheiten.
Es bleibt noch viel zu tun: Der Spatenstich erfolgte erst im Mai dieses Jahres. Im Bild Gesamtprojektleiter Roman Betschart im Brennstofflager.
Wenn alles wie geplant funktioniert, kann das Heizwerk die Gemeinde spätestens nach Neujahr mit CO2-neutraler Wärmeenergie in Form von Wasser versorgen.
«Wir haben hier in sieben Monaten geschafft, was normal bis zu zwei Jahre Bauzeit braucht», so Gesamtprojektleiter Roman Betschart. «Da müssen alle Arbeiten perfekt geplant und aufeinander abgestimmt sein.»

Talammann Alex Höchli (von rechts) feuert mit Sepp Infanger, Verwaltungsratspräsident der Heizwerk Engelberg AG  und Baudirektor Josef Hess den Ofen ein.

(Bild: Corinne Glanzmann, Engelberg, 11. Dezember 2019)

Auf der Baustelle laufen die Arbeiten immer noch auf Hochtouren, als Sepp Infanger, Verwaltungsratspräsident der Heizwerk Engelberg AG, die Anwesenden zum «grossen Moment» willkommen heisst. Es ist kalt an diesem Donnerstagnachmittag im Ghärstli, einem kleinen Flecken mitten im Wald am Ortseingang zu Engelberg. In der Nacht zuvor ist wieder Schnee gefallen. Schnee, der den minutiös geplanten Baufortschritt über alles gesehen etwa vier Tage verzögern wird, wie Gesamtprojektleiter Roman Betschart noch erläutern wird.

Aus dem Hang ragt eine imposante Betonkonstruktion, die erst seit kurzem ein Flachdach vor Wind und Wetter, Regen und Schnee schützt. Vor den dicken Mauern, die an einen Bunker erinnern, hat sich eine kleine Gruppe versammelt. Nebst der Bau- und Projekt- und Firmenleitung haben sich zum symbolischen Akt des Einfeuerns auch Lokal- und Kantonspolitiker sowie ein Geistlicher eingefunden. «Wollt ihr uns verheizen», witzelt Abt Christian Meyer vom Benediktinerkloster Engelberg, als er zusammen mit dem Engelberger Talammann Alex Höchli und dem Obwaldner Baudirektor Josef Hess durch die enge Luke in die Brennkammer steigt.

Angeheizt wird mit normalen Brennholzscheiten. Feierlich werden sie im Ofen angezündet. Rund zehn Tage dauert es nun, bis der gigantische Ofen ausgetrocknet und die Restfeuchtigkeit aus der neu gemauerten Ofenwand gewichen ist. Erst dann wird man auf Holzschnitzel als Brennmaterial umstellen.

«Danach können wir den geregelten automatischen Betrieb sukzessive ausbauen», erklärt Gesamtprojektleiter Roman Betschart, der mit sichtlichem Stolz die Anlage präsentiert. Nicht einmal trocken müsse das Brennmaterial sein, ganz im Gegenteil. «Bis 50 Prozent Feuchtigkeit im Holz gehen in Ordnung», so Betschart weiter. «Dank der Wärmerückgewinnung aus dem Rauchgas erzielen wir einen Wirkungsgrad von rund 100 Prozent.» Stammen sollen die Holzschnitzel dereinst grösstenteils aus einheimischen Wäldern (wir berichteten).

Es bleibt noch viel zu tun

Wenn alles wie geplant funktioniert, kann das Heizwerk die Gemeinde spätestens nach Neujahr mit CO2-neutraler Wärmeenergie in Form von Wasser versorgen. Der Spatenstich erfolgte erst im Mai dieses Jahres (wir berichteten). «Wir haben hier in sieben Monaten geschafft, was normal bis zu zwei Jahre Bauzeit braucht», sagt Gesamtprojektleiter Roman Betschart. «Da müssen alle Arbeiten perfekt geplant und aufeinander abgestimmt sein.» Im kommenden Frühling soll die Fertigstellung des Heizwerks mit einem Tag der offenen Tür gross gefeiert werden.

Die in Engelberg vorhandenen ökologischen Energieressourcen sinnvoll zu nutzen ist das Ziel der Heizwerk Engelberg AG. Verbraucht wird die Wärmeenergie dereinst etwa vom Fünf-Sterne-Hotel Titlis Palace, vom Kursaal und vom Bierlialp-Park. Auch die Einwohnergemeinde wird Bezügerin der Fernwärme werden.

Mehr Informationen zum Bauprojekt finden Sie unter www.heizwerk-engelberg.ch

Auch in Stans ist ein grosser Wärmeverbund geplant:
Mehr zum Thema:

Wärmeverbund in Vitznau nimmt Form an

Trotz angespannter finanzieller Situation macht Vitznau beim Thema erneuerbare Energie vorwärts. Ein anders Projekt hingegen wird nicht weiterverfolgt.
Roseline Troxler