Einigung mit Einsprechern verteuert Sarneraa-Hochwasserschutz

Durchbruch im Hochwasserschutz Sarneraatal: Der Kanton hat sich mit den Umweltverbänden geeinigt. Sie ziehen ihre Einsprachen zurück. Doch das Ergebnis kostet mehr Geld und mehr Land.

Markus von Rotz
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Beispiel einer Aufweitung der Sarneraa, wie sie bei der Zentralbahnbrücke kurz vor dem Wichelsee geplant ist. (Bild: PD)

Beispiel einer Aufweitung der Sarneraa, wie sie bei der Zentralbahnbrücke kurz vor dem Wichelsee geplant ist. (Bild: PD)

Nicht weniger als 29 Einsprachen gingen im Herbst 2016 gegen die Massnahmen für den Hochwasserschutz an der Sarneraa ein. Mit dabei die Umweltverbände Aqua Viva, Pro Natura, WWF, Bird Life Schweiz, Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee sowie die Fischereiverbände Schweiz und Obwalden. Nun meldet der Kanton eine Einigung mit diesen Kreisen. Sie verzichten auf Beschwerden gegen die Projektgenehmigung. Insgesamt sind 22 Einsprachen zurückgezogen, auf eine trat der Regierungsrat nicht ein, sechs sind noch hängig. Dank der jetzt getroffenen Vereinbarung zwischen Kanton, Gemeinde Sarnen und Umweltverbänden sei die Grundlage geschaffen, «dass auch für die Mehrzahl dieser noch verbleibenden Einsprachen eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann», schreibt der Kanton. Weil zusätzlich unter Federführung der Gemeinde Sarnen ein Geschiebesanierungskonzept für den Bitzighoferbach erarbeitet wird, verzichten die Umwelt- und Fischereiverbände «zahlreiche weitere Forderungen».

Die Einigung hat ihren Preis

Die Umwelt- und Fischereiverbände hatten in insgesamt 27 Anträgen eine «zu geringe ökologische Aufwertung und Gewässerraumbreite der Sarneraa sowie die Längsvernetzung für die Fischwanderung bemängelt». Nun einigte man sich so:
Auf Höhe des Flugplatzes Kägiswil wird die Sarneraa in den Gebieten Matte und Driangel zusätzlich aufgeweitet. Gegenüber dem 2016 aufgelegten Projekt sind zusätzlich 1,4 Hektaren Land nötig. Als Folge dessen muss der Hauptsammelkanal der ARA Sarneraatal auf einer Länge von 700 Metern verlegt werden. Baudirektor Josef Hess rechnet alles in allem mit Mehrkosten von 3 Millionen Franken. «Hätten wir auf alle Forderungen eingehen müssen, wären die Mehrkosten bei 6 Millionen gelegen.»

Der Kanton spricht von einem «Kompromiss, der das Ergebnis intensiver Verhandlungen darstellt». Doch könne damit «ein langwieriges und kostspieliges Rechtsmittelverfahren mit ungewissem Ausgang vermieden werden». Auch Urs Brütsch, Gewässerschutzexperte beim WWF Zentralschweiz, einem der Einsprecher, redet von einem Kompromiss. «Es ist nicht der grosse Erfolg, den wir erhofft hatten.»

Es sei ihm bewusst, dass die Aufweitungen mit dem zusätzlichen Landbedarf «nicht so einfach über die Bühne gehen dürfte.» Gerade in Bauernkreisen. Diesen würde er sagen:

«Ich begreife Landwirte, dass sie auch für ihren Boden kämpfen. Doch es geht um ein Jahrhundertprojekt, und so ist es sicher angebracht, auch etwas für das Gewässer zu tun, dem man damals, als man es kanalisierte, viel Land weggenommen hat.»

Auch Brütsch spricht von intensiven Verhandlungen. Man habe auf beiden Seiten um Lösungen gerungen, der Kanton habe sich dabei sehr konstruktiv verhalten. Das Projekt Sarneraa (Bitzighoferbach bis Brücke Bahnhofstrasse) wird im Herbst neu aufgelegt.

Eine Einigung auch in Alpnach

Auch fürs Projekt Etschischwelle bis Wasserrückgabe Kraftwerk Sarneraa in Alpnach einigte sich der Kanton mit den Umweltverbänden. Streitpunkt war vor allem der Geschiebehaushalt. Die Verbände erhalten Einsitz in die Begleitkommission.

Baudirektor Josef Hess, der bei den meisten Gesprächen dabei war, vor allem am Schluss, bezeichnet den Kompromiss als «sehr gut». Es seien praktisch alle Einsprachepunkte weg, so dass man zeitgerecht vorwärts machen könne. «Und vor allem können wir auch das Hilfswehr in Sarnen bauen. Ganz entscheidend ist zudem die Einigung in Alpnach, weil es dort viel zeitkritischer ist und wir nun wirklich vorwärts machen müssen.»

Bauern wollten vor Gericht

Zur Lösung an der Sarneraa habe er «einige Kritik von Bauern gehört. Am liebsten wären diese mit uns Seite an Seite vor Bundesgericht gezogen. Aber das hätte uns weitere 4 bis 5 wertvolle Jahre gekostet und bei diesem Projekt steht zu viel auf dem Spiel, ich möchte nun vorwärts machen.» 14 Jahre nach dem Hochwasser 2005 mit Schäden von 250 Millionen Franken «könnte bei einem Hochwasser kein Liter zusätzliches Wasser aus dem Sarnersee abfliessen». Der Kanton wolle allen Bauern Realersatz anbieten. «Wir haben 80 bis 90 Prozent des dafür nötigen Bodens erworben. Die wegen des Kompromisses zusätzlich erforderlichen 1,4 Hektaren könnten wir beispielsweise auch dadurch gewinnen, indem wir beim Flugplatz Kägiswil die Piste wie angedacht verkleinern und rekultivieren könnten.»

Geplant ist, dass das Sarneraatal ab 2024 besser vor Hochwasser geschützt ist. Kernstück ist ein Hochwasserentlastungsstollen.