Besucherrekord auf dem Titlis trotz weniger Reisegruppen

Die Titlis-Bahnen transportieren im vergangenen Geschäftsjahr mehr Gäste denn je, doch der Gewinn blieb hinter dem Vorjahresrekord zurück.

Franziska Herger
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Touristen-Gruppen treffen bei der Talstation der Titlis-Bahnen ein.

Touristen-Gruppen treffen bei der Talstation der Titlis-Bahnen ein. 

Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 6. Juni 2018)

Ganze 1,24 Millionen Gäste verzeichneten die Titlis-Bergbahnen im Geschäftsjahr 2018/2019 – Besucherrekord. Dabei war die Auslastung im Winter mit 628287 Gästen und im Sommerhalbjahr mit 610612 Gästen ausgeglichen, wie die Titlis-Bahnen mitteilen. Die Bereiche Schneesport und Einzelreisende konnten wiederum zulegen, der Bereich Gruppenreisen war hingegen leicht rückläufig..

Der Schneesport wuchs am meisten, nämlich um 2,32 Prozent, und dies «trotz extremer Wetterbedingungen». Obwohl der erste richtige Schnee erst Anfang Januar 2019 fiel, konnte die Piste Stand-Trübsee bereits am 24. November 2018 eröffnet werden. Dies und das gute Wetter während des gesamten Winters hätten zu dem Plus geführt.

Harte Preispolitik trotz preissensitiver Chinesen

Die Zahl der Einzelreisenden nahm insgesamt um 1,2 Prozent zu. Dies gegenüber einer Zunahme in der Vorjahresperiode von über 14 Prozent. Dabei handle es sich nicht um eine Trendabflachung, sondern um eine normale Schwankung, sagt Norbert Patt, CEO der Titlis-Bahnen, auf Anfrage. «Der Sommer 2019 war vom Wetter her nicht so gut wie der im Vorjahr. Wichtig ist, dass der Langfristtrend nach oben zeigt, und das tut er.»

Die Zahl der Gruppenreisenden sank dagegen um 2,2 Prozent, gegenüber einem Plus von 3 Prozent im vorangegangenen Geschäftsjahr. Sie liege aber mit 2,9 Prozent über dem 5-JahresDurchschnitt und damit «weiterhin auf sehr hohem Niveau», wie die Bahnen schreiben. Während bei den indischen Gästen kontinuierliches Wachstum verzeichnet wird, seien die chinesischen Gäste weiterhin preissensitiv. «Wir fahren eine harte Preispolitik, daher sind die Gäste aus dem chinesischen Markt seit Jahren rückläufig», sagt Patt. Der Konkurrenzkampf mit Tiefpreisangeboten der verschiedenen Anbieter in der Schweiz spiele eine immer grössere Rolle. «Aber wir wollen die Gäste nicht gratis auf den Titlis bringen.»

Trotzdem kaufen chinesische Reisende insgesamt etwas mehr als 10 Prozent aller Ersteintritte bei den Titlis-Bahnen. Wie sich das chinesische Reiseverbot aufgrund des Coronavirus auf das Geschäft auswirken werde, sei schwer abzuschätzen, so Patt (siehe auch Ausgabe vom 28. Januar). Februar und März sind keine traditionellen Reisemonate in China. «Sollte sich die Situation auf andere Überseemärkte ausdehnen und länger als die Wintersaison dauern, müssten wir mit grösseren Einbussen rechnen», schreibt das Unternehmen.

2020 wird das Jahr der Bewilligungen

Insgesamt rechnen die Titlis-­Bahnen aber «trotz kompetitiver Märkte mit weiteren guten Monaten». Die Zahlen der Wintersaison sehen vielversprechend aus: Von Anfang November bis Ende Januar liegen die Ersteintritte 7,7 Prozent über denen des Vorjahres und 12,4 Prozent über dem 5-Jahresdurchschnitt.

Die Planungsarbeiten des Grossprojektes Titlis 3020 mit der neuen Bergstation, der zweiten Seilbahnlinie und dem Turm der Stararchitekten Herzog & de Meuron seien weit fortgeschritten. 2020 stehe dabei ganz im Zeichen der Bewilligungen. Parallel haben die Anpassungen des kantonalen Richtplans, die Nutzungsplanungen in den Engelberg und Wolfenschiessen, die Verlegung der Kantonsgrenze zwischen Bern und Obwalden, sowie die Baubewilligungen zu erfolgen.

Zweitbestes Ergebnis der Firmengeschichte

(fhe) Beim Gewinn kamen die Titlis-Bahnen im Ende Oktober abgelaufenen Geschäftsjahr an den Rekord der Vorjahresperiode nicht heran. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank um 7,8 Prozent auf 30,5 Millionen Franken, der Reingewinn um knapp 24 Prozent auf 13,3 Millionen. Der Betriebsaufwand lag mit 47,1 Millionen Franken um 2,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Durch den späten Wintereinbruch seien die Strom- und Wasserkosten für die technische Beschneiung gestiegen, schreiben die Bahnen. Der viele Schnee Mitte Saison verursachte zudem höhere Räumungskosten. Weiter nahmen die Abschreibungen auf 15,3 Millionen Franken zu (plus 16,5 Prozent), weil namentlich die Kosten für das Projekt Titlis 3020 über eine kurze Dauer abgeschrieben werden.

Und doch erreichten die Titlis-Bahnen das zweitbeste Ergebnis der Firmengeschichte. Der operative Betriebsertrag liegt mit 77,6 Millionen Franken 1,8 Prozent unter dem Spitzen-Vorjahr. Auch der Verkehrsertrag liegt mit 52,9 Millionen geringe 0,7 Prozent hinter dem Rekordvorjahr, dies trotz des neuen Besucherrekords. Wegen Angeboten wie dem Kinderspielplatz hätten Gäste vermehrt Tickets auf den Trübsee gebucht, die billiger sind als Fahrten auf den Titlis, schreiben die Bahnen.

Aktiensplit im Verhältnis fünf zu eins geplant

Der Verwaltungsrat beantragt eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von 9,40 Franken. Mit der stabilen Dividendenpolitik wolle man Zuversicht ausstrahlen, so Patt.

Um die Liquidität der Aktien zu erhöhen, die Handelbarkeit zu erleichtern und das Kursniveau den anderen Aktienkursen anzugleichen, beantragt der Verwaltungsrat einen Aktiensplit im Verhältnis von 1 zu 5. Eine Aktie zu nominal 20 Rappen soll in 5 Aktien zu nominal 4 Rappen gesplittet werden, womit die Zahl ausstehender Aktien auf 3,36 Millionen Titel steigt. 

Titlis Bahnen fahren Rekordzahlen ein

Die Titlis Bergbahnen blicken auf ein äusserst erfolgreiches Geschäftsjahr 2017/18 zurück. Mit 1,24 Millionen Fahrgästen verzeichneten sie einen neuen Besucherrekord und erreichten auch beim Geschäftsergebnis neue Höchstmarken. Gute Voraussetzungen für die Zukunft, für die sich auch der Verwaltungsrat neu aufstellt.
Philipp Unterschütz