«Eindrückliches Erlebnis»: Ob- und Nidwaldner Künstler rocken als «Lopper» in Alpnach

Bescheiden reden Armin Wallimann und Roy Michel vom «Musikprojekt Lopper». Was sie am Freitag und Samstag im «Pfistern Up» lieferten, war ein Gesamtkunstwerk.

Marion Wannemacher
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Aus den Nebelmaschinen zischen Kegel in feurigem roten Licht empor. Mystisch und voller Energie, fast aggressiv wirken die ersten Takte des Eröffnungsliedes «Intro» von Armin Wallimann. «Heute werden wir's euch zeigen, heute kriegt ihr auf die Ohren, heute brechen wir das Schweigen, heute werden wir neu geboren», singt Roy Michel. Die Zuschauer stehen in einigem Abstand zur Bühne, Füsse wippen, Köpfe nicken.

Das Projekt Lopper rockt mit Armin Wallimann an der E-Gitarre, Roy Michel als Sänger und Manuell Birrer am Schlagzeug.

Das Projekt Lopper rockt mit Armin Wallimann an der E-Gitarre, Roy Michel als Sänger und Manuell Birrer am Schlagzeug.

Bild: Marion Wannemacher (Alpnach, 2. Oktober 2020)

Endlich ist es so weit, lange hat das Unterwaldner Duo auf diesen Abend gewartet. Diesen hatten die Musiker für den 22. Mai geplant, doch die Pandemie machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Dank Schutzkonzept mit Contact-Tracing und Begrenzung auf 100 Besucher pro Abend am Freitag und Samstag, können sie sich nun im Alpnacher «Pfistern Up» der Öffentlichkeit präsentieren.

Texte mit gesellschaftskritischem Hintergrund

Das Musikprojekt Lopper bietet nicht einfach ein Konzert mit Videoeinspielungen, sondern ein Gesamtkunstwerk, das Ohren, Augen und Vorstellungsvermögen gleichermassen anspricht. Konzertbesucher Roman Stalder aus Lungern will sich überraschen lassen. Der 21-Jährige ist ebenfalls Musiker und kennt den Alpnacher Armin Wallimann, dessen Probelokal neben seinem liegt. Stalder hat grosse Erwartungen: «Ich habe so etwas noch nie gesehen. Es ist cool, was Armin auf die Beine gestellt hat.»

«Cool» ist sie allemal, die Bühnenshow von Lopper. Zu jedem Song hat Armin Walliman ein künstlerisches Video aufwendig produziert. Präzision ist gefragt, denn die Bilder laufen synchron zur Musik, häufig illustrieren sie die Inhalte, wie die Filmszenen aus einem Stummfilm im Song «Ein letzter Schrei», bei dem es um eine abgelebte Liebe geht. Oder sie verdichten den Inhalt der teilweise gesellschaftskritischen Texte. Diese stammen, wie die Lieder auch, zum grossen Teil aus Wallimanns Feder. Es geht um Krieg, ums Streben nach dem Höher und Weiter und um den mangelnden Respekt vor der Schöpfung.

Coole Stimmung mit Lopper im Alpnacher «Pfistern Up».

Coole Stimmung mit Lopper im Alpnacher «Pfistern Up».

Bild: Marion Wannemacher (Alpnach, 2. Oktober 2020)

Ob ihrer Professionalität ist es kaum zu glauben, dass beide erst seit Herbst an der Produktion getüftelt haben. Musikalisch harmoniert es zwischen beiden Musikern extrem gut, sie lieben es, sich komplett ins Zeug zu legen. Wallimann, der aus Alpnach stammt und Musiklehrer ist, bringt seine E-Gitarre förmlich zum Singen. Roy Michel aus Wolfenschiessen hat eine unverwechselbare Stimme, die er genial einsetzt.

Als einzigen Coversong gibt es «Wish you were here» von Pink Floyd zu hören. Michel verleiht ihm dank seiner Rockröhre einen ganz eigenen Charakter. Das Publikum klatscht begeistert. Ein Glücksfall ist für das Duo der Gast-Schlagzeuger Manuell Birrer aus Sachseln. In einem mitreissenden fünfminütigen Solo zeigt er, was in ihm steckt – in hohem Tempo, passend zu den Filmszenen einer Zugfahrt im Zeitraffertempo durch die winterliche Schweiz.

Musikalische Vielfalt von Metal bis Retro-Rock

Musikalisch weist das Unterwaldner Gespann eine spannende Vielfalt auf: Es finden sich Stilrichtungen wie Metal, Elektro und Industrial in ihren Werken. Retro-Elemente aus dem Rock der Achtzigerjahre oder der Neuen Deutschen Welle geben einen Aufschluss über das Alter der beiden: Wallimann ist 50, Michel 53 Jahre alt. Der Sänger fragt, wer in den Achtzigern so richtig abgefahren sei, und einige Hände gehen in die Höhe. Die belebten Grafiken in «Kind der Achtzigerjahre» lassen die Erinnerungen an Tetris, BMX-Rad, Magic Cube, Audiokassetten und Flipper-Kultur aufleben. Mit seinen prägnanten Rhythmen fährt das Lied «Tanzmaschine» ein.

Armin Wallimann legt sich an der E-Gitarre voll ins Zeug.

Armin Wallimann legt sich an der E-Gitarre voll ins Zeug.

Bild: Marion Wannemacher (Alpnach, 2. Oktober 2020)

Zu «Lopperstoned», mit eigens produzierter Kamerafahrt auf dem Töff, heisst es einfach nur: zurücklehnen und geniessen. Die Landschaft um den Lopper ist nicht nur wunderschön. Armin Wallimann hat das Faszinosum bereits folgendermassen erklärt: Einerseits beginne hinter dem Lopper die Welt, von der anderen Seite her bedeute es, heimzukommen. Kurz vor der Premiere sagte Wallimann auf die Frage nach seinen eigenen Erwartungen: «Wir wollen einfach, dass die Leute ein eindrückliches Erlebnis haben.» Das ist «Lopper» geglückt.

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