Die Obwaldner Museumsleiterin konserviert die Vergangenheit

Klara Spichtig, Leiterin des Historischen Museums Obwalden, will 2020 nach einer riesigen Zügelaktion etwas ruhiger angehen.

Franziska Herger
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Klara Spichtig im Historischen Museum Obwalden mit dem Faksimile des Weissen Buchs von Sarnen.

Klara Spichtig im Historischen Museum Obwalden mit dem Faksimile des Weissen Buchs von Sarnen.

Bild: Franziska Herger (Sarnen, 9. Dezember 2019)

Es ist nicht das echte Weisse Buch von Sarnen, das im Historischen Museum Obwalden zu sehen ist. Es ist nicht einmal eine richtige Kopie. Klara Spichtig muss schmunzeln, als sie das vermeintlich alte Buch aus der Vitrine nimmt: Abgesehen von der hinter Glas sichtbaren Seite ist der dicke Band leer. Doch damit ist bald Schluss: Stolz blättert die Museumsleiterin in einem brandneuen, aber täuschend echt auf alt getrimmten sogenannten Faksimile, einer wirklichkeitsgetreuen Kopie, die nun in der Vitrine Platz finden soll.

Den Erhalt des Faksimiles (das Original von 1470 liegt im Hexenturm von Sarnen) beschreibt Klara Spichtig als einen der Höhepunkte ihres Jahres. «Und wir hatten eine sehr gute Museumssaison mit über 3000 Besuchern.»

Weniger schön war der Moment, als sie Anfang Jahr bei einer Kontrolle an diversen Bildern und Statuen Farbabplatzungen fand. Die wertvollen Objekte aus dem 16. und 17. Jahrhundert müssen nun restauriert werden. «Es tut mir jedes Mal weh, wenn ich irgendwo Schäden entdecke», sagt Spichtig. Schuld sei das alte Museumsgebäude an der Brünigstrasse in Sarnen. «Es müsste eigentlich saniert werden, damit die Luftfeuchtigkeit nicht zu stark schwankt. Dadurch entstehen Schäden.»

Und dann stand 2019 auch eine riesige Zügelaktion auf dem Programm. Seit Anfang Jahr plant Klara Spichtig den Umzug und die Neueinlagerung der rund 10000 historischen Gegenstände des Museumslagers von der Militärstrasse in Sarnen ins neue Logistikzentrum in Kägiswil (wir berichteten). Den eigentlichen Umzug im Herbst habe sie gut überstanden, so Spichtig. «Nur einmal bekam ich einen Schrecken, als ein Schrank voller Wappenscheiben umkippte. Zum Glück waren alle gepolstert verpackt und nur der Schrank bekam Beulen.»

Die Rätsel der Vergangenheit lösen

Klara Spichtig leitet das Museum seit 2004. Wie die Menschen im Alltag lebten und woran sie glaubten, habe sie schon immer fasziniert, sagt die 60-jährige Volkskundlerin. «Dabei spüre ich meine Wurzeln.» Die Giswilerin erinnert sich, wie sie als Kind mit ihrem Vater auf die Alp ging, wo abends schaurige Sagen erzählt wurden. «Das hat mich geprägt.»

Um eines von Klara Spichtigs Lieblingsobjekten im Museum rankten sich bis vor kurzem viele Geheimnisse: Das Muttelispiel, ein Glücksspiel aus dem 18. Jahrhundert, das zeitweise von der Obrigkeit verboten wurde. Erst unlängst hat Spichtig zusammen mit einem Mitarbeiter herausgefunden, was die Zeichen darauf bedeuten und nach welchen Regeln es gespielt wurde. «Es ist faszinierend, solche Rätsel zu lösen. Noch immer gibt es Objekte in der Sammlung, bei denen ich keine Ahnung habe, was sie eigentlich sind.»

Zukunftswunsch: Ein saniertes Museum

Und was macht eine Museumsleiterin in der Freizeit? «Andere Museen besuchen», kommt die prompte Antwort. «Dort schaue ich dann zum Beispiel hinter Vitrinen und überlege mir die Ausstellungstechnik. Mein Beruf ist mein Hobby.» 2020 möchte Klara Spichtig trotzdem etwas ruhiger angehen. «Ich möchte mich vom Zügeln erholen, etwas länger Ferien machen und mehr Zeit mit den Grosskindern verbringen.» Die beiden geplanten Ausstellungen im Museum, eine über archäologische Funde am Brünig und eine über die Gründerinnen des Frauenklosters Sarnen, werden von externen Kuratoren organisiert. «Ich widme mich der Lagerkontrolle, um sicherzustellen, dass alles am richtigen Ort und beim Umzug wirklich nichts kaputtgegangen ist», so Spichtig.

Wenn sie weiter in die Zukunft blickt, wünscht sich die Museumsleitern – neben einem klimatisch besseren Museumsgebäude – «etwas mehr Geld und personelle Ressourcen. Obwohl sich da seit meiner Anfangszeit schon viel getan hat.» 2023 erreicht Spichtig das Pensionsalter. «Mein grösstes Anliegen ist es, die Museumssammlung geordnet und in gutem Zustand zu hinterlassen», betont sie. «Schliesslich konservieren wir bei uns die Vergangenheit. Deren Zeugnisse sollen auch den nächsten Generationen erhalten bleiben.»

www.museum-obwalden.ch