Die jungen Bartgeier Luzerna und Fortunat finden ein neues Zuhause in der Innerschweiz

Die Stiftung Pro Bartgeier wildert junge Bartgeier bei der Melchsee-Frutt aus. Am nächsten Sonntag geht es mit zwei spanischen Jungvögeln in die fünfte Runde.

Salome Erni
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Luzerna und Fortunat schlüpften in einer spanischen Zuchtstation. Die ersten Flugversuche werden sie aber auf der Melchsee-Frutt in Obwalden unternehmen. Dort läuft das Auswilderungsprogramm der Stiftung Pro Bartgeier nun zum fünften Mal. Wie die Stiftung ankündigt, werden die Bartgeier am Sonntag 14. Juni ausgewildert.

Die Melchsee-Frutt war 2018 auch die Kinderstube des Bartgeiers Fredueli.

Die Melchsee-Frutt war 2018 auch die Kinderstube des Bartgeiers Fredueli.

Bild: Alexandra Wey/ Keystone (Melchsee-Frutt, 17. Juni 2018)

Kinderstube Melchsee-Frutt soll die Schweizer Population stärken

Am Montag trafen die Jungtiere in der Schweiz ein und erholen sich nun im Natur- und Tierpark Goldau. Im Alter von 90 bis 100 Tagen werden die Jungvögel an den Auswilderungsstandort gebracht. Dies sei kurz bevor sie das erste Mal fliegen, vermeldet die Stiftung in ihrer Medienmitteilung. Die beiden jungen Bartgeier bringen Erbgut aus den Pyrenäen mit, welches im Alpenraum noch wenig vorhanden ist. Damit wird die genetische Diversität der Schweizer Population erhöht.

Ab dem nächsten Sonntag betreibt die Stiftung Pro Bartgeier einen Infostand in der der Melchsee-Frutt, der mit einem Spaziergang erreicht werden kann. Von dort aus hat man Blick auf die Auswilderungsnische und kann mit etwas Glück die ersten Flugversuche von Luzerna und Fortunat beobachten.

Kanton Luzern ist «Götti» von Luzerna

Der Luzerner Regierungsrat Fabian Peter als Vorsteher des Umweltdepartements freut sich über diese neue Rolle: «Es ist äusserst aufwendig, ein solches Projekt umzusetzen und funktioniert nur dank der kantons- ja sogar länderübergreifenden Zusammenarbeit. Es würde mich natürlich freuen, wenn Luzerna regelmässig im Kanton Luzern umherstreift und dereinst für Nachwuchs bei uns sorgt.»

Dass sich Luzerna einmal in der Innerschweiz niederlassen wird, ist laut der Stiftung Pro Bartgeier durchaus realistisch. Während die Vögel in den ersten Jahren sehr weiträumig umherfliegen, würden sie mit fünf bis sieben Jahren oft in der Region sesshaft werden, in der sie ihre ersten Flugversuche unternahmen. Da das Streifgebiet aber mehrere hundert Quadratkilometer umfasse, sei eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Schutz dieser seltenen Art nötig.

Bartgeier Johannes, der 2017 auf Melchsee-Frutt ausgewildert worden ist.

Bartgeier Johannes, der 2017 auf Melchsee-Frutt ausgewildert worden ist.

Bild: Hansruedi Weyrich

Die Stiftung Pro Bartgeier betreut die Jungtiere aus einem internationalen Zuchtprogramm während zwei Monaten, damit sie sich an das Leben in der freien Natur gewöhnen können. Bereits fünfmal wurden junge Bartgeier im Wildtierschutzgebiet Huetstock auf der Melchsee-Frutt ausgewildert. Damit soll der Bartgeier in der Zentralschweiz wieder heimisch werden. Schweizweit gibt es bereits 13 Brutpaare und auch in der Innerschweiz sind immer mehr Individuen zu beobachten.