Ein grosses Auto ist vielen Ob- und Nidwaldnern wichtiger als eine kleine Steuer

Wer energieeffiziente Autos fährt, erhält Steuerrabatt. Die Voraussetzungen dafür werden jedoch laufend angepasst.

Sandra Peter
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Energieeffiziente Autos sind in Ob- und Nidwalden nach wie vor in der Minderheit. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Energieeffiziente Autos sind in Ob- und Nidwalden nach wie vor in der Minderheit. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

In Obwalden treten per Januar 2020 neue Bestimmungen für die Motorfahrzeugsteuern in Kraft. Wer ein energieeffizientes Fahrzeug fährt, profitiert nicht mehr so lange und nicht in so hohem Ausmass von einem Steuerrabatt wie bisher. Bisher waren Fahrzeuge, die zum Zeitpunkt der ersten Inverkehrsetzung der besten Effizienzkategorie (A) angehörten für vier Jahre zu 100 Prozent steuerbefreit, jene der zweitbesten Effizienzkategorie (B) für drei Jahre. Ab 2020 erhalten Fahrzeuge der Kategorie A zwei Jahre 50 Prozent Steuerrabatt, jene der Kategorie B zwei Jahre 25 Prozent. Gewerbliche Motorkarren, Arbeitsmaschinen und landwirtschaftliche Fahrzeuge mit Dieselmotor mit Partikelfilter sind anstelle wie bisher für drei Jahre komplett, noch für zwei Jahre zu 25 Prozent steuerbefreit.

Mehr Autos bringen mehr Steuereinnahmen

Der Wechsel spült dem Kanton gemäss Finanzplan einmalig rund 200'000 Franken in die Haushaltskasse. «Die Entlastungen waren vor den Änderungen, die 2020 in Kraft treten, grösser. Wegen dieses Wechsels werden einige Fahrzeuge nun früher steuerpflichtig als bisher. Die weiteren Mehreinnahmen von 235'000 Franken sind auf die Zunahme des Fahrzeugbestandes zurückzuführen», sagt Daniel Odermatt, Leiter Finanzverwaltung des Kantons Obwalden. Im Kanton Obwalden waren 2018 gemäss Geschäftsbericht des Verkehrssicherheitszentrums total 37'393 Fahrzeuge zugelassen. Von den neu eingelösten 1822 Fahrzeugen waren 156 mit Effizienzkategorie A oder B von den Motorfahrzeugsteuern befreit, also weniger als 9 Prozent. Etwa 3,5 Prozent, exakt 65, waren Fahrzeuge mit Dieselmotoren mit Partikelfilter und ebenfalls steuerbefreit.

Für die Jahre 2021 bis 2023 rechnet der Kanton Obwalden weiterhin mit 170'000 bis 180'000 Franken höheren Einnahmen aus Motorfahrzeugsteuern als noch 2019 – trotz Vergünstigungen für energieeffiziente Autos. Daniel Odermatt, Leiter Finanzverwaltung des Kantons Obwalden erklärt: «Wir gehen anhand der Entwicklung in den letzten Jahren davon aus, dass der Fahrzeugbestand auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird». Gemäss Finanzplan beträgt der Zuwachs rund 1,5 Prozent pro Jahr.

Malussystem sorgt für weitere Einnahmen

Zu den höheren Einnahmen trägt ein weiterer Umstand bei: In Obwalden gibt es nicht nur ein Bonus-, sondern auch ein Malus-System. Bei Personenwagen der schlechtesten Effizienzkategorie G und jenen ohne Kategorisierung, wird ein Steuerzuschlag von 60 Franken erhoben. «Nicht jeder steigt gleich auf ein energieeffizientes Fahrzeug um», so Odermatt. Dies bestätigen die Zahlen des Verkehrssicherheitszentrums. 2018 betraf der Malus rund die Hälfte der neu eingelösten Fahrzeuge in Obwalden, exakt 906 Stück. Markus Luther, Geschäftsführer des Verkehrssicherheitszentrums (VSZ) OW/NW erklärt: «In die schlechteste Effizienzkategorie fallen die derzeit beliebten SUVs». Die Tendenz sei weiter zunehmend. Die Abkürzung SUV steht für Sport Utility Vehicles und bezeichnet meist eine Kreuzung aus Geländefahrzeug und Personenwagen. Nicht klassiert oder sogenannt leer sind Autos aus dem Direktimport, beispielsweise aus Deutschland. «Sie sind nicht gleich abgaszertifiziert. Sie sind aber nach wie vor gefragt wegen des Eurokurses», so Luther. Und dennoch: «Anteilsmässig wird die Anzahl der Alternativ-Antriebe zukünftig wohl zunehmen.»

Im Gegensatz zu Obwalden kennt Nidwalden kein Malus-System. 2018 betrug der Fahrzeugbestand in Nidwalden 40251 Stück. Neu eingelöst wurden 2717 Fahrzeuge, 1383 davon fielen in die schlechteste Effizienzkategorie oder in die Kategorie «leer». In Nidwalden sind Fahrzeuge der besten Effizienzkategorie A für drei Jahre von der Verkehrssteuer befreit. Im Jahr 2018 zählten 128 der neu eingelösten Fahrzeuge in Nidwalden dazu. Gewerbliche Motorkarren, Arbeitsmaschinen, Arbeitskarren und landwirtschaftliche Fahrzeuge mit Dieselmotoren mit einem geschlossenen Partikelfilter sind ebenfalls für drei Jahre steuerbefreit. 2018 betraf dies 42 Fahrzeuge.

Rasante Entwicklung überrascht Fahrzeughalter

Jährlich fällt gemäss den Bestimmungen des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) nur ein Siebtel aller Neuwagenmodelle in die beste Effizienzkategorie. Die Vorgaben dafür werden deswegen jedes Jahr neu angepasst, je nach Entwicklung des Marktes. Fahrzeuge, die bei der ersten Inverkehrsetzung in der Kategorie A sind, müssen dies nicht zwingend im Folgejahr auch noch sein. Sie erhalten zwar für die gesetzlich vorgegebene Dauer ab der Inverkehrsetzung noch den Steuerrabatt. Kommen in kurzer Zeit aber viele neue und noch effizientere A-Modelle auf den Markt, kann ein Fahrzeug schnell in einer tiefen Kategorie landen. «Ein Modell kann innerhalb von zehn Jahren beispielsweise von der A- in die G-Stufe und somit in Obwalden in die Malus-Kategorie rutschen», erklären die Zuständigen beim VSZ. Dies sei ein bisher wenig bekannter Umstand. «Deswegen laufen nach dem Versand der Steuerrechnung bei uns jeweils die Telefone heiss», so Luther.

Der Kanton Nidwalden weist in seinem Finanzplan nicht detailliert aus, ob er in den kommenden Jahren mit einer Zunahme oder Abnahme der Motorfahrzeugsteuern rechnet. Bis Redaktionsschluss konnten weder die Verantwortlichen beim Finanz- noch beim Justiz- und Sicherheitsdepartement die entsprechende Anfrage beantworten. In Nidwalden sind für 2020 keine Anpassungen im Rabattsystem geplant.