Ein grünes Stück Kalabrien

Als 17-Jähriger ist Gino Arcuri aus Italien in die Schweiz gekommen. Jahre später hat er in Obwalden ein schönes Stück neue Heimat gefunden – mit Garten.

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Gino Arcuri, hier mit einer seiner Lieblingspflanze, der (säbelartigen) grossen Sciabola-Bohne, die er aus Kalabrien mitgebracht hat. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)

Gino Arcuri, hier mit einer seiner Lieblingspflanze, der (säbelartigen) grossen Sciabola-Bohne, die er aus Kalabrien mitgebracht hat. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)

Etwa 150 Quadratmeter gross ist Gino Arcuris kleines Paradies in der unmittelbaren Nachbarschaft der Residenz Am Schärme in Sarnen. Der 62-Jährige ist einer der 60 Pächter auf dem rund 5300 Quadratmeter grossen Areal des Familiengärtnervereins, der 1948 gegründet wurde und aus dem Hauptort nicht mehr wegzudenken ist. Zur schönen Tradition des Vereins gehört der jährliche Blumentag. «Jeder Pächter verpflichtet sich nämlich, neben Gemüse, Früchten und Kräutern auch Blumen zu pflanzen», sagt Gino Arcuri. So konnten am diesjährigen Blumentag vor gut einer Woche rund 150 über 80-jährige Sarner und Sarnerinnen zu Hause mit einem prächtigen Blumenstrauss beschenkt werden.

Aus Kalabrien in die Schweiz

In seinem selbst gezimmerten Gartenhäuschen mit Pergola blickt Gino Arcuri zurück: «Am 2. März 1967 bin ich als 17-jähriger Bursche ganz allein aus Kalabrien in die Schweiz gekommen.» Seine erste Saisonnierstelle habe er durch die Vermittlung eines Kollegen beim Baugeschäft Aregger in Buttisholz gefunden. Bald zog es ihn Richtung Obwalden. Die Pilatus Stahl- und Schneidwaren AG in Alpnach war seine erste Arbeitgeberin in seiner neuen Heimat.

Weitere Stellen und Ausbildungen im Bereich Schweissen, Schlosserei und Spenglerei folgten. Über zehn Jahre arbeitete Arcuri ab 1980 in der Werkstatt des Transportunternehmens Dillier AG in Sarnen. Ganz besonders stolz ist Arcuri, dass er während unzähliger Stunden mithelfen durfte, «den legendären Oldtimerbus ‹Kätherli› aus einem Schrotthaufen wieder fahrtüchtig zu machen». Nach einem Abstecher ins Tessin und einer Stelle in Stans ist Arcuri seit 1995 vollamtlicher Abwart in der Überbauung Türlacher in Sarnen.

Fast täglich im Garten

Seit 1985 ist Gino Arcuri mit Katja verheiratet. Im gleichen Jahr kam auch Sohn Francesco zur Welt. Glücklicher Besitzer eines Gartenanteils bei den Sarner Familiengärtnern ist er seit 1992. Mit dem berühmten «grünen Daumen», Ausdauer, Leidenschaft und Liebe zu den Pflanzen hat er dort ein kleines Reich geschaffen, das er nicht mehr missen möchte. Dazu gehören Salate, Beeren, Kräuter und Blumen. Wenn man die Frage beantworten müsste, welches Gemüse hier nicht wächst, geriete man bestimmt in Verlegenheit – so reich ist der Garten angelegt.

Die meisten Pflanzen zieht er selber, und zwar mit eigenem Saatgut. «Das spart nicht nur Geld, sondern macht auch viel Freude. Besonders, wenn du siehst, wie die Pflanzen gedeihen», schwärmt er und fügt lachend hinzu, «wenn sie nicht von den Spatzen gefressen werden.»

«Ich gehe fast täglich in meinen Garten, verrichte die notwendigen Arbeiten oder freue mich ganz einfach über mein grünes Paradies», sagt Arcuri. Oft trifft man sich auch zum sonntäglichen Apéro mit Kollegen oder grilliert mit der Familie in der Pergola.

Bald soll gezügelt werden

Einige Zeit war die Ungewissheit über die Zukunft der Schrebergärten gross. Die Stiftung Betagtenheim Obwalden hat auf dem bestehenden Gartenareal Ausbaupläne, und schon bald dürften die Bagger auffahren. «Glücklicherweise können wir nun auf eine gleich grosse Nachbarparzelle ausweichen», berichtet der leidenschaftliche Hobbygärtner. Noch dieses Jahr soll die Abstimmung über die Zonenplanänderung stattfinden. «Klar wird der Wechsel viel Arbeit machen», sagt Gino Arcuri, «doch ich freue mich auf den Neuanfang.»

Robert Hess