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ENGELBERG: Beim zwölften Mal sitzt das «Aua!»

Primarschüler entwickeln gemeinsam ein Hörspiel. Und zwar von der Idee bis zum fertigen Produkt. Dabei erhalten sie prominente Hilfe.
Matthias Piazza
Engelberger Primarschüler sprechen eine Szene für ihr selber entwickeltes Hörspiel (von links): Léon Patt, Jonas Brimelow, Jana Keiser und Sina Keiser. Bild: Matthias Piazza (Engelberg, 15. November 2016)

Engelberger Primarschüler sprechen eine Szene für ihr selber entwickeltes Hörspiel (von links): Léon Patt, Jonas Brimelow, Jana Keiser und Sina Keiser. Bild: Matthias Piazza (Engelberg, 15. November 2016)

«Au, aua!», schreit Sina Keiser ins Mikrofon in einem Schulzimmer im Schulhaus Aeschi, das sozusagen zu einem Tonstudio umgebaut wurde. Grosse Mikrofone sind für die Sprecher aufgestellt. «Versuch es noch etwas genervter, schmerzhafter rüberzubringen», ermuntert Beni Röösli von der Radioschule Klipp + Klang, der fürs Abmischen zuständig ist, die Fünftklässlerin.

Nach weiteren Versuchen ist die Szene im Kasten. Die Vierergruppe – das sind Léon Patt, Jonas Brimelow, Jana und Sina Keiser – verpasst einer Episode ihres Hörspiels gerade den letzten Schliff. Vom bisher Erarbeiteten sind Beni Röösli und Samantha Taha, die von Klipp + Klang die Hörspielproduktion erarbeiten, nach einer Hörprobe sehr überzeugt.

Es ist alles selbst gemacht

Doch nicht nur die Stimmen, auch die Texte sind selbst gemacht. Darum kümmert sich eine andere Vierergruppe der Klasse von Fabienne Doggwiler. Und zwar mit prominenter Unterstützung. Der Engelberger Sänger und Songwriter Elritschi erarbeitet mit den Schülern gerade eine weitere Szene. Es gibt Knacknüsse zu lösen. Wie soll der Lehrer am Morgen die vier Protagonisten wecken? Mit einem absurden Lied? Noch fehlt der Runde die zündende Idee. Vorschläge tauchen auf – und werden wieder verworfen. Von Resignation aber keine Spur, im Gegenteil. Alle beteiligen sich angeregt an der Entwicklung der Dialoge. So auch Bleon Tahiri. «Das Hörspiel macht Spass, ist lustig, interessant und eine neue Erfahrung», zieht er nach gut eineinhalb ­Tagen Hörspielproduktion eine Zwischenbilanz. Man komme gut voran, erzählt er, voller Vorfreude auf das fertige Produkt. Spass hat auch Elritschi, der mit den Schülern die Dialoge entwickelt. «Aber es ist sehr anspruchsvoll. Die Sprecher werden mit unseren Texten dann recht gefordert sein», erzählt er schmunzelnd. Auf die Frage, was ihn in diese Rolle verschlage habe, meint er: «Radio ist meine Welt. Zudem arbeite ich gerne mit Kindern, und Engelberg ist meine Heimat. Diese magische Verbindung macht Spass.»

Was braucht es neben spannenden Dialogen für ein gutes Hörspiel? Es sind die Geräusche. Dafür ging eine weitere Schülergruppe in Engelberg mit dem Mikrofon auf die Pirsch und kam mit einem bunten Strauss an Tönen zurück, um dem Hörer das Gefühl zu vermitteln, dass die Schauspieler sich nicht im Schulzimmer, sondern bei der jeweiligen Szene tatsächlich im Zelt oder im Schnee aufhalten.

Wenn Engelberger Primarschüler sich an das Abenteuer Hörspiel heranwagen, ist der Entstehungsprozess nicht minder interessant. Eine Dokumentationsgruppe hat ihre Kameraden darum während zweier Tage beim Drehbuchschreiben, Üben, Sprechen und Mischen begleitet, ihnen dabei über die Schulter geschaut, sie interviewt und das Ganze auf einer eigenen Website dokumentiert. «Wir zögerten keine Minute, als wir für das spannende Projekt angefragt wurden», erzählt Klassenlehrerin Fabienne Doggwiler gegenüber unserer Zeitung begeistert.

Bühnenaufführung als Höhepunkt

Mit Engelberg beteiligen sich noch fünf weitere Zentralschweizer Schulklassen, darunter auch eine aus Buochs, an diesem gemeinsamen Wanderhörspiel der Radioschule Klipp + Klang, welches in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Zentralschweiz durchgeführt wird. Die Schulklassen produzieren je eine Folge des Hörspiels in ihrem Dialekt zum Thema Traumgeschichte. Die Rahmenhandlung: Die Schulklassen begeben sich von ihrer Gemeinde aus auf eine zweitägige Sternwanderung mit Ziel Stans. Die Nacht verbringen sie im Zelt. Kurz vor dem Einschlafen setzt die Handlung der jeweiligen Hörspielepisoden ein. Die Hauptdarsteller teilen sich ein Zelt, schlafen ein und träumen einen gemeinsamen Traum.

Den Höhepunkt des Projekts bildet die dreitägige Schlussveranstaltung vom 26. bis 28. Januar 2017 in Stans. Alle beteiligten Schülerinnen und Schüler werden unter der Begleitung von Theaterfachleuten das Hörspiel gemeinsam szenisch umsetzen und öffentlich aufführen.

Hinweis

Die Website zum Entstehungsprozess: www.ms2dgemeindeschuleengelberg.jimdo.com

Matthias Piazza

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