Kolumne

Ein Dankeschön an Herrn O. aus Ennetbürgen

Chefreporter Adrian Venetz hat am Samstagmorgen ein E-Mail bekommen, das ihn für einen kleinen Augenblick richtig glücklich gemacht hat.

Adrian Venetz
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Lieber Herr O. aus Ennetbürgen

Wir kennen uns nicht. Und trotzdem widme ich Ihnen diese Zeilen. Wie kommt das? Es ist Samstagmorgen, ich sitze mit einem Kaffee auf dem Balkon und werfe kurz einen Blick auf die E-Mails im Posteingang unserer Zeitung. Einige Leserbriefe sind eingegangen, einige Absagen von Anlässen wegen des Corona-Virus. Nichts Weltbewegendes. Was wir Journalisten in der heutigen Zeit leider auch gewohnt sind: Kündigungen von Abonnements. Weil die Leser nicht mehr bereit sind, für Journalismus zu bezahlen – schliesslich gibt es genügend News gratis. Und eine gedruckte Zeitung hat halt ihren Preis.

Schweren Herzens leiten wir dann solche E-Mails an den Abodienst weiter und wünschen uns, das E-Mail wäre direkt an die richtige Adresse gegangen und nicht bei der Redaktion gelandet. «Wieder ein Abo weniger», denken wir, und versuchen die Kündigung möglichst schnell zu vergessen, um den Mut nicht zu verlieren. Und die Motivation, weiterhin für unsere Zeitung zu kämpfen. Als ich vor 23 Jahren erstmals auf der Redaktion dieser Zeitung arbeitete, waren Abokündigungen nicht der Rede wert. Auch Abobestellungen waren an der Tagesordnung. Mal ein paar Abos mehr, mal ein paar Abos weniger – völlig normal. Heute ist das nicht mehr so.

Und hier, lieber Herr O. aus Ennetbürgen, kommen eben Sie ins Spiel. An besagtem Samstagmorgen sah ich Ihr E-Mail im Posteingang. Kurz und knapp schrieben Sie: «Ich möchte gern die Nidwaldner Zeitung für 5 Monate abonnieren.» Sofort habe ich ein Foto Ihres E-Mails per Whatsapp an meine Arbeitskollegin Franziska Herger geschickt, mit einem grossen Smiley nebendran. «Ich weiss, hatte auch Freude!», antwortete sie einige Sekunden später.

Ihr Abo, Herr O., hat zwar nur einen winzigen Einfluss auf die Zukunft unserer Zeitung. Es müssten Hunderte mehr sein, damit sich dies im Jahresergebnis niederschlägt. Aber Ihre Nachricht hat uns für einen kleinen Augenblick richtig glücklich gemacht. Hätten Sie sich das vorstellen können? Wir haben Ihr E-Mail an den Abodienst weitergeleitet. Und wir sagen danke, Herr O.