Giswil und Kerns treten zum Jass-Duell an

Sie senken den Altersschnitt ihrer Teams, jeder kämpft für sein Dorf: Andrin Kiser (12) aus Giswil und Janik Ettlin (14) aus Kerns. Unter anderem von ihnen hängt ab, ob der «Donnschtig-Jass» am 11. Juli in Giswil oder auf der Melchsee-Frutt ausgetragen wird.

Marion Wannemacher
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Andrin Kiser (links) aus Giswil und Janik Ettlin aus Kern proben schon mal für den Wettkampf. (Bild: Marion Wannemacher, Giswil, 26. Juni 2019)

Andrin Kiser (links) aus Giswil und Janik Ettlin aus Kern proben schon mal für den Wettkampf. (Bild: Marion Wannemacher, Giswil, 26. Juni 2019)

Höflich geben sich die beiden Jugendlichen die Hand. Getroffen haben sie sich bereits zweimal, als ihre Jass-Teams gegeneinander angetreten sind. «Als die Giswiler in Kerns waren, siegten sie, als wir Kernser in Giswil waren wir», erzählt Janik Ettlin. Bald wird sich das Duell der Jass-Mannschaften aus beiden Obwaldner Dörfern wiederholen – allerdings vor laufender Kamera. Am 4. Juli sitzen sich in Thun in der SRF-Sendung «Donnschtig-Jass» je vier Jasserinnen und Jasser aus Giswil und Kern gegenüber. Es geht darum, die Austragung der Sendung vom 11. Juli ins Dorf zu holen.

Die jüngsten Teilnehmer in den jeweiligen Mannschaften sind der 14-jährige Janik aus Kerns und der 12-jährige Andrin aus Giswil. Im Spiel werden die Beiden allerdings nicht aufeinandertreffen. «Wir haben damals nicht gegeneinander gespielt und sind auch für Thun in andere Gruppen eingeteilt.»

Grosse und kleine Konkurrenz bewältigt

Die Nachwuchsspieler jassten zuerst in ihrer Schule zur Probe und später im Qualifikationsturnier gegen Erwachsene. Das Spiel mit den Älteren fiel Janik nicht schwer: «Daheim spiele ich ohnehin mit Eltern, Götti und Gotti», erzählt er. Bereits sieben Jahre Spielerfahrung hat der junge Jasser und dabei vor allem eins gelernt: «alles zählen – besonders die Trümpfe», sagt er.

Mit «Schieber» oder «Bodentrumpf» hat der Giswiler Andrin Kiser in der ersten Klasse angefangen. Das Fachsimpeln mit seinem Vater über die «Samschtig-Jass»-Sendungen mit dem komplizierteren Differenzler hat ihn durch seine Kindheit begleitet. Den Differenzler spielte er später auch im Lager oder mit Grossvater, Vater und Bruder. Spannend am bevorstehenden Jass-Duell in Thun findet der Giswiler, «dass wir einen Partner haben und nicht allein spielen.» Er mag den Differenzler-Jass vor allem, «weil es nicht darauf ankommt, was für Karten man hat».

Beide Nachwuchs-Jasser trainieren vor allem mit ihrer Jass-App auf dem Smartphone. Von sich selbst als Spieler hat jeder eine klare Einschätzung. «Ich spiele vom Typ her eher auf sicher, lieber nicht zu riskant», sagt Janik Ettlin. «Meine grösste Schwäche: Ich sage häufiger zu wenig an. Darauf möchte ich in Thun achten.»

Herausforderungen vor der laufenden Kamera

Andrin Kiser sagt über sich: «Beim Jassen gibt es solche, die immer was drauflegen, die voll defensiv spielen, die viel zu viel ansagen oder perfekt ansagen. Ich spiele zwischen ‹gut› und ‹defensiv›». Er lasse sich Zeit beim Aufschreiben, wie viel Punkte er machen werde. «Für Thun nehme ich mir natürlich vor, möglichst wenig Differenzpunkte zu machen und nicht blöde Fehler, die man sonst nicht machen würde. Mein Ziel ist es, dass Giswil gewinnt und wir alle Freude haben», sagt er mit Augenzwinkern.

Wie das wohl vor Ort ist, wenn die Kamera auf einen gerichtet ist? «Vielleicht kommt man ins Stottern», überlegt Andrin. «Wenn’s heiss wär, wäre es vielleicht nicht so angenehm», glaubt Janik. «Und man muss natürlich in die richtige Kamera schauen», weiss der Giswiler Jass-Nachwuchsspieler. Einige Regeln sind bereits beiden bewusst: «Ein Ass nicht abstechen, wenn es Trumpf ist», so Andrin. «Und wenn die Karte in der Kamera zu sehen ist, gilt sie als gelegt» ergänzt Janik. Beinahe wäre er nicht dabei gewesen, weil sein Mail mit der Bewerbung bei der Organisation hängen blieb. Um ihm die Teilnahme doch zu ermöglichen, trat eine andere Person zurück. Eine Prognose, wer wohl gewinnt, mag von beiden keiner so recht abgeben. «Es wird ziemlich knapp ausgehen», schätzt Janik. Der Kampfgeist ist da. «Ich wünsche mir sehr, dass wir es schaffen», sagt der Kernser.

Hoffnungen beider Gemeinden sind gross

Darauf hofft natürlich jede Gemeinde. «Die Vorbereitungen mussten wir treffen, ob der ‹Donnschtig-Jass’ nun in Giswil ausgetragen wird, oder nicht», erzählt der Giswiler Gemeindeschreiber Marco Rohrer. «An die 150 Helfer mussten pro Gemeinde rekrutiert, die Festwirtschaft ab Mittag organisiert, der Platz reserviert werden.

Fast lesen sich die Texte über beide Dörfer wie touristische Werbebotschaften: «Eingebettet in die wunderschöne Grossteiler Ebene mit Blick auf die eindrückliche Obwaldner Bergwelt und den Sarnersee bietet der Vorplatz der Kirche Grossteil den richtigen Rahmen für ein gelungenes Fest», schreibt Rohrer. Und über Kerns sagt Gemeindeschreiber Roland Bösch: «Sollte Kerns gewinnen, würde auf der Melchsee-Frutt auf über 1900 Meter über Meer die höchst gelegene ‹Donnschtig-Jass›-Sendung in der über 30-jährigen Geschichte stattfinden.» So oder so, der «Donnschtig-Jass» kommt nach Obwalden.

Hinweis: Die Sendung Donnschtig-Jass wird am 4. Juli von Thun aus übertragen. Ab 20.05 Uhr auf SRF.