Die Kirche im Krisenmodus

Ein Podium in Sarnen suchte Antworten zur Frage: «Braucht es die Kirche noch?»

Robert Hess
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Die Podiumsteilnehmer von links: Martin Kopp, Vroni Peterhans-Suter, Sr. Simone Buchs und Urs Joller. Rechts Moderatorin Doris Mennel.

Die Podiumsteilnehmer von links: Martin Kopp, Vroni Peterhans-Suter, Sr. Simone Buchs und Urs Joller. Rechts Moderatorin Doris Mennel.

Bild. Robert Hess (Sarnen, 28. Januar 2020)

«Wo steht unsere Kirche, ist es fünf vor zwölf oder bereits fünf nach zwölf?» Mit dieser Frage gingen die beiden Moderatorinnen Doris Mennel und Yvonne Mura am Dienstagabend vor über 100 Personen im Pfarreizentrum Peterhof beim Einstieg gleich zur Sache. Angesagt war ein Podium mit vier Teilnehmerinnen und Teilnehmern, das von der Gruppe Gemeinschaft des Pfarreirates Sarnen organisiert worden war.

«Wir haben einen guten Papst, aber man macht ihm das Leben schwer.»Martin Kopp, Generalvikar Urschweiz des Bistums Chur

«Wir haben einen guten Papst, aber man macht ihm das Leben schwer.»
Martin Kopp, Generalvikar Urschweiz des Bistums Chur

«Es ist genau zwölf Uhr, die Zeit zum Handeln», lautete das von den Moderatorinnen gewünschte kurze Statement von Martin Kopp, dem Generalvikar Urschweiz. – «Es ist noch einige Minuten vor Zwölfi», antwortete Vroni Peterhans, Vize-Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes. Es bleibe noch Zeit für Veränderungen in der Kirche, «und ich bin überzeugt, dass wir es noch schaffen.» Für Schwester Simone Buchs, Priorin des Klosters Heiligkreuz in Cham, «ist das keine einfache Frage.» Die Amtskirche «ist zwar kurz vor zwölf, doch ein etwas wildes Durcheinander schadet dieser Kirche nicht. Sie war auch nie so heilig, wie man uns das immer gelehrt hat», ist sie überzeugt. «Die Kirche von Christus aber ist ewig und wird immer bestehen.»

«Die Kirche war nie so  heilig, wie man das uns immer  gelehrt hat.»Sr. M. Simone Buchs, Priorin Kloster Heiligkreuz, Cham

«Die Kirche war nie so heilig, wie man das uns immer gelehrt hat.»
Sr. M. Simone Buchs, Priorin Kloster Heiligkreuz, Cham

Als gläubige Christen, so Schwester Simone weiter, «wollen wir aber mündig werden. Denn für Reformen braucht es unsere Mündigkeit.» Und dies im Sinne von «Verantwortung übernehmen». Reformen müssten von der Basis herkommen, «von oben herunter sind die Reformen eingefroren.» Dabei sprach sie Martin Kopp, dem Generalvikar der Urschweiz, «aus dem Herzen», wie er betonte.

Für den Vertreter der Jungen am Podium, den Sarner Studenten Urs Joller, ist es höchste Zeit für Veränderungen an den bestehenden Strukturen. Joller berichtete über eine Umfrage in seinem virtuellen Kreis, die er mit Hinblick auf das Podium vorgenommen hatte. 22 junge Leute meinten, es brauche die Kirche, 34 meinten, es brauche sie nicht. Im Allgemeinen ständen die Jungen der Kirche gleichgültig gegenüber. «Mit den heutigen Strukturen wird diese Kirche zu Grunde gehen.»

«Ich stelle eine grosse Gleichgültigkeit unter den  Jungen  fest.»Urs Joller, Student, Sarnen

«Ich stelle eine grosse Gleichgültigkeit unter den Jungen fest.»
Urs Joller, Student, Sarnen

Die Gleichgültigkeit der Jungen

Die beiden gut vorbereiteten Moderatorinnen verstanden es ausgezeichnet, die verschiedensten Probleme anzusprechen und dem Podium «ehrliche» Antworten zu entlocken. So hob Schwester Simone Buchs hervor, dass es in der Amtskirche von Anfang an um Macht gehe und die eigentliche Botschaft Christi verloren gehen könne. Vroni Peterhans betonte, dass «das Christentum auch ausserhalb der Kirche lebt und daraus viel Gutes – beispielsweise im sozialen Bereich – entsteht.» Sie erinnerte auch an das grosse Engagement der Katholischen Frauen am Frauenstreik 2019. «Wir treten für die Gleichbehandlung der Frauen in der Kirche ein, denn wir wollen nicht, dass alle aus der Kirche austreten müssen. «Wir wollen, dass diese Kirche noch Heimat sein kann.» Diese soll aber mehr sein, «als einfach möglichst viel in die Kirche zu gehen.»

«Wir wollen, dass die  Kirche noch Heimat sein kann.»Vroni Peterhans-Suter, Schweizerischer Katholischer Frauenbund

«Wir wollen, dass die Kirche noch Heimat sein kann.»
Vroni Peterhans-Suter, Schweizerischer Katholischer Frauenbund

Thema war auch Religion und Kirche, ohne dabei eine Verpflichtung zu übernehmen. So seien Bücher über die Esoterik und beispielsweise esoterische Wochenende zum grossen Markt geworden, meinte Vroni Peterhans.

«Wir haben einen guten Papst»

Esoterische Gedanken seien auch im Evangelium enthalten, erklärte Martin Kopp. «Wenn es der Kirche aber nicht mehr gelingt, das Evangelium zu verbreiten, kann man die Kirchen schliessen.» Eindrücklich war sein kurzes «Plädoyer» für Papst Franziskus. «Wir haben einen guten Papst», hielt er fest. «Er macht sehr vieles richtig, doch macht ihm seine Umgebung das Leben schwer.»