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Eine Ausstellung so schräg wie die Kägiswiler Galerie selber

«Schräg und Grad» lautet der Titel der neusten Ausstellung im Kulturraum Kägiswil. Drei Künstler laden ein zum Schmunzeln.
Romano Cuonz
Von links: André Gutknecht, Roger Streit und Fredi Gertsch.Bild: Romano Cuonz, (Sarnen, 19. Oktober 2019)

Von links: André Gutknecht, Roger Streit und Fredi Gertsch.Bild: Romano Cuonz, (Sarnen, 19. Oktober 2019)

Ein Merkmal zeichnet die Ausstellungsmacherinnen Yvonne Gnos und Elisabeth Hartmann aus: Jedes Mal, wenn sie im schönen Kulturraum Kägiswil zu einer Vernissage einladen, überraschen sie ihr Publikum mit spontanen, dem konventionellen Kunstbetrieb eher wenig entsprechenden Ausstellungsideen. Auf die gegenwärtige Ausstellung trifft dies ganz besonders zu. Yvonne Gnos sagt zur Entstehung der Idee: «Ich entdeckte im Magazin ‹Grüezi› zufällig einen Artikel über die coolen Kuhbilder des Künstlers Fredi Gertsch aus Burgdorf und war begeistert.»

Auf eine Anfrage habe dieser sofort und gerne zugesagt. Nun aber galt es für Yvonne Gnos, weitere eher ungewöhnliche, womöglich sogar schräge Künstler zu gewinnen. Und sie wurde fündig. Durch die Eingabe «Schräge Vögel» im Internet kam sie auf den Burgisteiner Metallkünstler Roger Streit. Auf einer Liste mit Aargauer Künstlern stach ihr sofort André Gutknecht aus Fischbach-Göslikon mit dem seltsamen Künstlernamen «BONVALET» in die Augen. Und bald stand auch der Ausstellungstitel, den, wie immer, die Grafikerin Miranda Comeaux treffend auf die Einladung setzte: «Schräg & Grad». Schräg, so Gnos, habe ja auch einen Bezug zum Boden im Galerieraum, der tatsächlich abfallend schief sei. Fadengerade aber ist zweifellos das handwerkliche Können aller drei Künstler.

Kuhle Bilder zum Schmunzeln

Der Emmentaler Fredi Gertsch malt Kühe wie kein anderer: mit Hörnern zwar, aber schrill gefärbt und immer auch mit einem Augenzwinkern. Am Solothurner Kunstsupermarkt wurde er für seine witzigen Biester zum «Newcomer des Jahres» gekürt. Warum denn gerade Kühe? «Ich wollte etwas malen, das mit meinem Herkunftsort zu tun hat, und das waren dann eben Emmentaler Kühe!», sagt Gertsch. Und fügt schmunzelnd hinzu: «Neue Kälber braucht das Land. Solche, die Betrachtern eine gute Laune bescheren.» Das tun seine Bilder in zahlreichen Techniken – Acryl, Öl, Mixed, Media, Collage, Schablonen, Airbrush – ohne jeden Zweifel. In Kägiswil, so gut wie zuvor schon in Langenthal, Zürich, Basel, ja gar in New York und Sidney. Auch André Gutknecht alias BONVALET verfolgt mit seiner freiberuflich ausgeübten Kunst vor allem ein Ziel, das er mit wenigen Worten umreisst: «Ich fertige meine Werke grundsätzlich an, um mir selber und möglichst vielen anderen eine Freude zu bereiten.»

Und auch im Werk des Aargauers spielen Haustiere eine grosse Rolle: Ziegen, Kühe, Hühner und, und, und. Ins Bild setzt er seine Tiere, obwohl nicht explizit schräg, so doch ziemlich eigenwillig. Die mit Acryl bemalten Leinwände bearbeitet Gutknecht zuerst mit Sand, feinen Holzspänen oder Sägemehl. Tiere erscheinen auf pastellfarbigem Hintergrund fast schon ein wenig poetisch verklärt. Landesweit auf sich aufmerksam gemacht hat der Künstler mit riesenhaften 3D-Werbeobjekten oder witzigen Strassenkreisel-lllustrationen. In Kägiswil zieht er die Blicke der Besucher mit sehr realistisch gestalteten, vier Meter hohen Pusteblumen im Garten auf sich.

Der Berner Roger Streit bietet in seinem Burgisteiner Atelier via Internet allen, die einen eigenen schrägen Vogel herstellen möchten, Schweisskurse an. Zweifelsohne: Wo der seriöse Metallarbeiter Streit am Werk ist, stieben die Funken. Dabei entstehen aber nicht Alltagsgegenstände oder gar Werkzeuge. Aus seinem Atelier fliegen oder trippeln mehr als kuriose Vögel, da kriechen auch Krokodile, Schlangen oder Echsen.

Der mit dem alten Eisen spricht

Allein schon ihre schön rostige Farbe verrät, dass sie aus altem Eisen bestehen. Streit zu seinen schrägen Ideen: «Die alten Werkzeuge sprechen zu mir und ich gehorche ihnen.» Alteisen findet er oft auf Bauernhöfen, Armierungseisen sucht er auf Baustellen. Manchmal kombiniert der Künstler die Werke auch mit Steinen, die er in Bächen und Flüssen aufspürt.

Viel mehr sagt er zu seinen höchst skurrilen, ja ganz einfach schrägen Objekten nicht. Da hütet er offenbar ein Geheimnis. Vielleicht kommt man ihm auf die Spur, wenn man die Ausstellung in Kägiswil besucht.

Ausstellung Schräg & Grad im Kulturraum Kägiswil bis zum 3. November. Auskunft über Zufahrt und Öffnungszeiten gibt www.kulturraum30.ch.

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