Dürre bereitete Obwaldner und Nidwaldner Bauern auch früher Sorge

Die Trockenperiode dieses Sommers lässt Erinnerungen an Trockenperioden im letzten Jahrhundert wach werden. Auch damals mussten Wege gesucht werden, um die Schäden in Grenzen zu halten

Paul Küchler
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Ein Apfelbaum mit zum Teil bereits verfärbten Blättern und abgestorbenen, verfaulten Früchten: Nicht nur in diesem Sommer hatte die Landwirtschaft mit der Trockenheit zu kämpfen. (Bild: Paul Küchler (Sarnen, 13. August 2018))

Ein Apfelbaum mit zum Teil bereits verfärbten Blättern und abgestorbenen, verfaulten Früchten: Nicht nur in diesem Sommer hatte die Landwirtschaft mit der Trockenheit zu kämpfen. (Bild: Paul Küchler (Sarnen, 13. August 2018))

Die Trockenperiode dieses Sommers bereitet den Bauern Sorgen. Sommer mit deutlich zu wenig Regen gab es auch im vergangenen Jahrhundert wiederholt. Zweimal kurz nacheinander, nämlich in den Jahren 1947 und 1949, musste man sich mit Dürreschäden auseinandersetzen. Vielerorts mussten die Bauern damals bereits im Sommer Heu an ihr Vieh verfüttern oder früher von den Alpen zurückkehren, weil das Gras wegen der Trockenheit nicht mehr wachsen konnte. Berichten im «Obwaldner Volksfreund» zufolge wurden die beiden Kantone Obwalden und Nidwalden von der Trockenheit allerdings nicht so stark betroffen, weil es ab und zu in den Bergen ein starkes Gewitter gab.

In Obwalden haben im August 1947 Gemeinde- und Kantonsvertreter sogar erwogen, in die von der Dürre hart betroffenen Gebiete der Kantone Luzern, Aargau und Basel Heu zu verkaufen. Man sah dann aber davon ab, weil man auch für Obwalden Folgen der Dürre befürchtete.

Futternot zeichnete sich ab

Im gleichen Monat stellte das Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement fest, dass sich die Anzeichen einer bedenklichen Futternot mehren würden. Weil nur beschränkte Importmöglichkeiten für Heu und Kraftfutter bestünden, sei die ernste Sorge für die ausreichende Ernährung der Viehbestände im kommenden Winter berechtigt, hiess es. Und in der Lokalpresse war zu lesen, dass bei den Fischbeständen mit Schäden von mehreren Millionen gerechnet werden müsse, weil viele Bäche kein Wasser mehr geführt hätten.

Nachdem es im Jahre 1948 in den Monaten Juli und August zu viel Regen gegeben hatte, brachte das Jahr 1949 erneut eine Dürreperiode. Dazu war im «Obwaldner Volksfreund» zu lesen, dass in jenem Jahr die längste regenlose Zeit seit 170 Jahren registriert worden sei. Und kurz darauf schrieb jemand in der gleichen Zeitung: «Die Meteorologen mögen uns Auskunft geben, ob wir uns tatsächlich auf einen Klimawechsel einzurichten haben.»

Das Jahr 1949 mit der gebietsweisen grossen Dürre hatte für die Bauern katastrophale Auswirkungen. Allerdings gab es auch da Ausnahmen. Der Nidwaldner Thadä Waser, der in Stans aufgewachsen ist und bis vor wenigen Jahren selber im Kanton Baselland einen Landwirtschaftsbetrieb führte, kann sich noch gut an das Jahr 1949 erinnern. «Damals haben mehrere Nidwaldner Bauern von auswärtigen Berufskollegen in Dürregebieten Vieh zur Fütterung oder zur Sömmerung auf die Alpen genommen», sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

1976 herrschte erneut grosse Trockenheit

Im Jahre 1976 gab es ab etwa Mitte Juni keinen Regen mehr und die Trockenheit dauerte viele Wochen an. Aufgrund der von Tag zu Tag schlimmer werdenden Auswirkungen befasste sich ein Krisenstab des Schweizerischen Bauernverbandes mit Massnahmen. Er forderte einen Einfuhrstopp von Fleisch und er rief die Produzenten von Schlachtvieh zu vermehrter Disziplin auf.

Einen Aufruf zur Solidarität erliess der damalige Obwaldner Landwirtschaftsdirektor Beat Amgarten in einem Zeitungsartikel. Er wünschte sich, dass der Geist der Hilfsbereitschaft und der Zusammengehörigkeit nicht nur am 1. August und nicht nur in Zeiten der Not zum Ausdruck käme.

Hilfe gab es in den von der Trockenheit geplagten Gebieten von verschiedenen Stellen. In Giswil hatten einige Bauern Wasserpumpen des Zivilschutzes für die Bodenbewässerung eingesetzt. Das Bewässern von Wiesland war jedoch mit einigen Umtrieben verbunden. Der ehemalige Landwirtschaftslehrer Erwin Müller sagt dazu: «Zum Einsetzen von Wasserpumpen brauchte es eine Bewilligung und es musste abgeklärt werden, aus welchem Gewässer Wasser entnommen konnte.» Glücklicherweise setzte bald intensiver Regen ein, sodass auf die Pumpen kurz nach dem Beginn des Einsatzes wieder verzichtet werden konnte. Und wie man sich erinnert, gab es damals aus dem aufgewärmten Boden einen starken Graswuchs, der dann einiges vergessen liess.