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Die «Nöte» freiwilliger Spender

Romano Cuonz mach sich in seinem «Ich meinti» Gedanken über den Stapel von Bettelbriefen gegen Ende Jahr.
Romano Cuonz

Der Festtagsbraten bleibt einem im Halse stecken – einmal mehr. Da zeigt nämlich das Fernsehen – neben Aschenbrödels drei Nüssen und dem kleinen Lord – pünktlich zu Weihnachten wieder Bilder ohne jedes Happy End. Wahre Geschichten von Menschen sind es, die dieser Tage selbst das Wenige, dass sie besassen, noch verloren haben. Fraglos: Da müssen wir etwas tun. Vom Überfluss, den wir besitzen, etwas abgeben! Allein schon zur Beruhigung des eigenen Gewissens. Spenden nennen wir diese äusserst «gnädige Aktion».

Romano Cuonz. (Bild: Corinne Glanzmann)

Romano Cuonz. (Bild: Corinne Glanzmann)

Gerade in der Weihnachtszeit stapeln sich die Bettelbriefe. Nur: Je höher der Berg ist, desto grösser werden auch die «Nöte» durchaus williger Spender. Wem sollen sie zuerst etwas abgeben? Wo dürfen sie gewiss sein, dass sie mit ihren paar Franken wirklich jemandem helfen? Möglichst direkt und unkompliziert. Auch ich habe da schon einiges ausprobiert. Meistens ohne den erwünschten Erfolg. Das Patenkind, das mir für meine Spende Jahr für Jahr dankte, gab es – so wie es mir auf dem beigelegten Bild zulächelte – nirgends in Afrika. Eine einleuchtende Idee entdeckte ich dann auf dem Faltprospekt des Heks: Und bald kaufte ich einen Hühnerstall und einen Maulesel. Dieses Jahr sollte noch eine Ziege dazukommen. Genau das Richtige für ein Leben ohne Hunger. Doch als ich dann samt Einzahlungsschein am Postschalter anstand, musste ich auf einem grossen Bildschirm ansehen, wie jemand eine Ziege samt roter Masche nach Afrika verschickte. Das war doch genau meine Ziege! Aber weit eher virtuell als wirklich war sie.

So richtig ins Grübeln brachte mich die in dieser Zeitung publizierte Rangliste der zehn erfolgreichsten Hilfswerke. Gemäss ihr kassiert allein schon der Geschäftsleiter des Heks einen für mich unglaublich hohen Lohn. Auch die Administrationskosten sind bei meinem Favoriten nicht eben klein. Glücklicherweise werfe ich die Einzahlungsscheine der Heilsarmee nie weg. Aus Prinzip. Diese wackeren Sänger betreiben nämlich – wie auch die Glückskette, die man allein schon aufgrund aktueller TV-Bilder immer unterstützen muss – einen weitaus geringeren Administrationsaufwand.

Wie ich so hin und her überlege, kommen mehr und mehr Zweifel. Das Giesskannenprinzip beim Spenden mag ja gut und recht sein. Vielleicht auch wichtig. Jedoch: Ist es denn nicht nur der berühmte Tropfen auf den heissen Stein? Vom ganz grossen Überfluss dieser Welt müsste etwas mehr als nur der durchaus gnädige Obolus einiger Spitzensportler dazukommen. Unlängst fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen. Beim Grand Opening des Bürgenstock-Resorts nämlich: Eben hatten sich da über tausend gut betuchte Gäste an zig verschiedenen Buffets mit allen nur erdenklichen Leckerbissen den Bauch vollgeschlagen. Und wie sie nun mehr als nur satt waren, stieg zu allem Überfluss auch noch ein Feuerwerk in den Himmel. Teurer und gigantischer war es, als ich es je zuvor gesehen hatte. Was, wenn das viele schöne Geld – das letztlich von der arabischen Halbinsel kommt – nicht als Überfluss zum Überfluss auf dem Bürgenstock, sondern weitab im Jemen ausgegeben worden wäre? Für Menschen, die im gleichen Augenblick Hunger und Not litten.»

Natürlich wird man mir solche Gedanken als utopisches Hirngespinst abtun. Es ist auf unserer Welt nun mal, wie es ist. Basta! Dabei wäre die Lösung vieler Probleme – rein mathematisch gesehen – wirklich furchtbar einfach: Wenn diä, wo ähuifä zvil hend, dänä wo ähuifä zwenig hend, das wo si ähuifä zvil hend gubid, hättid allzämä sevel, wiäs bruichid!

Romano Cuonz, Journalist und Schriftsteller aus Sarnen, äussert sich abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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