Die Luft in Nid- und Obwalden ist derzeit reiner als sonst – auch, aber nicht nur wegen der Corona-Massnahmen

Wegen des geringeren Strassenverkehrs dürfte die Luftqualität derzeit besser sein – jedoch ohne langfristigen Effekt.

Lucien Rahm
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Weil es weniger Verkehr hat, ist die Luft sauberer.

Weil es weniger Verkehr hat, ist die Luft sauberer.

Bild: Corinne Glanzmann (Alpnach)

Seitdem der Bundesrat der Schweiz vor rund einem Monat einschneidende Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus verordnet hat und vermehrt von zu Hause aus gearbeitet wird, befinden sich weniger Fahrzeuge auf den Strassen. Das wirkt sich positiv auf die Luftqualität aus. Insbesondere der Ausstoss von Stickstoffdioxid ist dadurch reduziert – was sich auch in der Urschweiz bemerkbar macht.

So dürfte auch in Obwalden ein Rückgang stattgefunden haben, auch wenn es im Kanton selber keine kontinuierlich messende Station gibt. Die Daten umliegender Messstationen wie in Luzern liefern jedoch auch Anhaltspunkte für Obwalden. Eine Stadtluzerner Station weist für den vergangen März beispielsweise einen durchschnittlichen Stickstoffdioxid-Wert von knapp 32 Mikrogramm pro Kubikmeter aus. In den gleichen Perioden der drei vorangehenden Jahre war dieser Wert jeweils 5 bis 14 Mikrogramm pro Kubikmeter höher. «Die Reduktion ist sicher auch auf den reduzierten Strassenverkehr zurückzuführen, aber nicht nur», sagt Marco Dusi, Dienststellenleiter Umweltschutz beim Kanton Obwalden. Ebenso spiele das Wetter eine Rolle. «In der ersten Lockdownwoche kam Bise auf, was die Schadstoffe zusätzlich verdünnte.»

Stickstoffdioxid-Belastung Stadt Luzern (Moosstrasse)

Monatsdurchschnitt in Mikrogramm pro Kubikmeter
März 2017 44,9
März 2018 46,4
März 2019 37,4
März 2020 31,6

Zudem seien in der kalten Jahreszeit die Immissionen von Stickoxiden und Feinstaub jeweils höher als in der wärmeren. Dies aufgrund der schlechteren Luftdurchmischung, die bei tiefen Temperaturen herrsche. «Also wäre sowieso mit abnehmenden Immissionen zu rechnen, je wärmer die Temperaturen werden.» Welche Faktoren welchen Einfluss haben, lasse sich daher nicht ganz genau sagen. Ende März sei zudem Saharastaub in der Luft gewesen, was die Immissionen zusätzlich erhöht habe, so Dusi.

«So grosse Effekte wie in China oder in grossen Ballungsgebieten Europas wie Paris, Frankfurt, Mailand werden wir in der Schweiz eher nicht sehen, weil wir gar nicht so hohe Luftbelastungen haben.» Die Unterschiede dürften bei uns viel geringer ausfallen, sagt Dusi.

An zuvor stark befahrenen Strassen steigt die Qualität

Im Kanton Nidwalden werden die Schadstoffwerte ebenfalls nicht fortlaufend erhoben. «Die an den anderen Messstationen in der Zentralschweiz erhobenen Messwerte erlauben uns jedoch, auch Rückschlüsse auf den Kanton Nidwalden zu ziehen», sagt Angela Zumbühl vom Nidwaldner Amt für Umwelt. Der Rückgang der Stickoxid-Belastung dürfte also auch in Nidwalden vorhanden sein. Da der Verkehr die Hauptquelle für Stickoxide sei, wirke sich die Verkehrsreduktion dabei vor allem an stark befahrenen Strassen deutlich auf die Luftqualität aus. Weil das Wetter aber ebenfalls einen wesentlichen Einfluss auf die Luftqualität habe, liessen sich die Veränderungen bei den Schadstoffemissionen nicht eins zu eins auf die Luftqualität übertragen. «Hierzu müssen die Messdaten noch vertieft analysiert werden.»

Ein langfristiger Effekt dürfte von der momentan tieferen Schadstoffbelastung jedoch nicht ausgehen. Zumbühl sagt: «Die gesundheitliche Wirkung der Luftschadstoffe ist vor allem eine Frage der chronischen Belastung.» Es sei zu erwarten, dass mit der Lockerung der aktuellen Massnahmen auch die Verkehrszahlen wieder zunehmen, und es sich deshalb um kurzfristige Auswirkungen auf die Luftqualität handelt. «Die Anstrengungen im Bereich der Luftreinhaltung führen hingegen langfristig zu geringerer Luftbelastung. Diese Errungenschaften gilt es zu erhalten.»