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Die Schule ist für Kernser Lehrer Vergangenheit – jetzt ruft Kolumbien

Nach einem arbeitsintensiven Lehrerleben packt Martin Odermatt die Koffer und wandert mit seiner Frau in deren Heimatland Kolumbien aus. Er freut sich auf die Zeit ohne Termine. Anderes an der Schweiz wird er vermissen.
Matthias Piazza
Patricia und Martin Odermatt verstauen die letzten Sachen, bevor sie am 19. August auswandern. (Bild: Corinne Glanzmann (Kerns, 25. Juli 2018))

Patricia und Martin Odermatt verstauen die letzten Sachen, bevor sie am 19. August auswandern. (Bild: Corinne Glanzmann (Kerns, 25. Juli 2018))

Die Wohnung sieht leer aus, am Boden liegen vollgepackte Kisten. Doch beim Ehepaar Odermatt steht nicht ein normaler Umzug bevor. Am 19. August brechen sie ihre Zelte nach rund vier Jahrzehnten in Kerns ab – und wandern in das rund 9000 Kilometer entfernte Kolumbien aus. «Momentan ist es sehr stressig», erzählt Patricia Odermatt (57). Lange Vorbereitungen würden sich dem Ende zuneigen. Der Rückkehr in ihre Heimat sieht sie mit einem weinenden und lachenden Auge entgegen. Die 38 Jahre in der Schweiz habe sie in sehr guter Erinnerung, sagt sie in fast akzentfreiem Schweizerdeutsch. Damals lernte sie ihren Mann in ihrer Heimatstadt Manizales in der Nähe von Pereira kennen und zog mit ihm nach der Heirat in die Schweiz.

«Ich wollte nicht bloss Deutsch lernen, sondern Schweizerdeutsch, so, wie die Leute hier reden.» Ihre Integrationsbemühungen klappten. Sie sei sehr herzlich in Kerns aufgenommen worden. Nun freue sie sich aber auf ihre Rückkehr in ihre Heimat und dem Wiedersehen mit ihrer Familie und Freunden.

Martin Odermatt hat eine andere Ausgangslage. Vor drei Wochen hat sich der 63-jährige Kernser frühpensionieren lassen. 43 Jahre unterrichtete er, 27 Jahre in Kerns, die letzten 16 Jahre in Wolfenschiessen. «Es war eine tolle Zeit als Lehrer mit einem optimalen Zusammenhalt im Team und einer guten Beziehung zur Bevölkerung. Für diese tolle Zusammenarbeit in der Schule und mit den Eltern bin ich enorm dankbar, das gab einem immer wieder Kraft für die intensive Arbeit mit den Kindern. Doch der Beruf zehrte an den Kräften», begründet er seinen Entschluss, zwei Jahre früher als üblich in den Ruhestand zu gehen.

«Die vier Jahreszeiten werden mir nicht fehlen»

In einem kleinen Ort bei Pereira, rund 350 Kilometer von der Hauptstadt Bogotá entfernt, haben sie ein Haus gekauft, um dort ihren Lebensabend zu verbringen. «Ich freue mich auf eine schöne Zeit ohne Termine», erzählt Martin Odermatt, der neben seinem fordernden Lehrerberuf auch viele Engagements in Vereinen wahrnahm. So leitete er zum Beispiel jahrelang die Kernser Jodler. Vor allem aber lockt ihn das Klima mit rund 24 Grad Durchschnittstemperatur. «Die vier Jahreszeiten werden mir nicht fehlen, insbesondere nicht die Kälte in der Schweiz, dafür aber die langen Sommerabende», hält er fest. Wie üblich in der Äquatorregion wird es in Kolumbien das ganze Jahr über um 18.30 Uhr dunkel.

Mit einem Ferienaufenthalt sei eine Auswanderung nicht zu vergleichen. Der Neuanfang auf einem neuen Kontinenten sei mental eine grosse Herausforderung. Dahinter steckten viel Planung und Organisation. Behördengänge wurden nötig, die Wohnung musste verkauft, das Mobiliar verschifft werden. Doch die Zeichen stünden gut. «Wir kennen ja den Ort schon und sprechen beide Spanisch», sagt Martin Odermatt zuversichtlich. Er freut sich auf das Land mit herrlichen Landschaften und wunderschönen Stränden am Atlantischen und Pazifischen Ozean. Und dank moderner Kommunikationsmittel verliere man ja auch nicht den Kontakt zu den hiesigen Freunden.

«Herzlichkeit der Leute ist unvergleichbar»

Er bedauert, dass Kolumbien vor allem mit Drogen in Verbindung gebracht wird. «Kolumbien hatte vor allem in den Neunzigerjahren ein grosses Drogenproblem. Seither hat sich die Situation massiv entspannt, auch wenn in gewissen Regionen immer noch Drogen angebaut werden und das Gefälle zwischen arm und reich teilweise gross ist.» Doch das Land sei auf einem sehr guten Weg. «Die Herzlichkeit der Leute ist unvergleichbar», ergänzt seine Frau. Und doch kommt Wehmut auf: «Vor allem unsere beiden 31- und 36-jährigen Töchter werden wir sehr vermissen», gesteht Martin Odermatt. Doch auch damit könnten sie umgehen. «Sie besuchen uns an Weihnachten. Ihre Flüge haben sie schon gebucht.»

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