Vor Schulhaus-Abriss: Ehemalige Sachsler Türli-Schüler schwelgen in Erinnerungen

Im Schulhaus in Sachseln sind viele ältere Einwohner zum letzten Tag der offenen Tür gekommen. Bald wird der Bau abgerissen.

Marion Wannemacher
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Am Tag der offenen Tür werden Erinnerungen wach. Von links: Praxedis Blank, Peter Rohrer, Monika Amstutz und Sepp Omlin.

Am Tag der offenen Tür werden Erinnerungen wach. Von links: Praxedis Blank, Peter Rohrer, Monika Amstutz und Sepp Omlin.

Bild: Marion Wannemacher, Sachseln, 5. Februar 2020

Jonas Enz und Elia Egger aus der Klasse 3a führen am eigentlich schulfreien Mittwochnachmittag durchs Schulhaus Türli. Ihre Führung startet vor dem Singsaal. Der ist heute umfunktioniert zum Café. An rot eingedeckten Tischen gibt es Kaffee und Kuchen. Melk Staub verkauft selbst gemachte Muffins, Marmorkuchen und Brownies. Die Nachfrage ist gross, er hat alle Hände voll zu tun. Seine Klassenkollegin Fiona Bucher bedient die Gäste mit Kaffee.

Dekoriert haben die Schüler auch selber. Von der Decke hängen Girlanden aus buntem Tonpapier. Auf den Tischen liegen handgeschriebene Menukarten. Der Andrang ist gross. Viele ältere Sachsler kommen noch einmal in ihr ehemaliges Schulhaus, bevor es im Sommer abgerissen wird.

«Es war uns ein Anliegen, dass die Bevölkerung sich von ihrem Schulhaus verabschieden kann», erklärt Prorektorin Monika Amstutz. Man habe den heutigen Schulbesuchstag genutzt, der sich sonst an die Familien der Schüler richtet, und zum Tag der offenen Tür Besucher eingeladen. «Es hatte schon am Morgen deutlich mehr Besucher als sonst an einem Schulbesuchstag», freut sich Monika Amstutz.

Graffiti, Handabdrücke und Verse an den Wänden

Durch den bevorstehenden Abriss hatten die Schüler wesentlich mehr Freiheiten als sonst: Handabdrücke, Graffiti und Gedichte in japanischer Versform zieren die Wände. Die Möglichkeiten haben inspiriert. Am Morgen habe ein Vater mit seinem Kind mit Fingerfarbe ein Fenster bemalt. Schüler haben mit Schuhschachteln eine Kugelbahn gebaut.

Ein von Schülern gestalteter Flyer fasst die Geschichte des Schulhauses zusammen, in den Gängen hängen historische Bilder von der Einweihung von 1958 und von Ehemaligen. Sepp Omlin hat die Gelegenheit genutzt und besucht seine alte Schule. «Ein bisschen Wehmut empfinde ich schon», erzählt der 74-Jährige.

«Das Türli war ein schönes, gutes und zweckmässiges Schulhaus.»

Er mag sich noch erinnern, wie sich die Leute damals über die Baukosten entrüstet hätten: «Was, das kostet eine Million!» Omlin ging die meisten Jahre seiner Schulzeit ins alte Gemeindehaus und kam als Sechstklässler in den Genuss des Neubaus. Damals habe man noch mit Tinte geschrieben. «Unser Lehrer Paul Weber hat die Fässchen selber gefüllt und war sehr darauf bedacht, dass nur ja kein Tropfen auf die neuen Pulte geriet.» Die Sekundarstufe besuchte er dann in Sarnen, in Sachseln gab es damals keine. Heute arbeitet seine Tochter Simone Omlin als Lehrerin im Türli.

Margrit Liesch erinnert sich noch gern an ihre Zeit als Lehrerin. Sie fing 1976 als Primarlehrerin in Sachseln an. «Damals musste man noch kündigen, wenn man schwanger war», erzählt sie. Nach der Mutterschaftszeit unterrichtete sie Flöte und Deutsch als Zweitsprache. 2016 wurde sie pensioniert.

Immer wieder trifft Sepp Omlin alte Bekannte im Schulhaus. Mit Klassenkollegin Elisabeth aus der Primarschulzeit identifiziert er die alten Kameraden auf dem Foto seiner ehemaligen sechsten Klasse.

Für die Lehrer von heute heisst es bald einpacken, am neuen Ort wieder ausräumen, einrichten, ankommen. In der Woche von Fronleichnam haben die Schüler von Montag bis Freitag unterrichtsfrei. Danach geht der Unterricht im neuen Domizil direkt weiter.

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