Ein Märchen aus den USA wird im Theater Giswil witzig inszeniert

In Giswil lebt der amerikanische Traum auf, brillant und amüsant.

Romano Cuonz
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Das  Theater Giswil zaubert lebendige und farbige Szenen auf die Bühne.

Das  Theater Giswil zaubert lebendige und farbige Szenen auf die Bühne. 

Bilder: Romano Cuonz (Giswil, 11. Januar 2020)

Wenn der Vorhang aufgeht, eröffnet sich dem Publikum der Blick in ein bis zum letzten Detail liebevoll und in bunten Farben gestaltetes Wohnzimmer. Die Bühnenbauer (Gabriel Eggi und Theo Halter) des Giswiler Theaters haben keine Mühe gescheut: Weder ein riesiger Bisonkopf noch ein schrulliger Schlangenkäfig fehlen. Eine Treppe führt in den oberen Stock, die andere runter zur Pulverküche. Ja sogar einen Balkon samt Sicht auf die romantisch beleuchtete Skyline von New York gibt es. Die Illusion ist perfekt!

Auf der Bühne ist so einiges los.

Auf der Bühne ist so einiges los. 

«You can’t take it with you» ist eine mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Komödie der Amerikaner Mose Hart und George S. Kaufmann. Im Wohnzimmer der Sycamores wird über mehrere Akte ein naiver aber hoffnungsvoller Traum geträumt. Der Traum nämlich von einer Gesellschaft – oder wenigstens Familie – in der sich jede und jeder selbst verwirklicht und trotzdem alle andern leben und spintisieren lässt.

Eine ganz und gar verrückte Familie

Stoff genug für ein höchst turbulentes Stück zum Schmunzeln und laut Lachen. Ein hübsches amerikanisches Märchen eben, das man eher geniessen als in seinen lebensphilosophischen Ansätzen allzu ernst nehmen sollte. Genau dies hat der junge Musiker und Regisseur Stefan Wieland erkannt, als er das mittlerweile doch etwas altmodisch wirkende Stück unter dem Titel «Mä läbt nur einisch» neu bearbeitete. Nicht weniger als 16 Giswilerinnen und Giswilern hat er die Rollen direkt auf den Leib geschrieben. Von jedem Staub hat er es befreit und die ungestüm wilden Szenen mit der Truppe bis zur letzten Gestik oder Mimik akribisch einstudiert. Voll Komik und Schalk kommt das Stück nun daher, bereichert durch Lieder und geniale Musik, die Wieland zusammen mit Christoph Blum erarbeitet hat.

Erzählt wird nicht mehr und nicht weniger als die Geschichte einer völlig verrückten Familie, in der jede und jeder etwas anderes, womöglich noch spleenigeres tut als der Bruder, die Schwester, die Mutter, der Vater, der Hausfreund. Ja selbst in den USA gestrandete Abkömmlinge des zaristischen Russlands (urkomisch: Ignaz Egger und Ruth Enz) finden da ihren Platz. «Leben und leben lassen» lautet die Devise des Grossvaters (Markus Omlin). Und daran halten sich alle. Die dichtende und malende Mutter Penny (Ingrid Zumstein) hält die Familie zusammen, derweil ihr Gemahl (Theo Huber) mit Feuerwerksexperimenten halb New York aus dem Schlaf reisst. Tochter Essie (Jana Odermatt) wirbelt tanzend umher und ihr Mann (Christoph Blum) klimpert und fidelt auf einem Musikinstrument nach dem andern.

Wie das Mädchen für alles (Carmen Emmenegger) in diesem Tohuwabohu noch kochen und servieren kann, ist ein wahres Wunder. Bewegung gibt’s immer, gestritten wird trotzdem nie. Alles nähme seinen Lauf, würde sich die anmutige Tochter Alice (Sonja Müller) nicht in den Millionärssohn Tony Kirby (Stephan Hurschler) verlieben.

Grosses Gelächter bei den Zuschauern

Nun aber tauchen unverhofft die vor Reichtum strotzenden Wall Street-Schwiegereltern in spe (Kobi Grünenfelder und Edith Zumstein) auf. Mit einem Mal erstarrt die wilde Szenerie zu peinlicher Verlegenheit. Allein dieser wunderschön komische Moment ist den Eintritt wert. Die Spieler müssen ihn regelrecht aushalten, derweil die Zuschauer immer mehr in Gelächter ausbrechen. Natürlich löst sich die Starre vor dem dicken Ende nochmals. Ob der Moderator des Abends (René Odermatt) zum Schluss gar noch eine Verlobung ansagen darf, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: Wer sich in Giswil keinen Platz reserviert, verpasst etwas.

www.theater-giswil.ch