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«Die Schweiz bleibt in bester Erinnerung»

Die 42-jährige Peruanerin Soledad Hinojosa verbesserte vom 10. Mai bis 9. Juli in der Schweiz ihre Kenntnisse in der Milchverarbeitung. Wir sprachen mit ihr kurz vor der Rückkehr nach Peru.
Robert Hess
Die peruanische Käsereiinspektorin Soledad Hinojosa im Praxis-Einsatz in der Schweiz, auf dem Bild in der Bergkäserei Urnenboden.Bild zvg (Urnerboden, 13.Juni 2018)

Die peruanische Käsereiinspektorin Soledad Hinojosa im Praxis-Einsatz in der Schweiz, auf dem Bild in der Bergkäserei Urnenboden.Bild zvg (Urnerboden, 13.Juni 2018)

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie die Schweiz und auf was freuen Sie sich besonders in Peru?

Ich verabschiede mich mit einem Gefühl der Traurigkeit, denn bei den Aktivitäten der letzten zwei Monate habe ich viele nette und aufmerksame Leute getroffen. Alles, was ich gesehen und erlebt habe, kann ich für die Ausbildung meiner Landsleute in den Bergen von Peru verwenden. Ich bin den Leuten sehr dankbar, dass sie ihre beruflichen Erfahrungen mit mir geteilt haben. Alle meine Erwartungen wurden erfüllt. Aber ich freue mich auch auf meine Familie. Trotz der aufmerksamen Betreuung durch die Gastfamilie habe ich meinen Ehemann und meine 10-jährige Tochter vermisst. Ich freue mich auch auf «meine» Käser in den mir anvertrauten Kleinbetrieben der Gebirgsregion La Libertad und natürlich auch auf die Fortsetzung meines Teilzeitstudiums als «Ingenieura Agroindustrial» an der Universität von Trujillo.

Welche beruflichen Aufgaben erfüllen Sie in Peru?

Ich bin seit drei Jahren in einer festen Anstellung bei der peruanischen Entwicklungsorganisation Cedepas Norte und betreue die milchwirtschaftliche Verbesserung der Berglandwirtschaft. In den Regionen entlang des Andengebirges gibt es viele Bauernfamilien mit genügend landwirtschaftlich nutzbaren Flächen. Der Viehbestand kann aus eigener Zucht vergrössert werden.

Mit welcher Ausbildung sind Sie in die Schweiz gekommen und welches war das Ziel ihres zweimonatigen Aufenthaltes?

Die Bezeichnungen in Peru unterscheiden sich von jenen in der Schweiz. Ich habe ein abgeschlossenes Studium im Bereich Lebensmittel-Industrie, dazu habe ich theoretische und praktische Kenntnisse in der Milchproduktion und deren Verarbeitung. Seit 15 Jahren arbeite ich in Peru mit Leuten aus dieser Branche zusammen. Ziel meines Schweizer Aufenthaltes war die Erweiterung meines Wissens in der praktischen Milchverarbeitung. Die Schweiz ist uns ein Vorbild. Die Kühe der Rasse Braunvieh in unserer Bergregion stammen ursprünglich aus der Schweiz. Seit acht Jahren teilen erfahrene Schweizer Milchfachleute ihr praktisches Wissen mit unsern Käsern.

Was können Sie aus dem Gesehenen und Erlernten bei Käseherstellern in der Schweiz mit nach Hause nehmen und dort anwenden?

In den Bergregionen Perus gibt es viel, aber zu wenig genutztes Grasland für eine natürliche Viehhaltung. Leider fehlt in den bäuerlichen Kleinstbetrieben die Technologie für eine nachhaltige Milchverarbeitung. Unser Frischkäse ist nicht haltbar und muss innert zwei Wochen konsumiert werden. Der Verkauf in die Städte ist somit kaum möglich, unser Käse muss haltbarer gemacht werden.

Ist Käse in Peru überhaupt ein Grundnahrungsmittel?

Ja, der Frischkäse gehört in Peru zu den Grundnahrungsmitteln. Es fehlt aber die Produktvielfalt. Würden die vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen in den Bergen besser genutzt, könnten 20 Prozent der Milch in Form von haltbarem Käse in Länder Südamerikas exportiert werden. Dies ist auch eine Vorgabe unserer Regierung innert zehn Jahren.

Was haben Sie in der Schweiz als besonders positiv erlebt?

Die Freundlichkeit und die Offenheit der Leute, denen ich begegnet bin. Und die Schönheit der Landschaft, die Infrastruktur und die Zuverlässigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel.

... und was als besonders negativ?

Besonders negativ ist mir nichts aufgefallen. Im Vergleich zu meiner Heimat leben die Leute in der Schweiz etwas hektischer und weniger natürlich.

Wie haben Sie sich sprachlich zurechtgefunden, beispielsweise bei Ihrer Arbeit in Bergkäsereien?

Ich spreche leider nicht Deutsch. Mit Hilfe eines interaktiven Sprachprogrammes aus dem Internet und meinem Handy konnte ich mich meist gut verständigen. Die Schweizer sind sprachgewandt und können recht gut improvisieren. Man war immer sehr zuvorkommend zu mir.

Können Sie sich vorstellen, wieder einmal für einen längeren Aufenthalt in die Schweiz zu kommen?

In den nächsten Jahren muss ich mich auf die Arbeit zur Verbesserung des Lebens der Bergbauern in meiner Heimat kümmern. Auch wenn ich liebend gerne in die Schweiz zurückkommen möchte, fehlt mir vorerst die Zeit dazu. Die Schweiz bleibt mir aber in bester Erinnerung!

Gedrängtes Programm

Ein Grossteil des klar strukturierten zweimonatigen Programms von Soledad Hinojosa wickelte sich in der Innerschweiz ab. Es umfasste verschiedene Informationsbesuche, beispielsweise in der Emmi AG sowie in Käsereibetrieben wie Seiler Sarnen/Giswil oder die Bergkäserei Seelisberg und Fluonalp. Dazu kamen teils mehrtägige Arbeitseinsätze in der Käserei Flüeler in Alpnach, Molkerei Davos (Joghurt, Pastmilch) sowie in den Bergkäsereien Urnerboden und Alp Bleiki in Niederrickenbach. Daneben blieb noch Zeit für Ausflüge ins Wallis und ins Tessin, nach Luzern, auf den Pilatus, aufs Stanserhorn oder für den Besuch des Kulturfestivals Obwald. (rh)

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