Die neue Leiterin des Historischen Museums Obwalden will nicht gleich alles auf den Kopf stellen – aber die Bevölkerung zum Nachdenken anregen

Die Ethnologin Pamina Sigrist leitet künftig das Historische Museum Obwalden. Ihre Vorgängerin betreut aber weiterhin die Sammlung.

Romano Cuonz
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Klara Spichtig (rechts) übergibt den symbolischen Museumsschlüssel an Pamina Sigrist.

Klara Spichtig (rechts) übergibt den symbolischen Museumsschlüssel an Pamina Sigrist.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 3. Oktober 2020)

«Ich will im Historischen Museum Obwalden nicht gleich alles auf den Kopf stellen. Viel mehr möchte ich mich mit dem Vorstand langsam an meine Aufgabe heran tasten», sagt die 40-jährige Pamina Sigrist. Der Historische Verein Obwalden, welcher Träger des Museums ist, hat die Sarnerin aus über 20 Bewerberinnen und Bewerbern als neue Leiterin ausgewählt. Ab dem 1. Februar soll Sigrist die Geschicke des traditionsreichen Hauses übernehmen. «Wichtig war uns, die Leitung einer ausgewiesenen Persönlichkeit mit einer ganz eigenen Handschrift zu übergeben», hält Victor Bieri, Präsident des Historischen Vereins, fest. Keinesfalls habe man einen «Klon» von Klara Spichtig wählen wollen. Und Bieri beteuert: «Wir sind überzeugt, mit Pamina Sigrist die für diese Aufgabe kompetente Fachfrau gefunden zu haben.»

Sigrist wohnt in Sarnen und ist Mutter zweier Kinder. Nach ihrer Schulzeit in Obwalden hat sie in Bern Ethnologie studiert. Während ihres Studiums arbeitete und forschte die Frau mit Obwaldner Wurzeln immer wieder im westafrikanischen Land Ghana. Die zentrale Frage, die sie sich dabei stellte: Wie finden Glaubensüberzeugungen Architektur und Kunst – etwa in Ahnenschreinen – ihren Ausdruck? Seit zehn Jahren arbeitet Sigrist nun schon bei der Obwaldner Fachstelle für Gesellschaftsfragen: als Familienbeauftragte und in den Bereichen Gleichstellung von Frau und Mann oder Integration von und Ausländern.

«Überzeugt hat uns auch ihr kulturelles Engagement und ihre Vernetzung im Kanton Obwalden», sagt Bieri. Durch ihre Tätigkeit im Vorstand der Sammlung ihres Grossvaters Christian Sigrist sei sie mit dem ländlichen Alltag bestens vertraut. Auch habe sie im Vorstand des Volkskulturfestivals Obwald oder beim Verein Chessi mitgewirkt.

Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln

«Mich reizte die Aufgabe, mich beruflich auch einmal mit unseren eigenen Wurzeln auseinanderzusetzen», erklärt die Ethnologin. In einem Historischen Museum gelte es, Themen wissenschaftlich aufzuarbeiten, um dann eine Darstellungsform dafür zu finden. Diese pädagogisch-didaktische Arbeit sei für sie eine interessante Herausforderung.

Wichtiger Inhalt ihrer Arbeit werde sicher die Auseinandersetzung mit heutigen gesellschaftlichen Themen sein. «Dabei einen Bezug zur Vergangenheit herzustellen, ist mir ein Anliegen», sagt Sigrist. Wenn ihr dies gelinge, könne sie die Bevölkerung ein bisschen zum Nachdenken anregen. Grossen Wert legt die neue Leiterin des Museums auf eine gute Zusammenarbeit und regen Austausch mit den anderen Museen in Ob- und Nidwalden. Vielleicht, so überlegt sie, wäre es ja möglich, Themen als Museumsverbund über ein ganzes Jahr hinweg zu bearbeiten.

Verantwortung für Sammlung bei Spichtig

Zwar überreicht nun Klara Spichtig – sie war 17 Jahre Leiterin des Museums – den Schlüssel zum historischen Haus ihrer Nachfolgerin. In den Ruhestand aber begibt sie sich noch nicht. «Ich übernehme die Verantwortung für die reiche, aber teils noch wenig geordnete Sammlung in verschiedenen Depots», sagt sie.

Darüber ist der Historische Verein glücklich. Victor Bieri: «Wir sind sehr froh, dass wir noch weitere Jahre auf die grosse Erfahrung und das Fachwissen von Klara Spichtig zählen können, weil die zahlreichen Objekte unserer Sammlungsdepots inventarisiert werden müssen.» Die Lösung, die von der kantonalen Kulturkommission unterstützt werde, sei ein doppelter Glücksfall.

Bauliche Voraussetzungen sind nicht optimal

Bewusst ist sich Bieri, dass das Historische Museum Obwalden in absehbarer Zukunft – wohl unter der Leitung von Pamina Sigrist – grosse Probleme lösen muss. Die baulichen Voraussetzungen des ehemaligen Zeughauses – es ist im Eigentum des Kantons – sind für einen Museumsbetrieb nicht optimal. Weder baulich noch klimatisch. Jedoch: Obwohl der Kanton immer wieder Pläne geschmiedet habe – bis hin zu einem neuen Standort – sei im Moment nichts spruchreif. Und so wird sich denn Pamina Sigrist im Museum, das für Obwaldner Geschichte, Kunst, Kunsthandwerk, Volkskunde und Brauchtum steht, vorderhand mit dem bescheiden müssen, was ihr im alten Haus zur Verfügung steht.