Engelberg / Dallenwil
Sie pendelt zwischen zwei Welten

Am Morgen und Abend Älplerin, während des Tages Gastgeberin in einem Hotel: Silvia Zumbühl pendelt zwischen der Alp in Wiesenberg und Engelberg.

Beat Christen
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Einen Wecker braucht Silvia Zumbühl zumindest während der Sommermonate keinen: Den Weckdienst übernehmen die weidenden Kühe mit ihrem Glockengebimmel auf der Alp Waldmattli oberhalb von Wiesenberg. «Ein herrliches Gefühl, so aufzustehen», gesteht die umtriebige Frau ein. Die gleiche Zeremonie wiederholt sich dann am Abend, wenn sie nach verrichtetem Tagwerk wieder auf die Alp zurückkehrt. «Das Geläut der Kuhglocken hat etwas Beruhigendes, ja fast schon Meditatives.» Silvia Zumbühl begleitet seit sechs Jahren ihren Freund Dominik auf die Alp. Sie kennt das Leben als Älplerin und weiss, die Arbeit auf einer Alp hat wenig mit Romantik zu tun. Anpacken nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei Wind und Wetter ist gefragt. Selber ist Silvia Zumbühl nur wenige hundert Meter hangwärts in Richtung Ächerlipass auf der Alp Seewli aufgewachsen und hat so die Älplergene schon mit der Muttermilch verabreicht bekommen.

Auf der Alp in Wiesenberg kann Silvia Zumbühl Kraft und Energie für ihre Arbeit als Betriebsleiterin des Hotels Sonnwendhof tanken.

Auf der Alp in Wiesenberg kann Silvia Zumbühl Kraft und Energie für ihre Arbeit als Betriebsleiterin des Hotels Sonnwendhof tanken.

Bild: Beat Christen (Dallenwil,
8. September 2021)

Gastgeberin als Berufung

«Ich liebe das Leben auf der Alp. Gleichzeitig bin ich aber auch mit Leib und Seele Gastgeberin.» Nach der kaufmännischen Ausbildung mit anschliessendem Absolvieren der Berufsmaturität ist die gebürtige Wolfenschiesserin in die Hotel- und Tourismusbranche eingestiegen. Seit diesem Sommer leitet sie das zu den Engelberger Kloster-Gastbetrieben gehörende Hotel Sonnwendhof. Dass sie dabei zwischen den zwei Welten, Alp- und Hotelbetrieb, hin und her pendeln muss, stresst sie in keiner Art und Weise. «Die Autofahrten nutze ich jeweils, um abzuschalten oder neue Pläne für den Hotelbetrieb zu schmieden. Unser oberstes Ziel ist es, dass sich die Gäste bei uns wohlfühlen. Der Aufenthalt im Hotel Sonnwendhof soll etwas Besonderes sein.»

Silvia Zumbühl, Vierte von links, setzt im Hotel Sonnwendhof auf Frauen-Power. Sie wird dabei unterstützt von Luzia Matter, Lucia Silva, Indre Lekaviciute, Petra van Gerwen und Paula Braga.

Silvia Zumbühl, Vierte von links, setzt im Hotel Sonnwendhof auf Frauen-Power. Sie wird dabei unterstützt von Luzia Matter, Lucia Silva, Indre Lekaviciute, Petra van Gerwen und Paula Braga.

Bild: Beat Christen (Engelberg,
8. September 2021)

Dies gilt übrigens auch für die Besucherinnen und Besucher auf der Alp. Kaum bei der Alphütte im Waldmattli angekommen, sieht man sich unvermittelt mit der Frage nach einem Getränk konfrontiert. Silvia Zumbühl schafft den Spagat zwischen den zwei unterschiedlichen Berufswelten problemlos und stellt klar, «dass ich dabei immer auch die Nutzung von Synergien auslote». So serviert sie ihren Hotelgästen schon mal zum Frühstück Wachteleier, die von ihren vier auf der Alp gehaltenen Wachteln stammen. Und auch die Milch wird frisch gemolken in der Hotelküche aufgewärmt. «Die Gäste schätzen es, wenn meine Mitarbeiterinnen und ich ihnen frische Produkte aus der Region gleich zum Start in den Tag auftischen.»

Sie steht oft stundenlang am Herd

Hilft Silvia Zumbühl nicht gerade ihrem Freund bei der Alparbeit oder managt den Hotelbetrieb in Engelberg, steht sie nicht selten am Herd und stellt je nach Saison eigene Konfitüren und Honigprodukte her. So verwöhnt die diplomierte Tourismusfachfrau die Gäste mit selber hergestelltem Löwenzahnhonig. Dass man dabei bis zum Endprodukt während mehrerer Stunden am Herd stehen muss, macht ihr nichts aus.

«Die strahlenden Augen der Gäste sind dann Lohn genug»,

sagt Silvia Zumbühl und strahlt selber über das ganze Gesicht. Ganz offenbar scheinen die ausserbetrieblichen Produktionen von Köstlichkeiten auch auf ihre Mitarbeiterinnen abzufärben. «Der Apfelkuchen und die Erdbeerkonfitüre von Indre Lekaviciute sind Weltklasse. Und auch der Bienenhonig von Luzia Matter’s Familie ist sehr begehrt», stimmt die Leiterin vom Hotel Sonnwendhof eine Lobeshymne an und serviert einem von der Wanderung heimkehrenden Gast Kaffee und Kuchen. Auch die Büroarbeit muss sein. Es gilt unter anderem, Dienstpläne für ihr Frauen-Power-Team zu erstellen, und sie setzt dabei wieder ihr charmantes Lachen auf. Dass sie ihren Beruf als Hotelfachfrau und ihre Berufung als Älplerin über alles liebt, bedarf dabei keiner weiteren Erklärungen.

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