Energie
Kloster Engelberg stellt Eigenversorgung mit Strom sicher

Strompioniere in der Mönchskutte: Seit 1941 hat das Benediktinerkloster Engelberg ein eigenes Kraftwerk. Nach 80 Jahren in Betrieb musste nun der Generator einer Revision unterzogen werden.

Beat Christen
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Blick in den Maschinenraum des klostereigenen Wasserkraftwerks Tagenstal.

Blick in den Maschinenraum des klostereigenen Wasserkraftwerks Tagenstal.

Bild: Beat Christen (Engelberg, 9. Februar 2022)

Der mit rotem Blech ummantelte Generator hat es in sich. Zwar ist er «nur» knapp 1,5 Kubikmeter gross, sein Gewicht ist happig. Knapp sechs Tonnen wiegt der grössere der beiden Generatoren, welche im Kraftwerk Tagenstal des Benediktinerklosters Engelberg elektrische Energie erzeugen. «Nach gut 80 Jahren in Betrieb ist es an der Zeit, das Herzstück der klösterlichen Stromversorgung nach einer Routineüberprüfung einer erneuten Generalüberholung zu unterziehen», begründet René Murer, Betriebsleiter vom Kraftwerk Tagenstal des Klosters Engelberg, die in diesem Jahr aufwendigen Revisionsarbeiten.

Zentimeter um Zentimeter wurde der Koloss im Februar immer schön die Waagrechte haltend zuerst von seinem Standplatz abgehoben, um dann für den Transport in die Werkhallen der für solche Revision spezialisierten Firma Gebrüder Meier AG in Regensdorf bereitzustellen. Die Ausrichtung zur Türe musste genau stimmen. «Schliesslich hatten wir zwischen den Türpfosten lediglich Platz von wenigen Zentimetern. Mit diesem Gewicht eine Korrektur der Fahrtrichtung vorzunehmen, wäre aussichtslos gewesen.» Gross war die Erleichterung, als der Generator am Kranhacken des Lastwagens schwebend auf der Ladebrücke deponiert werden konnte. «Nach der nun abgeschlossenen Revision erfolgt jetzt die gleiche Arbeit in umgekehrter Reihenfolge», so die Feststellung des Betriebsleiters des Kraftwerkes.

Zwischen Türrahmen und Generator passen gerade mal fünf Zentimeter.

Zwischen Türrahmen und Generator passen gerade mal fünf Zentimeter.

Bild: Beat Christen (Engelberg, 10. Februar 2022)

Eigene Wasserkraft nutzen

Dass die Revision von Wasserkraftwerken während der Wintermonate erfolgt, hat gute Gründe. Erfahrungsgemäss steht dann zur Stromgewinnung weniger Wasser zur Verfügung. Und so kann schon mal auf eine Turbine mit angeschlossenem Generator für eine kurze Zeit verzichtet werden. Seit dem 20. November 1941 bezieht das Benediktinerkloster Engelberg Strom von seinem eigenen Kraftwerk. «Ein Wahnsinnswerk, das unsere Mitbrüder damals bei den aufkommenden Wirren des Zweiten Weltkrieges initiiert haben», zollt Abt Christian Meyer den Strompionieren seines Klosters Hochachtung. Die Voraussetzungen für ein eigenes Wasserkraftwerk waren günstig. Auf der klostereigenen Alp Tagenstal gibt es heute immer noch zahlreiche Quellen, welche auch im Winter Wasser liefern.

«Im Juli 1939 hat dann das Klosterkapitel einstimmig den Bau des Wasserkraftwerkes beschlossen und noch vor Wintereinbruch wurde mit dem Bau des 81 Meter langen Überlaufstollens begonnen», hat Abt Christian Meyer im Archiv des Klosters recherchiert. Zeitweise waren bis zu 102 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Neben dem Bau des Stauwehrs musste auch die 1200 Meter lange gusseiserne Rohrleitung von der Apparatekammer bis zum Kraftwerkseinbau verlegt werden. Obwohl viele Arbeiten von den Mitbrüdern des Klosters selber verrichtet wurden, kamen für diese heikle Arbeit Spezialisten zum Einsatz. Im Maschinenraum wurden zwei Maschinengruppen installiert. Die an die eindüsigen Pelton-Turbinen gekuppelten Generatoren von 1120 kVA und 450 kVA Nennleistung erzeugen dabei den Strom.

Zukunftspläne mit Sonnenstrom

War das Kraftwerk Tagenstal bei der Erstellung in erster Linie für den Eigenverbrauch vorgesehen, ist es heute eine wichtige Einnahmequelle für das Benediktinerkloster. Während der wasserreichen Sommermonate produziert das Kraftwerk Stromüberschuss, der den heutigen Eigenverbrauch des Klosters übersteigt. «Jährlich können wir so rund 4000 Megawattstunden abgeben», rechnet Abt Christian Meyer vor. Wie wichtig die eigene Stromproduktion ist, zeigte das Hochwasserereignis vom August 2005. Engelberg war damals während Tagen nicht nur verkehrstechnisch, sondern auch in Sachen Stromversorgung von der Aussenwelt abgeschnitten. Bis eben das Benediktinerkloster. Abt Christian Meyer erinnert sich, «dass wir dank der eigenen Stromproduktion während Tagen Hunderte von Einheimischen und Touristen mit einer warmen Mahlzeit versorgen konnten. Dieses Ereignis hat gezeigt, dass eine gewisse Unabhängigkeit kein Nachteil ist.»

Auch deshalb wird das Benediktinerkloster Engelberg weiterhin auf die Produktion von erneuerbaren Energien setzen und ist auch bereit, neue Wege mit der Nutzung von Sonnenenergie zu beschreiten. So ist unter anderem geplant, das Dach Dreifachturnhalle mit Fotovoltaikmodulen auszustatten. «Die Strompioniere unter den Mitbrüdern hätten sicher Freude an diesem Schritt», ist Abt Christian Meyer überzeugt und weiss gleichzeitig, dass die Stromproduktion mit erneuerbaren Energien kein Selbstläufer ist. Der Unterhalt der Anlage mit Bachfassung, Stauwehr, Druckleitung sowie Turbinenhaus samt Einrichtungen ist kostenintensiv. «Doch damit stellen wir den zuverlässigen Betrieb des für uns eben auch wirtschaftlich wichtigen Kraftwerkes sicher.»