ENGELBERG: Ammann für Tournee-Hauptprobe gerüstet

Simon Ammann zählt bei seinem 16. Heimweltcup zum wiederholten Mal zum Favoritenkreis. Der Toggenburger reist als zweifacher Saisonsieger nach Engelberg.

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In Engelberg will Simon Ammann wieder aufs Podest springen. (Bild: Keystone)

In Engelberg will Simon Ammann wieder aufs Podest springen. (Bild: Keystone)

Das Schweizer Skisprung-Team kehrt nach einem Trainingsblock zurück in den Weltcup. Die Mannschaft von Martin Künzle verlängerte nach den Wettkämpfen in Lillehammer den Aufenthalt in Norwegen und verzichtete am vergangenen Wochenende auf die Reise nach Nischni Tagil (Russ). Die einwandfrei hergerichtete Olympia-Schanze von 1994 in Lillehammer nutzten Ammann und Co. für vier Trainingstage. Danach testeten die Schweizer mit Ausnahme ihres Leaders die Form in Norwegen an Springen in Rena und Notodden. Killian Peier unterstrich dabei seine Fortschritte mit einem Podestplatz im Continental Cup, der zweithöchsten Wettkampf-Serie.

Auch in Engelberg wird Ammann sein eigenes Programm abspulen. Er verzichtete gestern Donnerstag auf ein freies Training und steigt heute Freitag mit den Probesprüngen für die Qualifikation ein. Als Nummer 7 des Weltcup-Klassements ist der 33-Jährige für die Wettkämpfe gesetzt. Für Gregor Deschwanden, Peier sowie sechs weitere Schweizer gilt es am Freitag hingegen bereits ernst - 40 Springer bestreiten zusammen mit den Top Ten die Weltcupspringen. Weil der Continental Cup in Garmisch-Partenkirchen und der Alpen-Cup in Seefeld mangels Schnee ausfallen, nutzt ein Grossteil des Schweizer Kaders die Startmöglichkeit in der nationalen Gruppe bei Weltcup-Events.

Ein Sieg vor dem Heimpublikum ist immer etwas Besonderes, Ammann hat dies bereits dreimal geschafft. Der Toggenburger verfolgt diesen Winter allerdings noch höhere Ziele. Der Gesamtsieg an der Vierschanzentournee oder der erste Weltcupsieg auf österreichischem Boden stehen bei ihm zuoberst auf der Prioritätenliste. Engelberg bildet für den vierfachen Olympia-Sieger die Tournee-Hauptprobe. Der Klassiker beginnt bereits sechs Tage nach Engelberg, Trainings liegen nicht mehr drin. Das Resultat von Engelberg gibt somit den letzten Anhaltspunkt; dieser muss aber nicht wegweisend sein. Vor einem Jahr hatte Ammann unmittelbar vor Engelberg zweimal auf dem Podest gestanden, enttäuschte danach auf der Titlis-Schanze und meldete sich mit einem Sieg in Oberstdorf zurück.

Deschwanden kriselt

Hinter dem Teamleader kam die Hierarchie in der Schweizer Equipe zum Saisonauftakt durcheinander. Der Olympia-Teilnehmer Gregor Deschwanden steht noch ohne Weltcup-Punkte da, Peier hingegen klassierte sich in zwei seiner drei Springen in den Top 30. Deschwanden, der im Training auch gute Sprünge zeigt, verhaute bislang jedes Wettkampf-Wochenende. Der Luzerner muss sich in Engelberg beweisen. Denn das anschliessende Tournee-Programm - mit im Fall von Deschwanden acht Wettkämpfen in elf Tagen - ist kaum geschaffen, um die Form zu finden.

Peier hingegen überzeugte. Der 19-jährige Waadtländer landete bei seinem ersten Weltcupspringen in Klingenthal (De) gleich im 17. Rang. Der Newcomer aus La Sarraz wuchs im Sport auf den Schanzen im Vallée de Joux auf. Sein Förderer war Sylvain Freiholz, der WM-Dritte von Trondheim 1997. Vor drei Jahren wechselte Peier ins Leistungszentrum nach Einsiedeln, wo er noch jetzt im Internat wohnt. Beruflich absolviert der Waadtländer, der gut Deutsch spricht, eine kaufmännische Ausbildung an einer Sportschule in Zürich. Weil noch Schularbeiten anstanden, verzichtete Peier auf die Wettkämpfe in Kuusamo (Fi) und sprang erst wieder in Lillehammer.

Das Programm

Freitag, 19. Dezember. 11.30 Uhr: Training. - 13.30 Uhr: Qualifikation.
Samstag, 20. Dezember. 13.15 Uhr: Probedurchgang. - 14.15 Uhr: 1. Durchgang, anschliessend Finaldurchgang der besten 30
Sonntag, 21. Dezember. 12.45 Uhr: Qualifikation. - 14.15 Uhr: 1. Durchgang, anschliessend Finaldurchgang der besten 30.

Technische Daten der Gross-Titlis-Schanze:

Gesamthöhe: 110 m. - Anlauflänge: maximal 123 m. - Geschwindigkeit beim Absprung: 90 bis 92 km/h. - Gesamtlänge bis Beginn Auslauf: 323 m. - Kalkulationspunkt: 120 m. - Hillsize: 137 m. - Schanzenrekord: 142 m (Sigurd Pettersen/No, Continental Cup 2008). - Weltcup-Bestweite: 141 m (Simon Ammann/Sz 2009 und Janne Ahonen/Fi 2004). - Fassungsvermögen Stadion: ca. 20'000 Zuschauer.

Weltcup-Sieger in Engelberg:


1980: Toni Innauer (Ö). - 1981: Per Bergerud (No). - 1982: Klaus Ostwald (DDR). - 1983: Bergerud. - 1985: Jens Weissflog (DDR). - 1986: Andreas Felder (Ö). - 1988: Weissflog. - 1990: Ari-Pekka Nikkola (Fi) und Franci Petek (Jug). - 1992: Felder. - 1993: Janne Ahonen (Fi). - 1995*: Roberto Cecon (It/zwei Siege). - 1996*: Jani Soininen (Fi) und Andreas Goldberger (Ö). - 1997* (Januar): Primoz Peterka (Sln/zwei Siege). - 1997* (Dezember): Andreas Widhölzl (Ö) und Masahiko Harada (Jap). - 1999*: Ahonen und Kazuyoshi Funaki (Jap). - 2000* (Januar): Martin Schmitt (De/zwei Siege). - 2000 (Dezember): nicht ausgetragen. - 2001*: Stephan Hocke (De) und Adam Malysz (Pol). - 2002*: Ahonen und Sven Hannawald (De). - 2003: Roar Ljökelsöy (No). - 2004*: Ahonen (zwei Siege). - 2005: Jakub Janda (Tsch). - 2006*: Gregor Schlierenzauer (Ö) und Anders Jacobsen (No). - 2007*: Thomas Morgenstern (Ö) und Andreas Küttel (Sz). - 2008*: Simon Ammann (Sz) und Schlierenzauer. - 2009**: Ammann (zwei Siege) und Schlierenzauer. - 2010**: Morgenstern (zwei Siege) und Andreas Kofler (Ö). - 2011*: Anders Bardal (No) und Kofler. - 2012*: Kofler und Schlierenzauer. - 2013*: Jan Ziobro (Pol) und Kamil Stoch (Pol).

* = 2 Springen / ** = 3 Springen

Schweizer Podestplätze: Hansjörg Sumi (3./1980), Stefan Zünd (2./1992), Sylvain Freiholz (2./1993), Simon Ammann (2./2001, 2./2006, 1./2008 I, 3./2008 II, 1./2009 I, 2./2009 II, 1./2009 III) und Andreas Küttel (1./2007).

Weltcup-Stand (7/32):1. Anders Fannemel (No) 430. 2. Severin Freund (De) 361. 3. Peter Prevc (Sln) 323. 4. Michael Hayböck (Ö) 313. 5. Gregor Schlierenzauer (Ö) 295. 6. Roman Koudelka (Tsch) 290. 7. Simon Ammann (Sz) 281. - Ferner: 38. Killian Peier (Sz) 15.

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