ENGELBERG: «Der Frieden ist Frauensache»

Wiederum wagt sich das Theater der Stiftsschule Engelberg an ein antikes Stück. Obwohl Aristophanes seine Komödie «Lysistrata» vor rund 2500 Jahren geschrieben hat, ist sie auch heute aktuell.

Marion Wannemacher
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Lysistrata (Julia Jäggi) wickelt Ratsherr Probulos (Manuel Cavigelli) mit ihrer Logik buchstäblich ein. (Bild: Marion Wannemacher)

Lysistrata (Julia Jäggi) wickelt Ratsherr Probulos (Manuel Cavigelli) mit ihrer Logik buchstäblich ein. (Bild: Marion Wannemacher)

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ obwaldnerzeitung.ch

«Das Schicksal Griechenlands liegt in den Händen der Frauen», sagt Lysistrata (gespielt von Julia Jäggi) pathetisch. Den Frauen langt es, sie wollen keinen Krieg mehr. Lysistrata beschliesst mit ihnen einen Streik. Künftig wollen sie sich ihren Männern verweigern. Ein Eid und ein Opfertrank besiegeln den Entschluss. Gemeinsam zieht frau auf die Akropolis, um diese zu besetzen.

«Es hat uns gereizt, so ein altes Stück, das vor 2500 Jahren verfasst wurde, aufzuführen», sagt Theaterpädagogin Franziska Bachmann Pfister. «Es geht um Krieg und Frieden und um den Anteil der Frauen am Frieden.» Und der ist auch 411 vor Christus, als Aristophanes die Komödie schuf, überraschend beträchtlich.

Eindeutig zweideutige Dialoge

Natürlich versuchen sich die Männer gegen das Streben ihrer Frauen nach Mitsprache zu behaupten, wie der Dialog von Ratsherr Probulos (Manuel Cavigelli) mit Lysistrate zeigt. «Die Frauen sollen sich von den Staatsgeschäften fernhalten», fordert er. Doch zu spät, das neue Selbstbewusstsein der Frauen ist erwacht und nicht mehr zu bremsen. Schliesslich verwalteten sie ja auch das Haushaltsgeld, also warum nicht die Staatsfinanzen? Denn vom Geld werden Waffen gekauft, und damit ist nun Schluss. «Mag sein, dass der Krieg Männersache ist, doch der Friede ist Sache der Frauen», lautet die Proklamation der holden Weiblichkeit. Und zur Not greifen die Frauen zu allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Sie verteidigen ihre Position energisch und erfolgreich mit Besen und Wasserkrügen. «Los Frauen, krempelt eure Ärmel hoch, man soll von weitem unsere Wut riechen können», tönt der Schlachtruf durchs Getümmel.

Aristophanes nimmt kein Blatt vor den Mund. Nein, bestätigt Franziska Bachmann, verändert habe man nichts. Mancher Dialog kommt eindeutig zweideutig daher. Und so treibt Kinesias (Erik Kapmann) der unerfüllte Liebestrieb in die Arme seiner Myrrhine (Johanna Ullrich). Doch die führt ihn gründlich an der Nase rum, erfindet immer neue Vorwände, um sich ihm schliesslich doch zu versagen.

Es ist das Spiel der Anziehung zwischen den Geschlechtern, das der Komödie seine Würze verleiht. Denn mittlerweile sehnen sich auch die Frauen nach ihren Geliebten und versuchen sich unter noch so fadenscheinigen Vorwänden nach Hause zu schleichen. Doch eine unerbittliche Lysistrata lässt sie nicht entkommen. Ob es tatsächlich Frieden geben wird, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Hätten die Szenen dramaturgisch straffer gerafft werden müssen, oder sollten die Spieler zur Premiere hin noch mutiger aus sich herausgehen? Die Schülervorstellung kommt noch etwas ver­halten rüber und lässt gerade das Knistern zwischen den Geschlechtern vermissen. Als gut bespielbar erweist sich das karge Bühnenbild, deren zwei Wände als Gang, gleichzeitig aber auch als Festungsmauer der Akropolis dienen. Schülerin Johanna Ullrich zeichnet für die klassischen antiken Gewänder verantwortlich, unterstützt wurde sie von Catherine de Kegel.

Ins Abschlussbild mischen sich Frauen mit Kostümen aus drei verschiedenen Kriegen unter die Runde: aus der französischen Revolution, dem Zweiten Weltkrieg und eine Hippiefrau zur Zeit des Vietnamkriegs. Das Thema Frieden berührt durch alle Zeiten.

Hinweis

Premiere heute Abend, Stiftsschule Engelberg, 20 Uhr. Weitere Vorstellungen: Samstag, 18. Februar, 20 Uhr; Sonntag, 19. Februar, 17 Uhr; Donnerstag, 23. Februar, 14.30 Uhr. Mehr Infos unter: www.stiftsschule-engelberg.ch.