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Die reformierte Kirche Obwalden wird von einem Lied «getragen»

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde bekommt ihr eigenes Lied. Am Wochenende hat es Liedermacher Marcel Bürgi mit den Sängern in Sarnen aufgenommen.
Marion Wannemacher
Marcel Bürgi (links), Pfarrer Hans Winkler und Irène Glanzmann singen das Lied ein. (Bild: Marion Wannemacher, Sarnen, 3. November 2018)

Marcel Bürgi (links), Pfarrer Hans Winkler und Irène Glanzmann singen das Lied ein. (Bild: Marion Wannemacher, Sarnen, 3. November 2018)

Das Sunntigsschuel-Zimmer im Keller der evangelisch-reformierten Kirche in Sarnen ist am vergangenen Wochenende für einmal ein Musikstudio. Musiker Marcel Bürgi richtet das Mikrofon für Irène Glanzmann ein. Ein bisschen nervös sei sie schon, bekennt sie. «Aber am Nachmittag habe ich beim Staubsaugen den Song geübt», erzählt sie mit einem Schmunzeln und setzt die Kopfhörer auf. Marcel Bürgi spielt für sie die Musik ab mit seiner Singstimme, Irène Glanzmann setzt an und singt mit. Nach dem ersten Durchlauf reckt Bürgi den Daumen. «Ich weiss gar nicht, warum du nervös warst», ermutigt er sie.

«Getragen» heisst der Song der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde. «Er ist eine neue Möglichkeit der Erwachsenenbildung», erklärt Pfarrer Hans Winkler. «Die Gemeindemitglieder beteiligen sich an dem Projekt, ihr Mitwirken ist wichtig. Das ist etwas anderes, als an einem Abend an einen Vortrag zu gehen und dann ist dieser vorbei. Es ist nachhaltig.» Nach dem Filmprojekt mit Luke Gasser wollte Hans Winkler mal etwas anderes machen. Er engagierte Marcel Bürgi, mit dem er als Pfarrer in Hettingen bei Winterthur zusammengearbeitet hatte. Bis im kommenden Frühjahr soll ein Videoclip mit dem von Gemeindemitgliedern gesungenen Lied herauskommen. Ausserdem wird dieser in das Liedgut der Kirchgemeinde aufgenommen.

«Genau die richtigen Leute mit Lebenserfahrung»

Noch vor dem Sommer fand sich eine Gruppe zusammen, die mit Liedermacher Marcel Bürgi den Text erarbeitete. «Es waren genau die richtigen Leute, eben solche mit Lebenserfahrung», erzählt Pfarrer Hans Winkler. Urs Ehrenzeller war der musikalische Coach.

Auch im Leben von Marcel Bürgi ging nicht alles glatt. Der heute 44-Jährige träumte ursprünglich von einer Karriere als Rockstar, geriet nach einer schwierigen Kindheit in eine Abwärtsspirale von Alkohol und Drogen und wurde schliesslich obdachlos. Als er seinem Leben ein Ende setzen wollte, spürte er deutlich die Gegenwart Gottes. Zu dieser Zeit «wohnte» er in einem Parkhaus. Als er eine Klavierausstellung ein Stockwerk darüber besuchte, warf ihn der Verkäufer nicht etwa raus, sondern hörte ihm zu und vermittelte ihm gar noch ein Zimmer. Damals war er 28 Jahre alt.

Marcel Bürgi nutzte seine Chance, wurde Jugendarbeiter, Musiker und Streetworker. 2009 wurde er bei der Talentshow «Die besten Schweizer Hits» entdeckt. Heute arbeitet er bei der Heilsarmee Aarau. «Ich habe Menschen gern», sagt er über sich und erzählt, dass er eine Obdachlosenband gegründet habe und mit dieser in der Kirche singt. Die Idee mit dem Songprojekt gefällt ihm: «Das ist cool, welche Kirche hat schon ihren eigenen Song aus dem Leitbild», sagt er. Dieses besteht im Wesentlichen aus den Eckpfeilern, dass die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde eine klare christliche Botschaft vermittle, eine Kirche für alle Generationen sei, Lebensfreude ausstrahlen wolle und einen diakonischen Auftrag habe.

Im Song geht es ums Leben selbst. «Wir brauchen Hoffnung, Trost, Halt, Freundschaft, Gemeinschaft und Liebe», bringt der Liedermacher die Botschaft im Text auf einen Nenner. Es geht um drei verschiedene Lebensalter. Die Interpreten wurden endsprechend ausgesucht: Die jüngste Sängerin am Nachmittag war eine Viertklässlerin, die Älteste ist 75 Jahre alt. Die Herausforderung für Marcel Bürgi wird später darin bestehen, in der technischen Bearbeitung alles zusammenzufügen.

Songprojekt vernetzte Gemeindemitglieder

«Durch die Projektarbeit haben sich Kontakte ergeben», erzählt Pfarrer Hans Winkler, «mal ein gemeinsames Mittagessen oder Üben für die Aufnahme». Das Songprojekt sei gut, lobt auch Manuela Leibundgut aus Alpnach. «Ich habe neue Leute kennen gelernt.» Mittlerweile ist Irène Glanzmann fertig mit ihrer Aufnahme, Manuela Leibundgut und ihr Sohn Michael, der ab Blatt singen kann und kurzfristig eingesprungen ist, sind als Nächste dran. Irène Glanzmann strahlt. «Es hat mir riesige Freude gemacht», berichtet sie. «Ich bin gespannt aufs Endprodukt.»

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