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ENGELBERG: Bergretter müssen sich blind vertrauen

Die Fachspezialisten Helikopter der Alpinen Rettung Schweiz riskieren viel für andere. So auch am vergangenen Wochenende in der Nordwand am Titlis.
Philipp Unterschütz
Ein Bergretter mit Trage an einer Übung im Jahr 2014. (Bild: PD)

Ein Bergretter mit Trage an einer Übung im Jahr 2014. (Bild: PD)

Philipp Unterschütz

Wie lange sie brauchten, um sich zum Verletzten abzuseilen, kann Martin Hepting gar nicht sagen. Er war einer der vier Fachspezialisten Helikopter, die in der vergangenen Samstagnacht in einer spektakulären Rettungsaktion einen Tessiner Kletterer aus der Titlis-Nordwand bargen, damit er von der Rega ins Spital geflogen werden konnte. «Da schaut man nicht auf die Uhr. Wir wollten so schnell und sicher als möglich unseren Dienst in der Rettungskette leisten, den Verunfallten bergen, ihn auf einer Patiententrage abbremsen und in ärztliche Obhut übergeben.» Der Kletterer war auf der klettertechnisch schwierigsten Nordwand-Route verunglückt. Die Bergung musste dementsprechend an einer sehr exponierten Stelle direkt in der Wand erfolgen (Ausgabe vom Montag).

Einsatz war eine Meisterleistung

Ein Fall also für die spezialisierten Bergretter des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), die sogenannten Fachspezialisten Helikopter (siehe Kasten). Die mehrstündige Rettungsaktion in der Nacht wurde von der Rega als absolute Meisterleistung bezeichnet. «Es war wirklich eine Superleistung, schliesslich fand der Einsatz an der schwierigen Stelle zum Teil in der nächtlichen Dunkelheit statt. Er dauerte bis nach Mitternacht. Zudem brauchte es einiges an Material, um den Verletzten bergen und abbremsen zu können», bestätigt Elisabeth Floh Müller, stellvertretende Geschäftsführerin der Alpinen Rettung Schweiz.

Dunkelheit erschwerte Rettung

«Beim Rekognoszierungsflug stellte die Einsatz-Crew gemeinsam mit dem aufgebotenen Fachspezialisten Helikopter fest, dass eine direkte Rettung per Helikopter fliegerisch unmöglich war. Deshalb wurden weitere drei Fachspezialisten Helikopter aufgeboten, um die Bergung in der Wand vorzunehmen», erzählt Martin Hepting.

Drei Paar Doppelseile zu 60 Metern, zwei Seile à 100 Meter, eine Bahre, ein Ked zur Oberkörperfixierung, Akkubohrer, persönliche Kletterausrüstungen gehörten unter anderem zum Equipment der Retter, mit dem sie sich rund 200 Meter zum Verletzten abseilen mussten. «Zu Beginn war es noch hell, nach dem Eindunkeln hatten wir zusätzlich erschwerte Bedingungen, beispielsweise bei Verankerungen, wo man genau hinschauen muss.»

Unzählige Bohrhaken mussten sie anbringen und sich mühselig eine sichere Route suchen. Wegen des rund 40 Meter überhängenden Felsens konnten sich die Bergretter nämlich nicht einfach senkrecht abseilen, um zum Verletzten zu gelangen.

Auch für die Fachspezialisten Helikopter war die Rettung am vergangenen Wochenende nicht alltäglich. Solch schwierige Einsätze kämen eher selten vor, sagt Martin Hepting, der schon 32 Jahre als Bergretter dabei ist. Es gebe zwar immer mal wieder Ereignisse in der Nordwand am Titlis, aber an dieser Stelle hätten sie noch nie retten müssen. Erst 120 Meter unterhalb des Bergungsortes fanden die Fachspezialisten eine Stelle, von wo aus die Windenrettung per Heli­kopter möglich war. Bis dorthin mussten die Retter den medizinisch versorgten Patienten nach der Umlagerung auf eine Trage gut gesichert abbremsen, was durch die Felsbeschaffenheit und die messerscharfen Kanten in der Steilwand nochmals zusätzlich erschwert wurde.

Ein Risiko auch für die Retter

Über die emotionale Belastung will sich Martin Hepting nicht gross äussern. Man arbeite sich fokussiert und einsatzorientiert vorwärts. Mit der Erfahrung nehme eine solche Belastung sicher auch etwas ab. «Wenn aber nach der Rettung alle wieder wohlbehalten unten sind, dem Verletzten geholfen werden konnte, alles gut gelaufen ist und wir das Debriefing gemacht haben, dann ist man schon froh», sagt Hepting. Es bestehe ja auch für die Retter immer ein Restrisiko. «Das Rettungsteam muss 100 Prozent harmonieren, es braucht blindes Vertrauen, und es muss alles fast automatisch ablaufen.»

Begehrte Ausbildung

Zu erreichen ist das nur durch intensives Training und viele Übungen. «Die Fachspezialisten Helikopter sind alles Top-Alpinisten», sagt Elisabeth Floh Müller von der Alpinen Rettung Schweiz. «In der Zentralschweiz haben wir acht Bergretter mit dieser Ausbildung. Wir bilden nur so viele aus, wie wir wirklich brauchen, damit sie auch zum Einsatz kommen.» Es sei eine begehrte Ausbildung, die über mehrtägige Module rund eineinhalb Jahre dauere. Es seien fast alles Bergführer mit grossem Erfahrungsschatz, aktive Einsatzleiter und als Retter 3 (höchste Stufe) eingestuft. Bedingung sei aber auch, dass sie jederzeit verfügbar seien.

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