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Ein Stück Hotel Edelweiss für zu Hause

An Pfingsten ging ein Abschnitt Engelberger Hotelgeschichte definitiv zu Ende. Mit dem Verkauf des Inventars schloss die Familie Kuhn das letzte Kapitel des Hotels Edelweiss. Dabei war auch Wehmut.
Beat Christen
Im Hotel Edelweiss in Engelberg wurde an Pfingsten das gesamte Inventar verkauft. Bild: Beat Christen (Engelberg, 20. Mai 2018)

Im Hotel Edelweiss in Engelberg wurde an Pfingsten das gesamte Inventar verkauft. Bild: Beat Christen (Engelberg, 20. Mai 2018)

Dort, wo bis vor wenigen Wochen die Gäste in der Bar einen Schlummertrunk und die Aussicht auf das nächtliche Engelberg genossen, reihte sich Stuhl an Stuhl. Auf einem Tisch waren die Bademäntel aufgestapelt und dazwischen stand eine über ein halbes Jahrhundert alte Nähmaschine mit weiteren kleinen Accessoires. «Wenn wir irgendwo etwas sahen und der Meinung waren, dass dies in unser Haus passt, haben wir es gekauft. Und so ist in all den Jahren doch einiges zusammengekommen», sagt Susanne Kuhn fast entschuldigend.

Mit dem Verkauf des Inventars ging für sie und ihr Team das letzte Kapitel einer über einhundertjährigen Hotelgeschichte zu Ende. Im einstigen prunkvollen Hotelbau aus der Belle Epoque sollen Eigentumswohnungen entstehen.

Bild: Beat Christen (Engelberg, 20. Mai 2018)

Bild: Beat Christen (Engelberg, 20. Mai 2018)

Die Räumung des Hotels ist für Susanne Kuhn keine einfache Angelegenheit. Doch anmerken lässt sie es sich so gut wie nicht. Genau so, wie sie bis zu vor kurzem die Gäste betreute, kümmerte sie sich nun ebenso liebevoll um all jene, die gekommen waren, um im grossen Fundus ein passendes Stück für sich zu ergattern.

Eine emotionale Achterbahn

Es sei fast so wie bei der Bewältigung von Trauerarbeit. «Doch mit jedem Gegenstand, den jemand erwirbt, lebt irgendwo auf dieser Welt ein Stück von der Geschichte unseres Hotels weiter», tröstet sich die Hotelierin, während ihr Mann Peter Kuhn unten im Dorf beim grossen Stelldichein der Oldtimer Autos auf seiner Drehorgel die Besucher mit lustigen Melodien unterhält. Als eine emotionale Achterbahn beschreibt Susanne Kuhn die aktuelle Gefühlswelt und wieselt davon in Richtung Speisesaal, wo Geschirr, Gläser, TV-Geräte und vieles mehr auf neue Besitzer warten.

«Irgendwie ist es schade», meint ein deutsches Ehepaar, das sich einen Kerzenständer als Souvenir ergattert hat. Nur jemanden beeindruckte dies nicht. Mit stoischer Ruhe schien das seit über einhundert Jahren auf der grossen Glasscheibe erscheinende Trachtenmädchen die Szenerie zu beobachten. Eigentlich schade, dass es nicht sprechen kann. Es könnte wohl einige heitere und auch weniger amüsante Geschichten zum Besten geben. Und so bleiben am Ende jene Erinnerungsstücke, welche in zwei Tagen massenweise aus dem altehrwürdigen Hotel getragen worden sind.

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