Die Netzwerkerin für Obwalden tritt kürzer

Martha Bächler hat neun Jahre lang als Geschäftsführerin der Standort-Promotion Firmen und Vermögende nach Obwalden geholt. Unsicherheit sei dabei das grösste Hindernis, sagt sie.

Franziska Herger
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Martha Bächler in ihrem Büro in Sarnen: «Die Ansiedlungen sind schwieriger geworden.» (Bild: Franziska Herger (1. März 2019))

Martha Bächler in ihrem Büro in Sarnen: «Die Ansiedlungen sind schwieriger geworden.» (Bild: Franziska Herger (1. März 2019))

Anfang April gibt Martha Bächler die Leitung der Standort-Promotion Obwalden ab. Neuer Geschäftsführer wird ihr bisheriger Stellvertreter Felix Fischbacher. Bächler übernahm 2010 die Geschäftsleitung des von Kanton, Gemeinden und Mitgliedern aus der Privatwirtschaft finanzierten Vereins, der Unternehmen und Privatpersonen bei der Ansiedlung in Obwalden unterstützt. Heute kann die ehemalige Frau Talammann von Engelberg auf eine erfolgreiche Wirkenszeit zurückblicken: Seit 2011 erhielten Kanton und Gemeinden durch Ansiedlungen der Standort-Promotion jährlich zwischen 1,5 und 2 Millionen Franken zusätzliche Steuereinnahmen. Im Interview erzählt die gebürtige Entlebucherin, warum ihre Arbeit trotzdem schwieriger geworden ist.

Weshalb ziehen Sie sich nach neun Jahren als Geschäftsführerin der Standort-Promotion zurück?

Martha Bächler: Ich werde dieses Jahr 64 und freue mich auf mehr Zeit mit der Familie und auf das Reisen. Meine Arbeit macht mir immer noch grossen Spass, es ist ein fantastischer Job. Aber ich war über all die Jahre sehr gefordert und viel unterwegs. Zudem haben wir mit Felix Fischbacher einen sehr geeigneten Nachfolger gefunden. Und ich bleibe der Standort-Promotion erhalten: In einem 60-Prozent-Pensum werde ich mich künftig vor allem auf Ansiedlungen und Kundenkontakte konzentrieren.

Was bleibt Ihnen am meisten in Erinnerung?

Meine Demission als Frau Talammann fiel mir damals nach über 12 Jahren im Gemeinderat sehr schwer. Ich dachte, besser als dieser Job kann es nicht werden. Aber meine Arbeit bei der Standort-Promotion hat sich als tolle Zeit herausgestellt, ich habe es nie bereut. In Erinnerung bleibt mir daher die damalige Anfrage des Vorstands, die aus heiterem Himmel kam, und die Ermutigung meiner Familie, den Schritt zu wagen. Auch das tolle Team habe ich richtig gern bekommen. Und manche der Leute, die wir angesiedelt haben, sind zu Freunden geworden.

Wie läuft eine solche Ansiedlung eigentlich genau ab? Wie überzeugt man Unternehmen oder Privatpersonen, nach Obwalden zu ziehen?

Wir betreiben natürlich Marketing und halten auch den Kontakt mit Kanzleien und Banken, deren Klienten allenfalls nach einem neuen Standort suchen. Überhaupt ist das Netzwerken am allerwichtigsten.

Das ist, mit Verlaub, etwas vage. «Wir unterstützen Sie kompetent und diskret», heisst es auf der Webseite der Standort-Promotion. Warum ist Diskretion in Ihrem Geschäft so wichtig?

Unsere Kunden wollen nicht, dass ihr Entscheidungsprozess öffentlich wird, dass es heisst «X wollte nach Obwalden ziehen und jetzt doch wieder nicht». Vielleicht kommt eine Ansiedlung eben zustande, vielleicht auch nicht.

Was hat sich verändert, seit Sie angefangen haben?

Die Ansiedlungen sind schwieriger geworden. Es ist aufwändiger, Kontakte zu knüpfen und Kunden anzuziehen. Das dürfte vor allem mit der grösseren Konkurrenz aus anderen Kantonen zu tun haben, aber auch mit diversen kantonalen und eidgenössischen Abstimmungen etwa über die Masseneinwanderungs- oder die Durchsetzungsinitiative oder über die Finanzstrategie 2027+ letzten Herbst. Drohende Steuererhöhungen sorgen für Unsicherheit. Tatsache ist, dass wir steuerlich unter den ersten vier Kantonen sein müssen, damit Kunden eine Ansiedlung in Betracht ziehen.

Wie fangen Sie diese Unsicherheit auf?

Wir betonen immer, dass Obwalden, ganz abgesehen von den guten steuerlichen Voraussetzungen, viel Einmaliges zu bieten hat: Die Lage ist zentral, die Wege zu Verwaltung und Politik sind sehr kurz. Ich konnte hinter dem «Produkt Obwalden» immer voll und ganz stehen. Wenn mir Kunden, etwa aus Südamerika, erzählen, sie fühlten sich in Obwalden zum ersten Mal sicher, hätten zum ersten Mal mit offenem Fenster geschlafen, macht das Freude. Bei den Steuern wäre wichtig, dass keine Salamitaktik gefahren wird. Sie können einmal erhöht werden, dann muss der Kanton wieder stabil und verlässlich sein. Falsch wäre es, die Steuern jedes Jahr ein bisschen zu erhöhen.

Oft taucht in Diskussionen zur Obwaldner Finanzlage das Argument auf, vermögende Zuzüger würden im Falle von Steuererhöhungen wieder wegziehen. Trifft das zu?

Es kommt auf die Höhe der Steuererhöhung an. Wenn sie sich im Rahmen des derzeit von der Regierung Vorgeschlagenen bewegt, bleiben wir steuerlich attraktiv. Ganz wichtig ist, dass wir von der Standort-Promotion die Kunden auch nach der Ansiedlung weiter begleiten. So halfen wir vor kurzem jemandem, der nach einem Arztbesuch die Krankenkassenabrechnung nicht verstand. Oder wir unterstützen Kunden aus Drittstaaten dabei, den Schweizer Fahrausweis zu erhalten. Einer Kundin haben wir zum Beispiel empfohlen, mit einem Fahrlehrer Kreiselfahren zu üben. Das kannte sie aus ihrer Heimat nicht.

Haben Sie Verständnis für gelegentliche Beschwerden von linker Seite, den Vermögenden werde in Obwalden jeder Wunsch von den Lippen abgelesen, während weniger Privilegierte, etwa bei den Prämienverbilligungen, dem Spardruck ausgesetzt sind?

Nur bedingt. Gespart werden muss in Obwalden schliesslich auf allen Ebenen. Was unsere Arbeit angeht, so sind wir natürlich auf den oberen Leistungsbereich ausgerichtet. Selbstverständlich stehen wir auf Anfrage auch allen Obwaldnern zur Verfügung, zum Beispiel bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung.

Wie wirkt sich die Staf-Vorlage (Steuerreform und AHV-Finanzierung) des Bundes, nach der Holdings, Domizil- und gemischte Gesellschaften künftig nicht mehr bevorzugt besteuert werden sollen, auf Ihre Arbeit aus?

Gering. Mit der von der Regierung geplanten Abfederung der Auswirkungen der Vorlage wäre Obwalden für solche Firmen sogar attraktiver als heute. Wir bemühen uns nun auch vermehrt um juristische Personen, welche jedoch nur Büroräumlichkeiten in Obwalden benötigen und nicht grosse Landflächen. Denn die Weiterentwicklung der Obwaldner Firmen hat für uns Priorität.

Was wünschen Sie für die Zukunft der Standort-Promotion?

Ich hoffe, dass die erfolgreiche Entwicklung fortgesetzt werden kann. Vom zusätzlichen Steuersubstrat kann die ganze Obwaldner Bevölkerung profitieren. Ich wünsche der Standort-Promotion weiterhin Glück und viel Erfolg.