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Die Zauneidechse braucht Hilfe – auch in Nidwalden und Obwalden

Die einheimische Zauneidechse steht auf der Liste bedrohter Tierarten. Damit sie überlebt, hat die Albert Koechlin Stiftung ein Artenförderungsprojekt lanciert. Langfristig soll das Tier seinen Lebensraum zurück erhalten.
Romano Cuonz
Ein Zauneidechsen-Männchen besticht durch seine hellgrüne Farbe. (Bild: Romano Cuonz (Ettiswil, 25. April 2018))

Ein Zauneidechsen-Männchen besticht durch seine hellgrüne Farbe. (Bild: Romano Cuonz (Ettiswil, 25. April 2018))

Der wissenschaftliche Name der Zauneidechse «Lacerta agilis» lässt vermuten, dass dieses Tier agil und damit auch anpassungsfähig sei. Doch der Schein trügt. Die Zauneidechse, die seit der Eiszeit bei uns heimisch ist, kommt mit stark veränderten Lebensbedingungen in unserer modernen Kulturlandschaft nicht mehr zurecht. Wie viele Reptilien leidet das Tier, das einst auch in der Innerschweiz weit verbreitet war, unter dem Verlust seiner Lebensräume.

Der Nidwaldner Fachmann Andreas Meyer von der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Karch) stellt fest: «Regional ist die Zauneidechse bereits selten geworden, da und dort sogar verschwunden.» Damit ihre Bestände nicht weiter sinken, benötigt das Tier dringend unseren Schutz und unsere Hilfe. Genau hier setzt nun die Albert Koechlin Stiftung an. «Wir fördern dieses Tier mit einem langfristigen Vorhaben», sagt Projektleiter Philipp Christen. «Dies, indem wir in 13 Gebieten der Innerschweiz Lebensräume, die heute noch bestehen, erhalten, erweitern und besser miteinander vernetzen.»

Die Bevölkerung wird um Hilfe gebeten

Wer immer der Zauneidechse im Frühjahr begegnet, ist fasziniert: Vor allem das Männchen besticht in der Paarungszeit durch seine hellgrüne Farbe. Als ganz besonderes Merkmal, besitzt es, die auffällig dunkle «Augenflecken» mit den weissen Tupfen. Etwas unscheinbarer, mit einer braunen Tarnfarbe, erscheint das Weibchen. Mit seinem kräftigen Körper, den kurzen Beinen und dem grossen Kopf erinnern die Tiere fast ein wenig an Dinosaurier im Miniformat! Zu den wichtigsten Feinden der Zauneidechse zählen nebst Marder, Fuchs, Dachs und Schlingnatter vor allem auch unsere Hauskatzen. Jungtieren wird auch die flinkere und kletterfreudige Mauereidechse gefährlich. Sie ist als «Fremdling» mit Transporten aus dem Süden bei uns eingewandert. Nun dezimiert, ja verdrängt sie die Zauneidechse zusehends in ihrem angestammten Lebensraum.

Die Albert Koechlin Stiftung bittet auf der Webseite www.zauneidechse.ch die breite Bevölkerung in Luzern, Nidwalden, Obwalden, Uri und Schwyz um Mithilfe. «Personen, die Zauneidechsen antreffen, mögen ihre Beobachtungen mit Ort und Datum – und wenn möglich einem Foto – melden», sagt Projektleiter Philipp Christen. Damit könnten Standorte erfasst und Daten gesammelt werden. «Dies erlaubt uns, noch gezieltere und wirkungsvollere Massnahmen zu treffen», hofft Christen.

Massnahmen sind erfolgreich angelaufen

Doch wer soll solche Massnahmen umsetzen? Und wie? Die Fachleute Andreas Meyer und Thomas Röösli haben eine Fachbroschüre als Praxishilfe verfasst. Diese zeigt auf, wie vorzugehen ist, wenn man für die Zauneidechse Lebensräume verbessern oder schaffen will. Direkt angesprochen werden damit Landwirte, Naturschützer, Waldeigentümer, aber auch Privatgartenbesitzer.

Die Vorschläge gehen von einfachen Ast- Stein- oder Wurzelstocksandhaufen bis hin zu aufwendigen Arbeiten zur Schaffung neuer oder der Vernetzung bekannter Lebensräume. Die Mitarbeit ist stets freiwillig. Teilnehmer können aber mit angemessenen Entschädigungen rechnen. «Bis zum Projektende 2022 steht ein siebenstelliger Betrag zur Verfügung», verspricht Projektleiter Philipp Christen. Vollumfänglich vergütet werden die Kosten jedoch nicht. Es braucht also auch Idealismus.

Die Fördermassnahmen für die Zauneidechse sind inzwischen von Freienbach bis Silenen und von Giswil bis Reiden erfolgreich angelaufen. Der Stanser Betriebsförster Ueli Barmettler etwa sagt: «Wir sorgen mit gezielt gesetzten Asthaufen dafür, dass die Zauneidechse sich vom Naturschutzgebiet Gnappiried her am Fusse des Bürgenbergs ausbreiten kann.» Landwirt Pius Roth aus Egolzwil hat am Ronbach 400 Sträucher gepflanzt. Sein Kommentar: «Wir Bauern leben von und mit der Natur, deshalb sollten wir ihr immer auch wieder etwas zurückgeben.» Und Eugen Wechsler, früherer Lehrer aus Gettnau, der mit Schülern in privaten Gärten unentgeltlich Biotope für die Zauneidechse baut, hält fest: «Wenn Kinder viel über die Natur wissen und Zusammenhänge erkennen, beginnen sie auch, sie zu lieben.»

Die Broschüre «Zauneidechsen – Ein Artenförderprojekt in der Innerschweiz» der Albert Koechlin Stiftung (Konzept und Inhalte von Romano Cuonz) wird als Beilage der «Zentralschweiz am Sonntag» vom 9. September verschickt. Die ausführliche Praxishilfe «Fördermassnahmen Zauneidechse» kann unter www.zauneidechse.ch kostenlos bezogen werden.

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