Die «Wöschwiiber» am rauschenden Bach in Giswil

Der 19. Schweizer Mühletag am vergangenen Samstag war sehr gut besucht. In der historischen Schlegelsäge im Kleinteil in Giswil gab’s ein zünftiges Fest.

Otto Leuenberger
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Wäscherinnen machten die Waschkultur aus den 1930er-Jahren für alle Besucher erlebbar. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Giswil, 1. Juni 2019)

Wäscherinnen machten die Waschkultur aus den 1930er-Jahren für alle Besucher erlebbar. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Giswil, 1. Juni 2019)

Mühlen verströmen ein besonderes, nostalgisches Flair. Die Zeugen längst vergangener Technik faszinieren. Nur schon die Anfahrt zum Schweizer Mühletag, ab Parkplatz mit Pferdewagen, liess den gewohnten Alltag vergessen. Die wiederaufgebaute, wasserradbetriebene Holzsäge ist ein technisches Kulturzeugnis. Idyllisch am Altibach im Kleinteil gelegen, scheint hier eine vergangene Welt noch lebendig zu sein. Am Schweizer Mühletag, diesem kleinen aber feinen Fest in Giswil, konnten Gross und Klein auch Mühlen in der Märchenwelt begegnen. Die Erzählerin Margrit Vogler Sulzbach liess eintauchen und verzauberte.

Gleich nebenan hat die Heimatkundliche Vereinigung Giswil ein kleines Heimatmuseum eingerichtet. Daraus sind für diesen Tag Wäscherinnen wiederauferstanden. Man ist versucht, deren mühseliger Arbeit etwas Malerisches abzugewinnen. Gerade diesen wohlgelaunten und starken «Wöschwiibern» – es war ja klassische Frauenarbeit – und ihrem Tun zuzuschauen, machte Spass. Wie sie mit angesetzter Lauge aus Buchenasche in Holzzubern, mit Waschbrettern und allerlei kuriosen Waschmaschinen damalige Wäsche wirkungsvoll «traktierten», war aufschlussreich.

Schneiderin, Schmied und auch Schindelimacher

Die Waschfrauen um Maria Schnider können gar auf einen europaweit einzigartigen Gerätefundus zugreifen. Oder da gab es die Hutmacherin, die Schneiderin, das Klöppeln. Anschaulich auch die fahrbare Schnapsbrennerei von Alois Rossacher mit seinen Fruchtbränden, oder die Treschterstöcklipresse zur Verarbeitung von Treschterresten, die für das Heizen verwendet werden können. Der Schmied Ueli Zahner mit seinen «Eisen im Feuer» und den Kindern, die unerschrocken auf glühenden Stahl hämmerten. Die Schindelimacher, oder der Dinkelbohrer beim Aufbohren von Holzrohren aus ganzen Baumstämmen – natürlich von blosser Hand. Man konnte Handwerkern über die Schultern gucken und interessante und wunderliche Einblicke in gar nicht so ferne, vergangene Zeiten erhaschen. Und zu guter Letzt konnte man in der Beiz eigens gebrautes Bier kosten, Cheli trinken, sich mit Sagiwurst und Lebkuchen verwöhnen.

Ein reicher Tag voll lebendiger Alltagsgeschichte, mit ihren traditionellen Kulturtechniken, Fertigkeiten und altem Wissen. Generationen unserer Vorfahren wurden durch diese geprägt und sie ist es wert, nicht vergessen zu werden. Das war und ist der Mühletag.

Website der Heimatkundlichen Vereinigung Giswil: www.hvgiswil.ch oder www.giswil-tourismus.ch