Drogenhändler im grössten Obwaldner Drogenfall kassiert lange Gefängnisstrafe

Zwei Männer haben in Obwalden kiloweise Drogen umgesetzt. Einer muss sechs Jahre hinter Gitter, der andere wehrt sich vor Obergericht.

Franziska Herger
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Die Beschuldigten sollen Kokain aus Holland erhalten und gestreckt haben.

Die Beschuldigten sollen Kokain aus Holland erhalten und gestreckt haben.

Symbolbild: Manuela Jans-Koch

Sie sind die Beschuldigten im grössten Drogenfall, den Obwalden je gesehen hat. Ein damals 33-jähriger Albaner, wohnhaft in Kerns, soll laut Anklage 2016 ein halbes Kilo Heroin und mindestens 5,75 Kilo Kokain von einem Drogenlieferanten aus Holland entgegengenommen und zum Verkauf weitergegeben haben. Dazwischen soll ein damals 27-jähriger Kosovare das Kokain in seinem Keller in Alpnach gestreckt, portioniert und abgepackt haben. Im Herbst standen sie vor Kantonsgericht (wir berichteten).

Bisher hatte sich das Deliktsgut in Obwaldner Drogenfällen stets deutlich unter einem halben Kilogramm bewegt. Die von der Staatsanwaltschaft beantragten Strafen waren hoch: Wegen mehrfacher qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und diverser untergeordneter Delikte sollte der Albaner ganze sieben Jahre ins Gefängnis, der Kosovare sechs Jahre.

Ganz so lange müssen sie nun nicht hinter Gitter, wie ein Blick in die begründeten Urteile des Kantonsgerichts zeigt. Doch das Gericht ist zumindest bei dem Albaner nicht weit von der Anklage abgewichen. Er wurde zu sechs Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt sowie – unter anderem – zur Bezahlung von über 41'000 Franken Verfahrenskosten.

Lange Verfahrensdauer von Verteidigung bemängelt

Sein amtlicher Verteidiger hatte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren beantragt. Unter anderem argumentierte er, die Anklage sei ungenügend hinsichtlich des Vorwurfs, der Beschuldigte habe mit seinem Auto Drogen befördert respektive mit dem Auto seines Freundes aus Alpnach solche befördern lassen. Dass sowohl im Auto des Albaners als auch des Kosovaren Spuren von Kokain und Heroin festgestellt wurden, könne auch darauf zurückzuführen sein, dass der Albaner selber Drogen konsumiert habe, wie dieser zugab.

Das lässt das Kantonsgericht nicht gelten. «Es ist höchst unwahrscheinlich, dass der Beschuldigte etwa im Kofferraum oder in der Reserveradmulde Kokain konsumiert hätte», schreibt es. Das Verfahren wegen Konsums von Kokain und Marihuana wurde dagegen wegen Verjährung eingestellt. Der Verteidiger machte zudem eine Strafmilderung geltend, weil das Verfahren, das am 2. Juni 2016 begann, zu lange gedauert habe. Die langen Phasen ohne irgendeine Handlung der Behörden seien für den Beschuldigten sehr belastend gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen, es habe sich um eine umfangreiche Untersuchung mit rund 40 Einvernahmen gehandelt. Die Dauer des Verfahrens sei angesichts der «verwobenen, internationalen Bandenverhältnisse» nicht zu beanstanden, hält auch das Gericht fest.

Der Kosovare ist zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden, statt der von der Staatsanwaltschaft beantragten sechs Jahre. Er hat Verfahrenskosten von über 55'000 Franken zu bezahlen. Seine Strafverteidigerin argumentierte, der Beschuldigte sei lediglich als Gehilfe zu betrachten. Zudem könne nicht bewiesen werden, dass er an der Verarbeitung der Drogen in seinem Keller beteiligt gewesen sei. Sie beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Für den Fall, dass das Gericht von einer Täter-, statt einer Gehilfenschaft ausginge, beantragte sie eine teilbedingte Gefängnisstrafe von 30 Monaten, wovon der Beschuldigte ein Jahr abzusitzen hätte.

Zweimal Freispruch wegen Verfahrensfehlern

Das Gericht sah das anders. Die in seinem Keller in Alpnach sichergestellten Gegenstände – kleine Plastikbeutel, Präzisionswaage, Milchzucker – wiesen auf die Verarbeitung und Portionierung von Drogen durch den Beschuldigten hin, schreibt es. Zudem bestreite er selber, seinem Freund aus Kerns den Keller für solche Aktivitäten zur Verfügung gestellt zu haben. Er habe selber Drogen befördert und in seinem Keller gestreckt, wodurch er als Täter und nicht bloss als Gehilfe einzustufen sei.

Auch hier machte die Verteidigung eine Strafminderung wegen des langen Verfahrens geltend, die vom Gericht mit gleicher Begründung abgelehnt wurde. Freigesprochen wurde der Beschuldigte jedoch von zwei anderen Anklagepunkten, nämlich der Hehlerei sowie vom Vorwurf, 2015 in Luzern von einer Rumänin 26 Gramm reines Kokain gekauft und einem anderen verschafft zu haben. Grund für die Freisprüche waren Verfahrensfehler.

Das Urteil gegen den Albaner ist rechtskräftig geworden. Somit muss er für über sechs Jahre hinter Gitter, wobei er sich bereits seit Anfang 2017 im vorzeitigen Strafvollzug befindet. Diese Zeit, zuzüglich 218 Tagen Untersuchungshaft, wird ihm angerechnet. Der Kosovare dagegen hat sein Urteil weitergezogen. Der Fall ist vor Obergericht hängig.